„Kaputt“ passt hier überhaupt nicht

Minister Guntram Schneider besuchte die Caput-Redaktion im Bahnhof Letmathe
Minister Guntram Schneider besuchte die Caput-Redaktion im Bahnhof Letmathe
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der Letmather Bahnhof ist ein Vorbild für gelebte Inklusion im Arbeitsleben. Das hat NRW-Arbeitsminister bei einem Besuch der Einrichtung lobend hervorgehoben.

Letmathe..  Ministerbesuch im umgebauten Bahnhof Letmathe. Zehn Herren in Anzug und Krawatte und zwei Damen im „Business-Look“ machen eine stattliche Figur, als sie am Ende ihrer Besichtigung die Räume der Zeitschrift „caput“ betreten. Die Dame, die die Besucher im früheren Wartesaal der 1. Klasse begrüßt, kann nicht so stattlich daherschreiten. Marianna Metta (23) ist durch eine Glasknochenkrankheit behindert, sitzt im Rollstuhl, den Kopf nach hinten gelegt.

Wer sich mit der 23-Jährigen unterhalten möchte, muss sich ein wenig bücken. Das tun die Damen und Herren an diesem Montagvormittag aber gerne und ausgiebig. Denn Marianna Metta ist eine sympathische Gesprächspartnerin. Humorvoll und intelligent.

„Die Leute glauben, dass wir die Kaputten sind“

Direkt neben ihr sitzt der hochrangigste der Gäste, Guntram Schneider, NRW-Minister für Arbeit und Soziales. Was er an diesem Vormittag erlebt, ist Inklusion wie sie besser kaum gelebt werden kann. Die volle Teilhabe von Behinderten am gesellschaftlichen Leben.

„Caput“, heißt die Zeitschrift, die hier herausgegeben und bundesweit vertrieben wird, wie Metta berichtet. Fott, frech und mutig werden weit über das Thema Behinderung hinaus heiße Eisen in Politik und Gesellschaft angefasst.

Der Titel der Zeitschrift ist doppeldeutig. „Die Leute glauben ,wir sind die Kaputten“, sagt Marianna Metta mit fröhlichem Grinsen. Dabei kommt „caput“ aus dem Lateinischen und heißt „Kopf“.

Wie viel Grips in den Köpfen der körperlich Behinderten sitzt, zeigt nicht nur das Beispiel von Redakteurin Marianna Metta, die schon erfolgreich mehrere Bücher herausgegeben hat. Der ganze Bahnhof Letmathe ist ein Beispiel für .das, was Behinderte gemeinsam mit Nichtbehinderten leisten können, wenn man sie nur machen lässt. Das täglich von 5.30 bis 21 Uhr (!) betriebene und gut besuchte öffentliche Café mit Bahnsteigterrasse spricht eine ebenso deutliche Sprache wie der Kiosk, an dem bald auch Bahnfakrkarten zu kaufen sein sollen. Darüber hinaus gibt es fast jeden Monat eine künstlerische Veranstaltung mit Autoren, die aus ihren Büchern lesen oder Menschen, die Musik machen.

Viele Künstlergrößen der Behindertenszene zu Gast

Viele „Künstler-Größen“ der „Behindertenszene“ sind schon im Letmather Banhof aufgetreten, obwohl der umgebaute Bahnhof erst seit April eröffnet ist und zum neuen wichtigen Teilstandort der Iserlohner Werkstätten geworden ist - mit dem anspruchsvollen Ziel praktisch gelebter Inklusion im Arbeitsleben. „Die 16 Behinderten und ihre Gruppenleiter arbeiten gern hier. Raus aus der eher abgeschiedenen Werkstatt, hinein mitten ins Leben. Der Umgang mit den vielen Besuchern steigert das Selbstbewusstsein“, sagt Christophe Heßling von den Werkstätten.

Minister Schneider jedenfalls war nach allem, was er hier sah und von den Spitzenvertretern der Diakonie Mark-Ruhr sowie der dazugehörigen Iserlohner Werkstätten erfuhr, begeistert. Aus seinem Mund waren immer wieder Komplimente und Erstaunen zu hören: „Vorbildlich“. Inklusion sei eben doch weit mehr, als das was derzeit in den Schulen vor sich gehe. Alle Lebensbereiche, auch Freizeit, Kultur und vor allem die Arbeit müssten davon durchdrungen werden. Auch Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und der Landtagsabgeordnete Michael Scheffler hörten es gern. Das Wort „kaputt“ war an diesem Vormittag eben nur ein doppelbödiger Scherz.