Emotionaler Abschied von der Adventskirche

Im Beisein von Superintendentin Martina Espelöer und Pfarrer Uwe Schulte wurden die sakralen Gegenstände durch Mitglieder der Gemeinde und des Presbyteriums nach Oestrich gebracht.
Im Beisein von Superintendentin Martina Espelöer und Pfarrer Uwe Schulte wurden die sakralen Gegenstände durch Mitglieder der Gemeinde und des Presbyteriums nach Oestrich gebracht.
Foto: IKZ
Der sonntägliche Abendmahlsgottesdienst stand ganz im Zeichen des Abschieds von der Adventskirche.

Dröschede..  Es waren Bilder voller Symbolkraft, die am Sonntag die Entwidmung der Dröscheder Adventskirche begleitet haben. Zum einsetzenden Gewitterregen sagte Pfarrer Uwe Schulte „Der Himmel weint“. Er verband damit aber auch tröstende Worte, dass einem Abschied auch immer ein Neuanfang folge.

Der wegen der geöffneten Türen durch das Gotteshaus streichende kühlende Wind löschte nach und nach die Kerzen auf dem Altar und während des letzten Geläutes der Kirchenglocke ließ sich eine Taube auf dem Kreuz des Kirchturms nieder. Sie flatterte erst davon, als sich der Zug der Gemeinde in Bewegung setzte: an der Spitze Mitglieder der Gemeinde und des Presbyteriums mit den sakralen Gegenständen in den Händen, die in die evangelische Kirche Oestrich gebracht wurden. Es hatte fast den Anschein, als wenn der Heilige Geist die Dröscheder bildlich auf ihrem Weg zu dem für sie „neuen“ Gotteshaus begleiten würde. In dem Abendmahlsgottesdienstes, der von Ute und Thomas Renfordt musikalisch begleitet wurde, machte Pfarrer Uwe Schulte in der Begrüßung der Besucher kein Hehl daraus, dass es für viele Dröscheder sehr schmerzhaft war, sich schweren Herzens auf den Weg zu dem letzten Gottesdienst zu machen, mit dem die Adventskirche entwidmet wird.

„Uns bleibt aber die Hoffnung, dass uns der Herr begleitet auf unserem Weg in die Oestricher Kirche, die dann die einzige Gottesdienststätte für die Kirchengemeinde Oestrich-Dröschede wird.“

Auch Superintendentin Martina Espelöer fand in ihrer Predigt tröstende Worte für die Dröscheder Gemeindeglieder. „Ich kann ihre Gefühle nachvollziehen“, sagte sie. Ihre Erinnerung ging an den Tag zurück, an dem sie und ihre Familie Abschied von ihrem Haus nehmen mussten, weil es abgerissen wurde. „Auch ich habe damals sehr geweint, als ich das Vertraute aufgeben musste. Obwohl das neue Haus bereits bezogen war, erschien für mich alles noch sehr unwirklich: neue Gerüche und unbekannte Geräusche. Erst nach und nach wurde das Haus zu meiner neuen Heimat.“

Die Gemeinde nutzte die Einladung zum letzten Abendmahl in der Adventskirche, danach folgte der für viele Anwesende emotionale und aufwühlende Akt der Entwidmung, bei dem sogar Tränen flossen.

Pfarrer Uwe Schulte und Superintendentin Martina Espelöer verlasen zunächst die offiziellen Beschlüsse des Presbyteriums und des Kreissynodalvorstandes zur Entwidmung des Gotteshauses, es folgten Gebete an Taufschale und -kerze, an der Kanzel mit der darauf liegenden Kirchenbibel, dem Kreuz auf dem Altar sowie dem Abendmahlsgeschirr.

Die sakralen Gegenstände wurden anschließend im Beisein der Gemeinde, begleitet durch das Geläut der Kirche, in feierlicher Prozession aus dem Gotteshaus getragen und nach Oestrich gebracht. Nach dem Einzug in das dortige Gotteshaus endete der Gottesdienst. Im Anschluss gab es noch Gelegenheit zum Gedankenaustausch im „Raum der Begegnung“.

Wie bereits berichtet, wird zeitnah mit der Entkernung und dem Abriss der Kirche begonnen. An Pfarrer Schulte wurde der Wunsch herangetragen, das Buntglas an der Ostseite der Kirche vor einer Zerstörung zu sichern. Viele Dröscheder können sich keine Kirchenbank als Erinnerungsstück in Wohnung oder Garten stellen, sie würden gern eine bunte Glasscheibe bekommen. Pfarrer Schulte sagte zu, dass Interessenten während der August-Gottesdienste Scheiben in der Oestricher Kirche erhalten können.