Die ungekrönte Kochkönigin aus der Grüne

Hollywood in der Gaststätte Grothe: So sieht es aus, wenn Beiträge fürs Fernsehen produziert werden. Mehr als fünf Stunden war das Team in der Grüne, ausgestrahlt werden an einem noch unbekannten Termin etwa sechs Minuten.
Hollywood in der Gaststätte Grothe: So sieht es aus, wenn Beiträge fürs Fernsehen produziert werden. Mehr als fünf Stunden war das Team in der Grüne, ausgestrahlt werden an einem noch unbekannten Termin etwa sechs Minuten.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Ein Team des WDR hat Welijada Jenna beim Kochen in der Gaststätte Grothe über die Schulter geschaut. Zu sehen sein wird der Beitrag in der Sendung „Cosmo TV“.

Grüne..  Bei Welijada Jenna sitzt jeder Handgriff. Die zierliche Frau steht in der Küche und bereitet das Essen zu. Ein Schuss Essig, hinzu kommen unter anderem Lorbeerblätter, Zwiebeln und etwas Kokoscreme. „Welijadas Babygarnelenpaste“ steht auf dem Rezept des Gerichtes, das sie schon unzählige Male zubereitet hat. Aber heute ist alles etwas anders, nicht nur weil mehrere Gänge auf dem Speiseplan stehen. Welijada Jenna kocht nämlich weder in ihrer eigenen Küche, noch ist sie dabei alleine. „Können Sie sich ein Stück nach links stellen?“ Oder: „Gehen Sie doch bitte noch einmal in die Küche“, heißt es mehrfach. Schließlich sind der Kameramann und sein Assistent zufrieden. Die Szene ist im Kasten.

Ein kleines Team des WDR hat Frau Jenna über die Schulter geschaut. Noch steht nicht fest, wann sie sich selbst im Fernsehen sieht, aber irgendwann sind ihre Kochkünste Thema in einer Ausgabe des multikulturellen Wochenmagazins „Cosmo TV“. Bestandteil ist seit einigen Wochen die Rubrik „Bei Muttern“.

Philippinische Küche im Westdeutschen Fernesehen

Darin stellen Zuwanderer unterschiedlicher Herkunft Gerichte aus ihrer Heimat vor. Längst ist zwar Letma­the Welijada Jennas Heimat, aber ihre philippinischen Wurzeln hat sie nicht gekappt, als die inzwischen 58-Jährige 1983 in die Bundesrepublik kam. „Ich war damals jung, wollte eine Veränderung in meinem Leben, etwas anderes sehen und erleben“, erzählt sie und rührt dabei gemischtes Gemüse in der Pfanne um. Dass ihre Wahl auf Deutschland fiel, war kein Zufall: „Das Ordnungssystem hat mich damals fasziniert.“ Aber seitdem habe sich das Land sehr verändert. Es sei eine Unruhe entstanden, die ihr Sorgen bereitet. Pegida ist nur eines der Stichwörter, die bei der Erklärung fallen. „Früher sind die Leute nur auf die Straße gegangen, wenn sie mehr Geld in der Tasche haben wollten.“

Einfach war der Start in dem neuen, völlig fremden Land trotz aller Sympathie nicht. In der alten Heimat arbeitete sie als Diplom-Kauffrau für ein Kommunikationsunternehmen, in Deutschland wurde dieser Abschluss nicht anerkannt. „Ich habe es dann einfach nochmal gelernt.“

Über den deutsch/philippinischen Verein Dortmund/Schwerte, in dem Jenna Mitglied ist, nahm der Kölner Sender Kontakt zu ihr auf. Schnell war klar: Die eigene Küche ist für das Vorhaben zu klein. Doch beinahe noch schneller als es aufkam, war das Problem auch schon wieder gelöst. Einen Steinwurf von ihrem Zuhause entfernt liegt nämlich die Gaststätte Grothe. Dort gibt es nicht nur einen größere Küche, hier kennt sich Jenna auch noch bestens aus. „Sie kommt häufiger, wenn Not am Mann ist“, lobt Inhaberin Ulla Grothe. Zum Drehtag hat sie sich Verstärkung von ihrer Landsfrau Dolor Schilling-Kuhlemann mitgebracht.

Aus allen möglichen Blickwinkeln hält der Kameramann die Arbeit der Frauen fest. Sporadisch hilft auch Matthias Fuchs mit. Der 36-Jährige präsentiert „Bei Muttern“ und bezeichnet sich selbst als „ambitionierten Amateurkoch“. Weil er weiß, dass es der Zuschauer mag, wenn der Reporter leidet oder auch mal den Tollpatsch an den Tag legt, beißt Fuchs in teuflisch-scharfe Thai-Chillis und bricht sich fast die Finger, als er die Riesenscampis aus der Schale befreit.

Wie schwierig oder einfach das ist, kann jeder herausfinden. Heribert Grothe, der sonst in der Gaststätte seiner Eltern kocht, kündigt schon mal an: „Zum Muttertag bieten wir einen Brunch mit den Gerichten an, die heute zubereitet wurden. Der Erlös geht dann in Welijadas Heimatdorf, das zwei Mal durch einen Tsunami zerstört wurde.“ Heimatliebe setzt eben auch nach mehr als 30 Jahren keinen Rost an.