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Müllmodell-Versuch "Sack im Behälter" ein Erfolg

05.09.2008 | 14:58 Uhr
Müllmodell-Versuch "Sack im Behälter" ein Erfolg

Letmathe. Eine höhere Sortenreinheit beim Abfall durch weniger „Fehlwürfe”, eine Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und eine Verbesserung des Wohnumfeldes durch weniger Müttonnen: Grundsätzlich war der Müllversuch „SiB” (Sack im Behälter) ein Erfolg.

Auf der Sitzung des Umweltausschusses am vergangenen Donnerstag im SASE-Gebäude „Forum der Städtereiniger” an der Max-Planck-Straße stellten Carsten Pleuger, „SiB”-Projektleiter beim Institut „IFEU” (Institut für Entsorgung und Abfalltechnik Iserlohn), Herbert Nüdling, Prokurist und „SiB”-Projektleiter bei dem Entsorgungsunterlehmen Lobbe und Michael Wieczorek, Geschäftsführer der Lobbe-Entsorgung die Versuchsergebnisse vor.

Mehr als zwei Drittel der befragten Einwohner (67,73 Prozent) bestätigten, dass das neue System eine Verbesserung der vorherigen Form der Abfallentsorgung darstellt, für 11,82 trifft dies noch teilweise zu. 20,45 Prozent der Befragten beurteilten das System nicht besser

Der Müllversuch lief in zwei Revieren (Revier 2 und 4) von Februar 2007 bis Februar 2008. Eingebunden in den Versuch waren 10 078 Einwohner, überwiegend aus den Stadteilen Oestrich, Dröschede, Lössel, Roden, Grüne und Pillingsen.

Für den Versuch wurde die „gelbe” Tonne umgedeckelt und erhielt einen silbernen Deckel. Die Abfuhr wurde verkürzt von einem zweiwöchigen auf einen einwöchigen Rhythmus.

Die Tonnen wurden in Entsorgungsfahrzeuge entleert, die zwischen 8 und 9 Tonnen Ladevolumen hatten, im Fahrzeuginnern wurden die grauen, gelben und blauen Säcke mit einen Anpressdruck von 210 bar verdichtet. Dabei stellte sich heraus, dass nur etwa 5 Prozent der Beutel zerstört wurden. In Sümmern erfolgte dann die Sortierung der Säcke per Hand.

Festzustellen ist, dass sich während des Versuches der Anteil des Restabfalls erhöht hat, er betrug rund 192 kg pro Einwohner (2006: 165 kg). Der Anteil der Leichtverpackungen sank während des Versuches von 42,10 kg im Jahr 2006 auf 21,44 kg während des Versuchszeitraumes. Ein deutlicher Anstieg ist dagegen beim Papier zu verzeichnen. So stieg der Anteil im Versuchsgebiet von 54,50 kg im Jahr 2006 auf eine SiB-Menge von 68,29 kg im Jahr 2007.

Werden alle Ergebnisse zusammengefasst, so läßt sich als Resultat festellen, dass das System „SiB” für den Entsorger geringere logistische Aufwendungen bedeutet, eine höhere Aufwendung bei den Sytemkosten (Sackgestellung und Sackverteilung) und zusätzlichen Sortieraufwand mit sich bringt.

Für die öffentliche Hand käme ein geringerer Aufwand für die Sauberhaltung der Landschaft/Stadt und eine Kostenreduzierung der Systemgestellung zu. Dem gegenüber steht aber eine Mehrbelastung bei der Restabfallentsorgung.

Das „Duale System Deutschland” profitiert am meisten vom dem „SiB”-Versuch: Kostenreduzierung bei der Sammlung, Kostenreduzierung bei der Sortierung (wenn die Sortierung per Hand durch eine technische Sortierung ersetzt wird) und eine Qualitätsverbesserung der Wertstoffe.

Auch der Bürger würde profitieren durch den Wegfall des Kaufes von entsprechenden Müllbeuteln für die Abfallentsorgung. Die Einsparung ist da allerdings abhängig von den individuellen Entsorgungsgewohnheiten. Doch darin liegt das größte Problem.

Die Wirtschaftlichkeit von „SiB” in einem größeren Verbreitungsgebiet hängt im Westentlichen von den Sachkosten (Beschaffung der Beutel und die Verteilung) sowie der Verteilung dieses Kostenblocks auf die Kostenträger ab.

Der Müllversuch „SiB” ist noch nicht ganz abgeschlossen, derzeit wird er noch in einem verkleinerten Verbreitungsgebiet mit ca. 1000 Versuchsteilnehmern (Dröschede) weitergeführt. Dabei wird untersucht, ob es weitere Potentiale bei der Kostenreduzierung gibt, wie die Sackverteilung optimiert werden kann (Ersatzsäcke sind derzeit beim Einrichtungshaus Sonneborn zu haben) und ob der Missbrauch der Sammelsäcke eingeschränkt werden kann. Erst nach Abschluss dieser Phase II können mögliche Einsparpotentiale abschließend bewertet werden.

Hartmut Becker

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