„Ich lass mich nicht befummeln!“

Kinder stark machen gegen sexualisierte Gewalt im Sport. Darum ging es bei der Abschlussveranstaltung eines Projekts mit dem TuS Dröschede, dem Taekwondo-Sportverein Letmathe und dem Kreissportbund in der Turnhalle im Hütten
Kinder stark machen gegen sexualisierte Gewalt im Sport. Darum ging es bei der Abschlussveranstaltung eines Projekts mit dem TuS Dröschede, dem Taekwondo-Sportverein Letmathe und dem Kreissportbund in der Turnhalle im Hütten
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Kinder zeigen die rote Karte, wenn ihnen Berührungen oder andere Annäherungen von Erwachsenen im Sport zu weit gehen. Zwei Iserlohner Vereine sind beim Qualitätsbündnis gegen sexualisierte Gewalt dabei.

Dröschede..  Siegerehrung nach dem Wettkampf: Ein Mädchen bekommt die Trophäe überreicht. Der Präsident drückt die Gewinnerin an sich, umklammert sie merkwürdig eng und auffällig lange. Schwupps gehen im Publikum sämtliche Hände nach oben. Alle zeigen die Rote Karte. Das Urteil lautet: „So geht es nicht“.

Diese kleine Szene hat sich am Samstag in der Turnhalle „Im Hütten“ abgespielt. Sie war Teil eines Theaterstücks, das auf die Gefahren sexualisierter Gewalt im Sport aufmerksam macht. Ja, aber ist denn das Umarmen schon Gewalt? Nächste Szene: Ein Trainer fummelt in der Umkleidekabine einem Jungen an der Hose herum. Zack, sind wieder alle roten Karten oben! Der Kerl geht zu weit!

Kinder zeigen die Rote Karte, wenn einer zu weit geht

Die acht- bis zwölfjährigen Kinder aus Dröschede und Letmathe hatten als Publikum eine klare Aufgabe: „Rote Karte hoch, wenn etwas geschieht, was ihr nicht in Ordnung findet!“

Was da auf Sportplätzen oder in Umkleidekabinen passiert, ist nicht immer eindeutig. Deshalb ging bei den kleinen Zuschauern manchmal auch nur die gelbe Karte (der Unsicherheit) hoch. Aber eines ist wichtig: „Immer wenn die Kinder sich bei Annäherungen mit Worten oder Berührungen unwohl fühlen, sollen sie es klar zum Ausdruck bringen“, sagt Mandy Owczarzak, Fachkraft für Jugendarbeit beim Kreissportbund in Iserlohn. Um das Thema zu vertiefen, wurden die Kinder in einer anderen Übung behutsam mit der Frage konfrontiert, wo sie sich berühren lassen würden und wo nicht. Motto: „Ich lass mich nicht befummeln. Mein Körper gehört mir“.

Theaterpädagogin Anja Bechtel und ihre Kollegen waren für diesen Aktionstag des TuS Dröschede und des Vereins Taekwondo Sportverein Letmathe 2000 (TSL) eigens aus Dortmund gekommen. Ihr Ziel: Kinder und Erwachsene hellhörig und sensibel zu machen, aber auch selbstbewusst und mutig genug, mit den Eltern zu sprechen. Und stark genug, sich zu wehren.

So wurde nach dem Theaterstück konsequenterweise gleich geübt, wie man sich gegen Übergriffe zur Wehr setzen kann. Shivi Lu, Trainer beim TSL, zeigte den Kindern Selbstverteidigungsübungen, die Mut machen: Laute Schreie, Tritte und Schläge können Angreifer durchaus abschrecken.

Für die beiden Sportvereine war dies bereits die dritte Tagung zum selben Thema. „Dafür bekommen wir jetzt das Zertifikat für Qualitätssicherung gegen sexualisierte Gewalt im Sport“, freut sich Wolfgang Stroeter vom TuS Dröschede. TSL und TuS sind jetzt neben einem Verein in Lüdenscheid die ersten im Kreis,d ie dem „Qualitätsbündnis“ angehören.

Sportbund rät zu erweiterten Führungszeugnissen

Und das ist für den Kreissportbund ein sehr erfreulicher Anfang. „Bundesweit gibt es rund 300 000 Kinder, die Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind“, berichtet Mandy Owczarzak. „wobei die Dunkelziffer nicht berücksichtigt ist“. Deshalb könne man sich über jede erfolgreiche Gegenmaßnahme nur freuen. Dazu gehören auch die erweiterten Führungszeugnisse, die für Übungsleiter ausgestellt werden. „Wir empfehlen den Vereinen, sich diese Führungszeugnisse zeigen zu lassen,“ erklärte Owzcarzak. Auskünfte gibt der Kreissportbund, 02371 / 779713