Lieder über Liebe und Lebenslust

Kika und Lucy Wilke haben am Donnerstag den „Bahnsteig 42“ eingeweiht.
Kika und Lucy Wilke haben am Donnerstag den „Bahnsteig 42“ eingeweiht.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Premiere für den Bahnhof als neuen Kulturstandort: Mit einem Konzert sorgte das Mutter-Tochter-Duo „blind & lame“ für Begeisterung.

Letmathe..  „Erschrick dich nicht vor dem, was du nicht kennst“, singen Kika und Lucy Wilke in ihrem Song „Come Closer“ – ein Statement für Inklusion und gegen die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderung immer noch behandelt werden. „Es ist nämlich gar nicht nötig, dass immer alles so unentspannt ist“, merkte Lucy am Donnerstag auf der Bühne des rappelvollen „Bahnsteigs 42“ an und erntete damit bei der Einweihung des neuen Veranstaltungsortes viel Applaus.

Für Funke sprang sofort über – bei „caput“ und Publikum

Damit, dass die stimmgewaltige Sängerin im Rollstuhl und ihre blinde Mutter an der Gitarre die neue Kleinkunstreihe „KAB 42“ eröffnet haben, ist für die „caput“-Readaktion, die das Programm gestaltet, ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Die Macher der Zeitschrift der Iserlohner Werkstätten hatten die beiden Musikerinnen einst in Köln interviewt und dabei schon nach wenigen Sätzen gemerkt, dass die Chemie und der berühmte Funke sofort übersprang, wie Pascal Wink vom Redaktionsteam sagte. „blind&lame“ standen sofort ganz oben auf ihrer Liste für den Bahnsteig. Zurecht, denn derselbe Funke sprang auch beim Eröffnungskonzert sofort über. Kein Wunder, denn thematisch sind „blind&lame“ natürlich ganz nah bei den Iserlohner Werkstätten der Diakonie Mark-Ruhr, die ja die Einrichtungen im neu gestalteten Bahnhof betreiben. Mit ihrem Bandnamen machen sie keinen Hehl aus ihren eigenen Behinderungen und mit ihrem Top-Hit beziehen sie klar Stellung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Ansonsten sind „blind&lame“ aber ein tolles, wenn auch ganz normales Gesangs-Duo, das in ihren Eigenkompositionen und Lieblingsliedern vor allem über Liebe und Lebenslust singt. Mit Wurzeln im Swing bei der Tochter und im Flamenco bei der Mutter kommt ein fantastischer Stil-Mix dabei heraus, bei dem beide extrem gut miteinander harmonieren – vollkommen entspannt, fast wie einst „Simon&Garfunkel“, nur eben in blond und weiblich.

Letmathe entpuppt sich damit immer mehr als besonders fruchtbarer Boden für die Kleinkunst – nach dem Gewölbekeller und der Gaststätte Pollmeier hat jetzt mit dem „Bahnsteig 42“ die dritte Bühne mit einem regelmäßigen Kleinkunstprogramm in der Letmather City eröffnet – da können andere Städte nur von träumen.