Dröscheder entwickeln digitalen Duschkomfort

Geschäftsführer Simon Planken und Marc Meyer (re.) demonstrieren die Funktion ihres digitalen Wasserreglers. Wenn es auf den Markt kommt, wird das Bauteil noch viel kleiner sein.
Geschäftsführer Simon Planken und Marc Meyer (re.) demonstrieren die Funktion ihres digitalen Wasserreglers. Wenn es auf den Markt kommt, wird das Bauteil noch viel kleiner sein.
Foto: IKZ Letmathe
Was wir bereits wissen
Gleich zwei bedeutende Preise hat die Firma Kottmann abgeräumt, die längst nicht mehr nur Brauseschläche herstellt, sondern erfolgreich an der Digitalisierung der Hauswassertechnik arbeitet.

Dröschede..  Wenn Anja unter die Dusche geht, dann legt sie Wert darauf, dass das Wasser genau 32 Grad warm ist und in optimaler Strahlstärke ihrer Haut schmeichelt. Kein Problem. Anja darf nur nicht vergessen, auf dem Weg ins Badezimmer ihr Handy zu bedienen. Ein kurzer Druck auf den richtigen Button genügt, und das programmierte Wohlfühl-Duschbad kann beginnen.

Neue Technologie, wie sie im Hause „Kottmann Technology“ in Dröschede entwickelt wird, macht’s möglich. Mit einer App auf dem Handy wird ein elektronisches Bauteil gesteuert, das - kaum größer, aber schlanker als ein normales Portmonee - zwischen Eckventil und Brausekopf sitzt. Es regelt ferngesteuert Temperatur, Druck und Durchfluss. Anja kann sogar per App ausrechnen, wieviel Wasser sie beim Duschen verbraucht hat und ob sie dabei genau so wie gestern die Öko-Werte leicht überschritten hat.

Schäden durch defekte Geräte mit neuer Technik vermeiden

Das fiktive Beispiel der duschverwöhnten Anja ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was die Ideenschmiede am Lanferkamp hervorgebracht hat. Das Bauteil, das an allen Wasserschläuchen im Haus hinterm Eckventil leicht einzubauen wäre, kann noch mehr. Es bietet nebst Komfort auch Sicherheit. Beispiel: Die Familie fährt in Urlaub und will sichergehen, dass durch mögliche Defekte an Waschmaschine oder Armaturen keine Schäden entstehenkönnen. Ein Klick auf die App genügt, um ein Sperrventil zu schließen.

Noch gibt es die Produkte nicht zu kaufen und die Prototypen (siehe Foto) sehen noch viel größer aus, als sie später sein werden. Doch der Weg ist erfolgreich beschritten. Und dafür ist die von einem jungen Team geführte Firma Kottmann mit ihren 160 Mitarbeitern jetzt gleich zweimal ausgezeichnet worden. Zum einen hat das Unternehmen als eines der besten seiner Branche den „Industriepreis 2015“ gewonnen. Eine hochkarätige Jury aus 30 Professoren, Wissenschaftlern und Fachjournalisten würdigte damit das Engagement im Bereich „Smart Home“ (Intelligentes Haus). Zum anderen gehört Kottmann zu den Preisträgern des Wettbewerbs „Land der Ideen“ einer Iniative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.

„Mit unserer Technologie wird das Trinkwasser internetfähig“, freuen sich die Geschäftsführer Simon Planken (33) und Marc Meyer (35) über die hohen Auszeichnungen. Sie nehmen für ihre Firma in Anspruch, als klassischer Schlauch-Hersteller mit der Digitalisierung zum Trendsetter geworden zu sein. Dabei sehen sie den Standort Iserlohn-Dröschede als ideal an. „Denn“, so Planken „wir sind hier von großen Armaturenherstellern umgeben, mit denen die Zusammenarbeit sehr wichtig ist“.

Große IT-Konzerne gehören zu den Geschäftspartnern

Aber auch die großen Unternehmen der IT-Branche - ob Apple oder Telekom - gehören zu den Geschäftspartnern. Ohne sie wäre die Digitalisierung der Sanitärwelt nicht zu stemmen. Schließlich geht es über den reinen Bereich der Wassertechnik im Haushalt weit hinaus. Das „Smart Home“ der Zukunft wird sich dadurch auszeichnen, dass sich die gesamte Haustechnik, von der Elektrik über die Heizung und Telekommunikation bis zur Energieversorgung über eine kompakte Anwendung digital steuern lässt. „Und da wollen wir, was das Wasser betrifft, dabei sein“, geben Planken und Meyer ein großes Ziel aus. „Wir wollen Trends mitgestalten und nicht hinterherlaufen“, lautet ihre Devise.

Bei der jüngsten Fachmesse wurde ihr kleiner Stand zur Freude von Planken und Meyer dicht umlagert. „Große Unternehmen mit Milliardenumsatz zeigten Interesse.“ Dabei gab es auch Anfragen, die auf den ersten Blick verrückt scheinen. So wollte ein Besucher wissen, ob man die neue Technik auch für die Trinkwasserdosierung von Kühen verwenden kann. Planken und Meyer schmunzeln: „Das zeigt uns doch, dass wir ein riesiges Betätigungsfeld vor uns haben.“