Eine graue Brücke wäre für viele ein rotes Tuch

Die Sanierung der 125 Jahre alten Kreisbahnbrücke nahe Pater und Nonne hat begonnen.
Die Sanierung der 125 Jahre alten Kreisbahnbrücke nahe Pater und Nonne hat begonnen.
Foto: IKZ

Letmathe..  Die vergangenen 125 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. So viele Jahre hat die alte Kreisbahnbrücke, die auf Höhe Pater und Nonne über die Lenne führt, inzwischen auf dem Buckel. Doch schon im Frühsommer soll ihr das Alter niemand mehr ansehen.

Zum Auftakt der knapp 600 000 Euro teuren Sanierung ist damit begonnen worden, das Bauwerk, das Teil des Radweges „Lenneroute“ werden soll, einzurüsten. Materialproben sind entnommen und ausgewertet, Diplom-Ingenieur Roland Pucklitzsch, der das Sanierungskonzept erarbeitet hat, gibt vorsichtig Entwarnung.

Ingenieur verneigt sich vor der Leistung seiner Vorgänger

Die Bitte, den Zustand der Brücke anhand von Schulnoten einzuordnen, lächelt er zwar freundlich weg, sagt aber: „Wir sind noch rechtzeitig gekommen. Natürlich haben wir Stahlteile zu ersetzen, aber das Kosten/Nutzen-Verhältnis stimmt.“ Dann gerät er ins Schwärmen. Pucklitzsch sieht in der Brücke „ein Zeugnis der kaiserzeitlichen Ingenieursbaukunst. Es ist ein Zeitdokument, das so heute gar nicht mehr herstellbar ist.“ Schwierig könnte der Austausch einzelner Teile werden. Denn bislang wird die Brücke von Nieten zusammengehalten. Diese Technik bei der Sanierung anzuwenden, ist nach Auskunft des Ingenieur unbezahlbar. „Wir versuchen aus Kostengründen zu schweißen, wissen aber nicht, ob es bei diesem Material möglich ist. Wenn nicht, setzen wir auf hochfeste Schraubverbindungen.“

Stadt stößt mit favorisierter Farbe auf Widerstand

Ende Mai soll alles fertig sein. Kurz davor wird es über der Lenne aber noch einmal spannend. Denn natürlich bekommt die Brücke auch einen neuen Anstrich. Die Frage aller Fragen lautet: Welche Farbe wird es sein? Im Rathaus ist die Entscheidung offenbar gefallen. Grau soll es werden. Doch genau davor graut es vielen Bürgern. „Ist unsere Stadt nicht schon grau genug?“, fragt Werner Kroll vom Initiativkreis Lenneroute. Er und sein Mitstreiter Herbert Müller wünschen sich die Brücke in Blau. Ihr Argument: „Die Brücke ist Teil der Lenneroute und im Projekt Lenneschiene auch Teil des Corporate Design / blau = Wasser / Lenne. Dabei entspricht die Strahlkraft der Farbe blau (Farbenlehre) dem Logo /der Wort-Bild-Marke. Ein großer Teil der Rad- und Fußgängerbrücken über die Lenne sind heute bereits im blauen Ton gestrichen. Beispiel: die Kettenbrücke in Hohenlimburg.“

Auch die Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook fallen der Stadt wegen ihrer Farbvorstellungen nicht gerade um den Hals. Das ergab eine Umfrage der Heimatzeitung. Die Meinungen gehen zwar weit auseinander, von schwarz-gelb, was sicher sehr polarisieren dürfte, über magenta bin hin zu verschiedenen Farben für jede einzelne Strebe. Viel Unterstützung bekommt der Vorschlag grün.

Doch die Stadt liebäugelt nicht mit grau, um die Bürger zu ärgern. Bauressortleiter Mike Janke: „Grau ist nach unserer Auffassung eine Farbe, die das Bauwerk betont, ohne davon abzulenken. Außerdem entspricht es dem Alter der Brücke“ Ingo Genster von der Abteilung Freiraumplanung sagte ergänzend, dass im Rathaus durchaus über andere Farben nachgedacht worden sei. Letztendlich sei die Entscheidung zwischen einem rostfarbenen Ton und grau gefallen.