Kleines Implantat kommt groß raus

Viele Träger eines Cochlea-Implantates haben mit Hemmungen zu kämpfen. Diese Schwelle soll durch den Wettbewerb abgebaut werden.
Viele Träger eines Cochlea-Implantates haben mit Hemmungen zu kämpfen. Diese Schwelle soll durch den Wettbewerb abgebaut werden.
Foto: CIV NRW e.V/Jennifer Koch

Letmathe..  Manchmal traut das Letmather Ehepaar Marion und Peter Hölterhoff seinen Augen nicht, wenn es sich anguckt, wie seine Idee eingeschlagen hat. 142 Teilnehmerbilder wurden aus dem gesamten Bundesgebiet hauptsächlich über Facebook eingereicht und auf diese Bilder sind weit mehr als 23 000 Zugriffe gezählt worden. Aus ihnen wird am kommenden Sonntag im Lösseler Romantik-Hotel Neuhaus der „CI-Kopf 2016“ gekürt. Bitte was?

Der Reihe nach: Marion Hölterhoff verfügt seit etwa vier Jahren nur noch über ein eingeschränktes Hörvermögen. Auf dem rechten Ohr ist sie taub. Eigentlich. Denn dank eines kleinen technischen Hilfsmittels nimmt sie Töne und Geräusche doch wieder wahr.

50 000 Menschen tragen das kleine Implantat

Möglich gemacht hat dies das sogenannte Cochlear-Implantat (CI). Das ist ein Gerät, das praktisch den Hörnerv stimuliert, sofern dieser intakt ist. Das Implantat wird hinter dem Ohr unter die Haut gepflanzt und ist über ein Elektrodenbündel mit der Hörschnecke, der Cochlea, so der lateinische Begriff, verkabelt. Direkt am Ohr sitzt außerhalb der Kopfhaut ein Sprachprozessor mit Mikrofon. Er ist mit einer Sendespule verkabelt, die per Magnet an das Implantat angedockt wird. 50 000 Menschen in Deutschland können dadurch wieder hören, schreibt der Cochlear Implant Verband NRW, in dem die Hölterhoffs schwer aktiv sind. Marion Hölterhoff ist die Öffentlichkeitsbeauftragte und hat als Beisitzerin auch einen Platz im Vorstand – ebenso wie ihr Mann Peter, der außerdem Chefredakteur des viermal jährlich erscheinenden Verbandsmagazins „CIV NRW News“ ist. Zudem haben sie eine Selbsthilfegruppe gegründet, die ihren Sitz in Hagen hat und momentan rund 40 Mitglieder zählt.

Zugegeben, Sinn und Zweck der „CI-Kopf-2016“-Aktion sind damit noch nicht erklärt. Marion Hölterhoff: „Viele haben Bedenken während des Entscheidungsprozesses.“ Ihnen wollen wir die Angst nehmen. Denn wir können wieder hören und uns unterhalten. Das ist ein enormer Gewinn an Lebensqualität. Einfach unbezahlbar.“

Die Aktion soll den Betroffenen letztendlich auch zeigen, dass man das CI nicht verstecken muss, dass man es mit Stolz tragen und sogar als Schmuckstück ansehen kann. Doch ist das Implantat erst einmal eingesetzt, beginnt häufig ein neues ringen. Fehlendes Selbstvertrauen kann bei CI-Trägern dazu führen, sich unwohl mit dem Gerät zu fühlen. Sie versuchen, das CI oder gar sich selber zu verstecken. Im Extremfall nehmen sie es ab und nutzen es nicht.

Im Frühjahr dieses Jahres startete die Gegenoffensive, in deren Verlauf die 142 Fotos ins Internet eingestellt und alle Erwartungen übertroffen wurden. Peter Hölterhoff: „Jeder durfte in der geschlossenen Gruppe „Der CI-Kopf 2016“ bis August drei Fotos hochladen. Dann konnten sie von den Mitglieder bewertet werden Das sind inzwischen schon mehr als 210.“ Aus diesem Ergebnis und der Entscheidung einer Jury, in der ein Arzt und zwei Verbandsmitglieder saßen, sind die Sieger ermittelt worden, die am Sonntag ab 15.30 Uhr bei Neuhaus ihren Preis bekommen. Männer traten ebenso wie Frauen, Jungen und Mädchen in einer eigenen Kategorie an. Über die einzelnen Preise und Preisträger herrscht noch Stillschweigen. Marion Hölterhoff verriet aber immerhin: „Ursprünglich wollten wir Urkunden vergeben. Die gibt es ja auch. Aber auf unsere Aktion sind auch viele Herstellerfirmen aufmerksam geworden und haben Subventionen geleistet.“

„Der CI-Kopf 2016“ ist die Premiere. Die Aktion soll weitergeführt werden. Daraus eine feste Größe zu machen, beschreiben die Hölterhoffs als faszinierende Aussicht, aber als eine durchaus machbare. Denkbar wäre eine jährliche Austragung des Wettbewerbs.