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In den Nachkriegsjahren war sie ein Begriff: die Heuer-Ampel

26.12.2008 | 19:58 Uhr
In den Nachkriegsjahren war sie ein Begriff: die Heuer-Ampel

Grüne. Ohne das wundersame Gerät aus der Grüne hätte es in den Nachkriegsjahren auf zahlreichen Straßenkreuzungen dieser Welt heftig gekracht. Ohne diese Erfindung wäre der Verkehr in vielen Großstädten hoffnungslos zusammengebrochen. Heute ist sie fast in Vergessenheit geraten: die Heuer-Ampel.

Das „Wunderding” ist ein großer Kasten, der an Drahtseilen mitten über Straßenkreuzungen hing. Er regelte als „Zeiger-Ampel” den Verkehr. Sein Erfinder ist Josef Heuer, der von 1912 bis 1948 als Inhaber in zweiter Generation das Unternehmen „Heuer-Hammer” an der Igelstraße führte. Mit vielen Patenten, vor allem im Bergbau, hatte er als Tüftler mit Weitsicht von sich reden gemacht. Seine bedeutsamste Erfindung dürfte die Heuer-Ampel gewesen sein.

Von den späten 30er bis in die frühen 70er Jahre des 20. Jahrhunderts gehörten Heuer-Ampeln vielerorts zum Straßenbild. Nicht nur in deutschen Städten, auch in den Niederlanden, in Frankreich, Belgien und Australien regelten sie den Verkehr.

Heuer-Ampeln waren große würfelförmige, von innen beleuchtete Kästen. Auf allen vier Seiten war von weitem eine runde Scheibe mit roten und grünen Segmenten zu sehen. Auf dieser Scheibe sah man einen weißen Zeiger, der sich wie bei einer Uhr rechtsherum drehte. Zeigten die Zeigerspitzen auf grün, war die Fahrtrichtung für Autos freigegeben, bei rot gesperrt.

Historische Ausstellung von Heuer-Ampeln in Essen Foto: Privatarchiv Bernfried Heuer

Besonders pfiffig: Wenn die Heuer-Ampel grün zeigte, stand der Zeiger, der in Wirklichkeit nur eine Aussparung in einer schwarzen Scheibe war, senkrecht. So wurde die Silhouette eines Polizisten angedeutet, der mit ausgestrecktem Arm den Verkehr regelt. Genauso klar war die Symbolik bei Rot. Und so war die Ampel auch für Farbenblinde bestens geeignet. Und noch ein Vorteil der Errungenschaft aus der Grüne: Da sich der Zeiger gleichmäßig weiterbewegte, konnte jeder Autofahrer prima ablesen, wie lange die Grün- oder Rotphase noch andauert.

Die ebenso ausgefeilte wie einfache Funktionsweise der Ampel war beeindruckend: Eine eigene Gelbphase gab es nicht, dennoch war dafür gesorgt, dass zwischen Rot und Grün genügend Zeit für das Räumen der Kreuzung blieb. Das geschah ganz einfach dadurch, dass die Rotphase etwas länger dauerte als die Grünphase: So war in beiden Richtungen einer Kreuzung „deckungsgleich” eine Zeitlang Rot.

Die Gefahr falsch laufender Zeiger konnte so gut wie ausgeschlossen werden, da alle vier Scheiben von ein und demselben Mechanismus synchron gesteuert wurden. Die Ampel war überdies durch ein Federwerk vor Auswirkungen bei Stromausfall gefeit und konnte sogar leicht per Hand gesteuert werden.

Trotz all dieser Vorteile gelang es der Heuer-Ampel nicht, sich gegen die modernen Rot-Gelb-Grün-Lichtzeichenanlagen durchzusetzen. Wegen der hohen Herstellungs- und Wartungskosten wurde sie immer unwirtschaftlicher. Vor allem aber erwies sie sich als zu unflexibel. Die Heuer-Ampel war ursprünglich starr auf den Autoverkehr auf rechtwinkligen Kreuzungen mit vier Zufahrtstraßen ausgerichtet. Die Berücksichtigung von mehr als vier sternförmig zusammenfließenden Straßen war problematisch. Auch der Fußgängerverkehr ließ sich schwer regeln und Straßenbahnoberleitungen stellten Hindernisse dar.

Obwohl Josef Heuers Erfindung später nachgebessert und weiterentwickelt wurde, kam 1972 das endgültige Aus. Mit der neuen Straßenverkehrsordnung waren Zeiger-Ampeln nicht mehr zulässig.

Damit musste auch die letzte noch in Betrieb befindliche Heuer-Ampel Deutschlands abgebaut werden. Sie hing über einer zentralen Kreuzung in Detmold und ist auch heute noch nicht aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden. Im Gegenteil: Die Detmolder Heuer-Ampel wird derzeit vom Fachbereich Bauingenieurwesen der Hochschule Ostwestfalen-Lippe restauriert. Sie soll Anfang nächsten Jahres auf dem Hochschul-Campus aufgehängt und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Prof. Rainer R. Stephan arbeitet parallel derzeit an einer Veröffentlichung über die Heuer-Ampel. Auch in Bochum wird die Tradition der Heuer-Ampel in Ehren gehalten. Auf der Kreuzung Bongard-Boulevard/Kortumstraße hängt ein Nachbau.

In der Heimatstadt des Erfinders - damals Letmathe, jetzt Iserlohn - wird die Erinnerung immerhin durch ein Modell wachgehalten. Es ist im Stadtmuseum Iserlohn zu sehen. Außerdem hat Josef Heuers Sohn Bernfried nebst alten Dokumenten und Fotos ein altes Exemplar der Heuer-Ampel privat aufbewahrt.

Helmut Rauer

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Kommentare
22.08.2009
17:13
In den Nachkriegsjahren war sie ein Begriff: die Heuer-Ampel
von Marion Damm | #3

ein wirklich kunstvolles Objekt. Würde so manchen Verkehrsteilnehmer ins Schleudern bringen, vor lauter nach oben schauen. Aber voll cool.

29.12.2008
13:00
In den Nachkriegsjahren war sie ein Begriff: die Heuer-Ampel
von Patrick MSW | #2

Tja Iserlohn macht sich nicht viel aus seiner Geschichte, zumindest nicht die Stadt samt Bürgermeister. Der würde doch lieber zusammenhanglose Kunst am neuen Bahnhof präsentieren als Tradition und Geschichte Iserlohns wahren die meist um einiges billiger ist und mehr Bedeutung für die Bevölkerung hat!

28.12.2008
17:48
In den Nachkriegsjahren war sie ein Begriff: die Heuer-Ampel
von Bahner | #1

Schön, wenn so etwas im Museum steht!

Aber warum befindet sich nicht, ähnlich wie in Bochum, ein Nachbau auch in Iserlohn an einem öffentlich Platz, zum Beispiel mittig über dem Kreisverkehr am Stadtbahnhof? So wird dem Erfinder ein würdiges Andenken gewahrt. Auch so eine Ampel kann Kunst sein.

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