Haus am Wald birgt Fülle von Fachwissen über Höhlen

Alexander Platte hat in seinem privaten Wohnhaus die zentrale Bibliothek des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher eingerichtet.
Alexander Platte hat in seinem privaten Wohnhaus die zentrale Bibliothek des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher eingerichtet.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Nirgendwo sonst in Deutschland dürfte so viel Fachliteratur über Höhlen versammelt sein wie im Wohnhaus von Alexander Platte: Er hütet die Bibliothek des Verbandes deutscher Höhlen- und Karstforscher .

Letmathe..  Das Wohnhaus mit seinem rustikal-nostalgischen Charme liegt im Ortsteil Diepke idyllisch am Waldrand. Fröhliches Hundegebell. Freundlich empfängt der Hausherr den Besucher an der Tür. Rechts ist die Küche, links das Wohnzimmer. Wir aber gehen die hölzerne Treppe hinauf. Dort öffnet sich im Obergeschoss eine andere Welt. Hier türmt sich in stabilen Metallregalen das gedruckte Fachwissen eines ganzen Wissenschaftszweigs. Wir stehen in der Bibliothek des Verbandes deutscher Höhlen- und Karstforscher.

Über 5000 Buchtitel und über 6000 Ausgaben von Periodika

Alexander Platte hütet in seinem Haus einen Wissensschatz, der seinesgleichen sucht: Über 5000 Buchtitel und mehr als 6000 Ausgaben von insgesamt über 200 Fachzeitschriften. Nirgendwo sonst in Deutschland, allenfalls in privaten Sammlungen wie der von Elmar Hammerschmidt, dürfte so viel gedrucktes Spezialwissen zu diesem Thema an einem Ort versammelt sein: Wer sich für Höhlen und die Geschichte ihrer Erforschung interessiert, findet in drei Räumen auf rund 35 dicht bepackten Quadratmetern fast alles, was das Herz begehrt. Der 46-Jährige, seit vielen Jahren im Verein der Letmather Speläologengruppe aktiv, zieht mit sicherem Griff eines der ältesten Bücher aus dem Regal: „Höhlen am Dachstein“ aus dem Jahre 1913, gegenüber einem Bestimmungsbuch für Fledermäuse. Gleich darauf fällt der Blick auf einen Wälzer, der ganz oben „thront“, zu schwer, um ihn mal eben herauszunehmen. „Abime“ - prangt der Titel auf dem Einband - ein Klassiker in französischer Sprache. „Insgesamt sind in der Sammlung über 20 verschiedene Sprachen vertreten“, kann der Letmather stolz verkünden, „darunter Baskisch und Chinesisch“.

Seit 1955 gibt es die Bibliothek des Verbandes deutscher Höhlen- und Karstforscher. Drei Jahrzehnte lang war sie in Räumen an der Dechenhöhle untergebracht, zuletzt über sieben Jahre in dem kleinen ehemaligen Höhlenmuseum auf dem Parkplatz, bis dort Feuchtigkeit eindrang.

Die meisten Nutzer-Wünsche werden per E-Mail erfüllt

Da bot sich im Jahr 2013 ein Umzug in die Diepke an. Alexander Platte hatte nicht nur freie Mieträume anzubieten, er übernahm auch gerne das Ehrenamt des Referenten für die Bibliothek. „Durchschnittlich arbeitet mein Mann so 20 Stunden im Monat in seiner Freizeit für die Bibliothek“, schätzt Ehefrau Jutta. Bis jetzt hat ein einziger Besucher die Bibliothek (nach Anmeldung) persönlich aufgesucht.

Die meisten Nutzer-Wünsche kann Alexander Platte per E-Mail oder auf dem Postweg erfüllen, indem er eingescannte Artikel oder auch Bücher versendet. Mitunter bringt er die Bände den Leihinteressenten persönlich ins Haus oder überreicht sie bei Fachtagungen. Verbandsmitglieder werden kostenlos bedient, aber auch in anderen Fällen, etwa bei Literatur für Doktorarbeiten, können Interessenten in Letmathe anfragen (bibliothek@vdhk.de). Alexander Platte hat begonnen, Bücher komplett zu digitalisieren. Arbeit „fliegt“ ihm auch immer dann ins Haus, wenn neue Ausgaben von Fachzeitschriften einsortiert werden müssen. Das Spektrum mutet fast schon exotisch an, reicht es doch vom Bulletin der venezolanischen Gesellschaft für Höhlenkunde bis zu einer Zeitschrift, die sich mit nichts anderem befasst als dem Thema „Briefmarken mit Höhlenmotiven“.