Kampfansage an die Krankenhauskeime

Die Krankenhaus-Besucher Siegfried Jakubowski (3. v. re.) und Margarete Karowski (3. v. li.) ließen sich von den Damen der Hygieneabteilung der Märkischen Kliniken gerne in der Handdesinfektion unterweisen.
Die Krankenhaus-Besucher Siegfried Jakubowski (3. v. re.) und Margarete Karowski (3. v. li.) ließen sich von den Damen der Hygieneabteilung der Märkischen Kliniken gerne in der Handdesinfektion unterweisen.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Mit der Aktion „Saubere Hände“ sagt das Marienhospital den Krankenhauskreimen den Kampf an.

Letmathe..  Wenn sich die automatische Tür des Marienhospitals für den Besucher öffnet, fällt der Blick auf ein Gerät, an dem sich der Gast die Hände desinfizieren kann. Ein Großteil der Besucher lässt das Angebot zur Händedesinfektion in wahrsten Sinne des Wortes „links liegen“ und geht entweder schnurstraks zum Behandlungstermin oder zum Krankenbesuch. Auch auf den Fluren oder in den Krankenzimmern begegnen den Gäste und Patienten der Desinfektionsmittelspender.

Um nicht nur Besucher, sondern auch Klinikmitarbeiter noch mehr dafür zu sensibilisieren, die Händedesinfektion zu solch einem vertrauten Handgriff wie das Einschalten eines Handys oder das Anlassen eines Autos zu machen, hatten die Märkischen Kliniken am Donnerstags zu der Aktion „Saubere Hände“ in das Foyer des Marienhospitals eingeladen. „Auf den Händen tummeln sich Millionen Keime, selbst gründliches, etwa eine Minute langes Händewaschen beseitigt nur etwa 80 Prozent von ihnen“, erläutert Oberärztin Karin Werner. Für eine Einrichtung wie ein Krankenhaus ist solch ein Wert nicht akzeptabel. Um gegen Keime wie Multiresistente Staphylococcus (MRSA) und andere multiresistenten Erreger gewappnet zu sein, kommt der professionellen Händedesinfektion in Kliniken unter Zuhilfenahme spezieller Produkte eine immer größere Bedeutung zu.

Erst mit einem Desinfektionsmittel für Hände, das für mindestens 30 Sekunden richtig angewandt wird, werden die Hände zu 99 Prozent keimfrei. Bei der Desinfektion darf kein Schmuck getragen werden, Nagellack ist ebenfalls nicht gestattet. Es sollten, je nach Handgröße, etwa drei Milliliter oder mehr des Mittels genutzt werden. Wie beim Waschen die Seife sollte das Mittel auf den Händen verteilt werden, dabei die Fingerzwischenräume und den Nagelfalz nicht vergessen. Dieser Bewegungsablauf sollte so lange wiederholt werden, bis das alkoholhaltige Desinfektionsmittel verflogen und die Hand trocken ist.

Ob die Desinfektion erfolgreich gewesen ist, ließ sich im Marienhospital schnell unter ultraviolettem Licht erkennen. Korrekt desinfizierte Hände erstrahlten in weiß, dort wo das Mittel nicht hingekommen war, zeigten sich dunkle Flecken.

WHO empfiehlt bis zu 140 Desinfektionen

„Die medizinische Handdesinfektion hat mit dem Händewaschen im persönlichen Bereich nichts mehr zu tun“, ergänzte Dr. Ulrich Müller. Bei der „normalen“ Handreinigung werden die Keime nicht abgetötet, vielmehr sorgt das Händewaschen dafür, dass die Keime noch weiter verbreitet werden. Warum? Dr. Müller: „Waschen Sie sich einmal die Hände, schütteln sie überschüssiges Wasser ab, greifen Sie nach den Handtusch und schauen dann einmal nach, wie sich die Tropfen verteilt haben – auf dem Boden und rund um das Waschbecken“. Im Krankenhaus oder im OP wäre dies ein hygienischer Super-GAU.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich die durchschnittliche Händedesinfektion in den Jahren zwischen 2007 und 2011 deutlich erhöht hat. Auf der Normalstation stieg sie von 5 auf 8, auf der Intensivstation von 26 auf 32. Allerdings: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 40 (Normal-Station) beziehungsweise 140 (Intensivstation) Händedesinfektionen pro Patient und Tag!

„Bislang liegt der Fokus zur regelmäßigen Handdesinfektion beim Personal, weniger bei Patienten und Besuchern“, so das Team der Hygieneabteilung der Märkischen Kliniken. „Aber auch die Hände von Patienten und Besuchern können erhebliche und bisher unterbewertete Übertragungsrisiken für MRSA und andere Erreger darstellen“.

An einer weiteren Station konnten die Besucher testen, wie sie sich Einmalhandschuhe anstreifen können, ohne einen größeren Bereich um ihre Hände zu kontaminieren. Dazu hatten sie ihre Hände in ein rotes gallertartiges Material zu tauchen, um sich anschließend dann in einer weißen Box die Handschuhe wieder auszuziehen. Trotz größter Vorsicht waren dann doch vier bis fünf Tropfen der roten Masse in der Box gelandet.