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Musik ist, ... wenn Marmor langsam weich wird

09.01.2012 | 18:35 Uhr
Musik ist, ... wenn Marmor langsam weich wird
Vier Chöre und zwei Solisten wirkten am Weihnachtskonzert in der St.-Kilians-Kirche mit.

Letmathe.Die St.-Kilians-Kirche konnte am Sonntagabend den Besucheransturm nicht fassen. Viele Zuhörer mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Aber auch für sie hat sich das Kommen gelohnt. Das Weihnachtskonzert im Rahmen der „Letmather Dommusik“ war ein Genuss. Beinah wären selbst die harten Marmorsäulen weich geworden.

Das lag in allererster Linie an der erstklassigen Solistin. Patricia Vivanco begeisterte mit ihrer herrlich reinen, klangvollen Sopranstimme, die auch schwierige Koloraturen sicher beherrscht. Es war fast so, als würde man beim Zuhören - etwa beim „Panis Angelicus’“ - das irdische Jammertal wirklich mal verlassen können.

Natürlich steht das Können einer professionell geschulten Sängerin auf einer anderen Stufe als das, was ein Chor bieten kann, der sich nur in der Freizeit trifft. Die vier Gesangsgemeinschaften, die am Sonntag im „Kiliansdom“ mitwirkten, haben sich jedoch weit mehr als nur wacker geschlagen. Sie haben das Publikum mit ihren Qualitäten echt beeindruckt, was am Zwischenapplaus zu hören war.

Mit welch wunderbar getragenen Stimmen verlieh der MGV Oese dem Lied „Stille Nacht“ anrührende Andacht und Festlichkeit. Fast schon ergreifend klangen die sonoren Bässe in piano. Auch der Elseyer-Nahmer Männerchor beeindruckte mit Klangfülle und Ausdruckskraft bis ins stimmgewaltige Fortissimo.

Und wie schön ist es, wenn man im Kontrast zu Bässen und Tenören im selben Konzert auch noch weibliche Stimmen hören kann. Der Oesetaler Frauenchor begeisterte vor allem mit Gospels wie etwa „O Happy Day“. Da kam auf einmal so viel Schwung in die Kirche, dass Zuhörer mit vergnügten Gesichtern spontan mitklatschten. Und die Säulen des altehrwürdigen Gotteshauses waren nah dran im Rhythmus mitzuschwingen.

Das Weihnachtskonzert glänzte überdies durch eine sehr angenehme musikalische Vielfalt. Für Abwechslung war vor allem dadurch gesorgt, dass in unterschiedlichen Besetzungen gesungen und musiziert wurde. Mal waren es Blechbläser („Hark, the Herald Angels sing“), mal war es ein Trommler, der den Chorgesang ergänzte („The little Drummer Boy“). Mal traten die Chöre allein auf, mal sangen sie gemeinsam oder im Wechsel mit der Sopranistin. Und das Zusammenwirken klappte zumeist hervorragend. Auch dem Kirchenchor St. Kilian und der Hornistin Kathrin Saß sind große Komplimenten zu machen.

Das ganze Konzert unter der Gesamtleitung von Heinrich Mainka wirkte sehr lebendig. Auch die von Pastor Guido Bartels vorgelesene Geschichte vom „Krippenhuhn“ passte als humorvolles Intermezzo gut hinein. Die Übertragungsanlage der Kirche machte jede musikalische Nuance gut hörbar. Zum Schluss war sie allerdings überflüssig. Denn als im Finale sämtliche Chöre mit ihren insgesamt rund 120 Sängerinnen und Sängern gemeinsam im Altarraum sangen, füllte der gewaltige, beeindruckende Klang die Kirche von ganz alleine. Zum Schluss war ein begeisterter Applaus zu hören, der anhielt und in Wellen auf und abschwoll.

Es hat sich wieder mal gezeigt: Ein Weihnachtskonzert dieser Art kann auch nach Weihnachten ein Knüller sein. „Zum Lob Gottes und zur Erbauung der Zuhörer“, formulierte es Pastor Bartels unter Beifall.

Helmut Rauer

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