„Der Glaube darf nicht verdunsten“

Die Kirche Mariä Himmelfahrt, Zentrum der katholischen Pfarrgemeinde Oestrich.
Die Kirche Mariä Himmelfahrt, Zentrum der katholischen Pfarrgemeinde Oestrich.
Foto: IKZ/Michael May
Was wir bereits wissen
Das Glaubensfestival als Aufbruchsignal sehen und bei Bedarf das Pfarrheim für Flüchtlinge öffnen. Der engagierte Katholik Dr. Markus Mönig spricht über Perspektiven der Pfarrgemeinde in Oestrich.

Oestrich..  Mit dem Ausscheiden von Pfarrer Helmut Malorny steht die katholische Pfarrgemeinde Mariae Himmelfahrt erstmals nach knapp 100 Jahren ohne eigenen Pfarrer da. Die Leitung der Gemeinde geht im Rahmen des Pastoralverbundes an Letmathes Pfarrer Frank Niemeier über. Bei der Verabschiedung von Pfarrer Malorny würdigte Dr. Markus Mönig die Verdienste Malornys. Der 45-jährige Geschäftsführer eines Familienunternehmens und Vater von vier Kindern war 12 Jahre lang im Kirchenvorstand der 2000-Seelen-Gemeinde aktiv. Die Heimatzeitung lässt ihn in die Vergangenheit und die Zukunft blicken.

Wie würden Sie die Verdienste von Pfarrer Malorny zusammenfassen?

Er hat die Gemeinde zusammengehalten, ihr eine Identität gegeben. Und er war ein Seelsorger, der sich persönlich um „seine Schäfchen“ gekümmert hat.

Sein Abschied ist nun ein tiefer Einschnitt. Was verändert sich?

Emotional wird die Umstellung schwierig sein und Jahre dauern. Konkret spürbar wird jetzt erst Mal die Verschiebung und der Wegfall von Gottesdiensten. Es wird wohl perspektivisch auf nur noch eine Messe am Sonntag hinauslaufen.

Beim Abschied von Pfarrer Malorny haben Sie an Pfarrer Niemeier appelliert, sich nicht verheizen zu lassen. Was meinten Sie damit?

Herr Pfarrer Niemeier ist uns sehr willkommen. Aber ich sehe eine zu hohe Belastung für ihn. Er leitet jetzt schon mehrere Gemeinden, hat zig Ämter und in ein paar Jahren wird noch die Gemeinde Herz-Jesu Grüne dazukommen. Wenn er dann sieben Messen an jedem Wochenende halten soll, in mehreren Ausschüssen und Kirchenvorständen mitarbeiten soll, dann ist das einfach zu viel. Das kann nicht gut gehen.

Ihr Lösungsvorschlag?

Er muss Verantwortung abgeben. Es gibt durchaus Leute im Kirchenvorstand oder Pfarrgemeinderat, die ihm Arbeit abnehmen würden. Ein Pfarrer muss sich nicht um die Verwaltung kümmern oder das Pfarrfest selbst organisieren. Wichtiger ist ,denke ich, seine priesterliche Tätigkeit, sind die Gottesdienste und beispielsweise Besuche bei Kranken oder Sterbenden.

Wie hat sich die katholische Gemeinde in Oestrich in den vergangenen Jahren entwickelt?

Wie überall. Weihnachten ist die Kirche voll, an normalen Sonntagen ist es in den Bänken sehr überschaubar. Das Gemeindeleben wird von immer weniger Aktiven aufrecht erhalten. Der Kirchenchor hat sich aufgelöst, die KAB mit Letmathe zusammengeschlossen....

Das hört sich so an, als ob es nicht mehr lange gut geht.

So wie es ist, kann’s nicht weitergehen. Darum wird ja auf Bistumsebene ein Zukunftsbild von Kirche entwickelt. Nicht jede Gemeinde muss alles bieten, jede hat ihren Schwerpunkt. Die eine Gemeinde konzentriert sich auf Jugendarbeit, die andere auf Senioren, wieder eine andere auf die Caritas.

Was bietet sich für Oestrich an?

Das ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall haben wir einen hohen Seniorenanteil an der Bevölkerung.

Wie sieht es denn mit der Jugend aus? Gibt es Ansätze für eine neue Lebendigkeit an der Basis?

Zwei Frauen unserer Gemeinde engagieren sich für die Messdiener-Jugend. Und es ist gut, dass wir den Pastoralverbund haben mit den Gemeindereferentinnen Barbara Rofalski und Svenja Kulp. Da kommen neue Ideen, zum Beispiel die Barmherzigkeitsabende mit neuen Formen des Glaubens. Bei der Erstkommunion- und Firmvorbereitung werden Zeichen gesetzt. Auch der Jugend- und der Kinderchor sind zu nennen. Das Glaubensfestival war ein Aufbruchsignal, und damit muss es weitergehen.

Der Verbund bietet neue Chancen?

Ganz recht. Auch die Überlegung, eine zentrale Fronleichnamsprozession zu schaffen, hat ihre Vorzüge. Das Gemeinsame ist eine große Chance.

Was ist Ihre größte Sorge, wenn Sie in die Zukunft blicken?

Der Verdunstung des Glaubens müssen wir entgegenwirken durch Gottesdienst, Pflege der Gemeinschaft, persönliches Bekenntnis und karitative Tätigkeit.

Das klingt abstrakt. Bleibt Kirche da nicht zu sehr selbstbezogen?

Nein. Wir müssen den Mut haben uns zu bekennen: kein Rückzug hinter die Kirchenmauern, wir wollen uns auch in die Gesellschaft einbringen und einmischen, wenn es beispielsweise um die Fragen des menschlichen Lebens geht.

Auch in der Flüchtlingspolitik und zu Fragen des Islams?

Selbstverständlich. Wir müssen den Leuten von Pegida sagen: So geht es nicht. Und wir sollten uns auch nicht weigern, das Pfarrheim aufzumachen für Flüchtlinge.

Wie geht es mit der Ökumene in Oestrich weiter?

Es gibt eine gute Zusammenarbeit. Die Frauenverbände machen viel gemeinsam. Und Pfarrer Malorny war es immer wichtig, sich im Diakoniezentrum mit einzubringen. Um die Ökumene mache ich mir keine Sorgen.