Krupp-Rentner hoffen auf satte Betriebsrenten-Nachzahlung

So sah es früher aus. Am kommenden Freitag wollen sich die Rentner der Krupp-Werke aus der Nahmer im Zehner-Treffversammeln.
So sah es früher aus. Am kommenden Freitag wollen sich die Rentner der Krupp-Werke aus der Nahmer im Zehner-Treffversammeln.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Wurde durch Thyssen-Krupp eine zu geringe Betriebsrente gezahlt? Vermutlich haben viele Betriebe die Betriebsrenten nicht in dem Maß anpasst, wie es eigentlich hätte geschehen müssen.

Letmathe..  Für die Rentner des Thyssen-Krupp-Konzerns geht es um Geld. Für einige sogar um viel Geld. Um mehr als 1000 Euro rückwirkend und damit verbunden auch um eine höhere Betriebsrente für die Zukunft. Das hat der Iserlohner Rainer Thomas, ehemaliger Krupp-Angestellter aus der Nahmer, berechnet.

Mitte Januar hatte sein Hohenlimburger Kollege Gustav Stefan erfahren, dass viele Betriebe die Betriebsrenten nicht in dem Maß anpassen oder angepasst haben, wie es eigentlich hätte geschehen müssen.

So auch bei Thyssen-Krupp Steel, zu dem nicht nur die ehemalige Kruppianer aus der Nahmer gehören, sondern auch die Hoeschianer von der Mittelbandstraße und des Federnwerkes.

In einem Musterprozess hatten nämlich die Düsseldorfer Richter des Landesarbeitsgerichtes entschieden, dass Thyssen-Krupp-Steel zwei ehemaligen Mitarbeitern, die geklagt hatten, die Betriebsrente nachzahlen muss. „Nicht nur den ehemaligen Mitarbeitern, auch deren Witwen“, betonte Gustav Stefan (78) gegenüber der Redaktion.

Zum Hintergrund: Bis zum Jahr 2013 hat Thyssen-Krupp Steel die Betriebsrenten im Abstand von drei Jahren um drei Prozent erhöht. „Der Steigerungssatz der Lebenshaltungskosten lag im zurückliegenden Jahrzehnt aber viel höher“, betont Stefan. Dabei hat dieser eine Modellrechnung von einer monatlichen Werksrente von 100 Euro, 200 Euro und 300 Euro entwickelt.

Insbesondere für jene Kruppianer, die eine Werksrente von 300 Euro im Monat beziehen, könnte sich eine nicht unerhebliche Nachzahlung von 1134 Euro ergeben. Wenn diese Argumentation greift. „Doch es sind nicht nur die Kruppianer, die betroffen sind. Auch alle ehemaligen Arbeitnehmer von Hoesch Hohenlimburg“, so Stefan.

Auch diese sind aus diesem Grund am kommenden Freitagnachmittag ab 16.30 Uhr in den Zehner-Treff des Kirchenbergstadions, Berliner Allee, eingeladen. Dort wird Werner Vosseler, Bevollmächtigter der IG Metall Hagen, die Ausführungen von Gustav Stefan ergänzen und weitere Fragen beantworten.

Stefan hat bereits ein Antragsschreiben an die Thyssen-Krupp Dienstleistungen GmbH erstellt, dass jeder Teilnehmer ausfüllen soll.

Stefan: „Deshalb ist es wichtig, die Stammnummer und die Rentennummer mitzubringen. Denn diese muss zusätzlich zur Adresse eingesetzt werden.“

Betriebsrenten sind eine Holschuld

Im Schreiben heißt es: „ ..... beantrage ich gemäß den geltenden Vorschriften die erneute Anpassungsprüfung ab Werksrentenbeginn auf Grundlage des Verbraucherpreis Index.“

Noch ist er unschlüssig, ob jeder Kruppianer und Hoeschianer diesen Brief individuell nach Essen schicken muss oder dieser per Sammelbrief auf die postalische Reise gehen kann. „Betriebsrenten sind eine Holschuld“, hat der Hohenlimburger erfahren, „deshalb muss jeder Betroffene diese eigenständig einfordern.“

In Dinslaken hat sich zwischenzeitlich der Verein AUBR (Alternative Unabhängige Betriebsrentner), der auch den Hohenlimburgern seine Hilfe anbieten, gegründet.

Stefan: „Ich habe mit drei Kollegen an einer Versammlung teilgenommen und mit dem Vorsitzenden Bruno Schachta gesprochen. Der Verein hat inzwischen mehr als 200 Mitglieder.“ Ob es auch für die Hohenlimburger sinnvoll ist, diesem Verein zur Wahrung der Interessen beizutreten, konnte Stefan gestern nicht einschätzen.

Dazu wird am Freitag, 13. Februar, Werner Vosseler Stellung beziehen. Thyssen-Krupp hat sich auf Nachfrage bisher nicht zum Verfahren geäußert.