Historische Kneipentour durch Letmathe
29.09.2008 | 15:03 Uhr 2008-09-29T15:03:00+0200
Letmathe. Vor rund 50 Jahren war die Kreuzung von Schwerter und Hagener Straße noch ein geselliges Plätzchen. Wo heute nur noch die Bushaltestelle an den „Alten Markt” erinnert, blühte früher das Letmather Leben.
Zwischen Kiliansdom und Einkaufsstraße hatte sich über viele Jahrzehnte hinweg das Herz der Kneipen- und Gasthofkultur entwickelt.
Diese besondere Kultur galt es am Samstag Nachmittag bei einer Führung des Verkehrsvereins Iserlohn zu entdecken. Gemeinsam mit Historikerin Katja Hofbauer machten sich die Teilnehmer auf eine spannende Reise in die Vergangenheit der Letmather Gaststätten, die bald deutlich in die Gegenwart hineinreichte. Immerhin wird in einigen Wirtschaften Letmathes, die bereits im 19. Jahrhundert ihr Bier ausschenkten, auch heute noch getrunken, gegessen und vor allem geredet. Denn nichts zeichnet eine Kneipe so sehr aus wie ihr geselliger Beitrag zum Leben einer Stadt. Zählte das Dorf Letmathe 1843 elf Gaststätten, sind es heute rund 43. Die Kneipenkultur hat sich während der Jahrzehnte natürlich stark verändert. Einige Wirtschaften mussten schließen, andere wurden neu eröffnet, wieder andere wurden umgebaut, umbenannt oder wechselten den Besitzer.
Wenn eine Gaststätte die Seele einer Stadt ist, dann ist der Gaststättenbesitzer die Seele der Wirtschaft. Davon wusste auch Katja Hofbauer auf ihrer gut zweistündigen Stadtführung zu erzählen. Angefangen bei den ehemaligen „Altdeutschen Bierstuben”, in der einst Quicks Paula Essen und Getränke servierte, führte die historische Kneipentour vor allem entlang der vielen ehemaligen und noch bestehenden Gaststätten auf der Hagener Straße. Zu jeder Wirtschaft wusste Hofbauer mit Hilfe von Daten und Fakten, aber auch durch die Einbindung von Informationen durch Zeitzeugen eine kleine Geschichte zu erzählen. So ließ sich der Geist jeder vorgestellten Kneipe durch Anekdoten und alte Fotos auch im Jahr 2008 noch ein wenig erahnen.
Für die Teilnehmer der historischen Kneipentour fielen dabei viele bekannte Namen und einige ereilten sogar verschwommene Erinnerungen an die wochenendlichen Besuche in ihrer Lieblingswirtschaft. Neben den Poststuben, dem Gasthaus Höynck und vielen weiteren Wirtschaften durften jedoch vor allem die beiden bekanntesten Letmather Wirte - Mia Humpert und Fritz Liese - nicht fehlen. Fritz Liese war bekannt für sein gutes Gedächtnis über die Getränkevorlieben seiner Gäste und da das „Deutsche Haus” den größten Saal besaß, trafen sich bei Liesen Fritz auch die Parteien und Vereine der Stadt. Die Gaststätte gegenüber kannten viele Letmather nur unter dem Namen ihrer Besitzerin: Mia Humpert. In dem urig-gemütlichen Wirtsraum liebten die Gäste neben Plauderstimmung und selbstgemachter Sülze vor allem die Wirtin. „Mia Humpert war schon ein Unikum in Letmathe”, erinnert sich ein Teilnehmer der historischen Kneipentour. „Wenn die Bude offen hatte, war die Bude voll.”
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