Dauerhaftes Zeichen für Frieden und Hoffnung

Der ökumenische Gottesdienst, bei dem unter anderem der Gospelchor der Friedenskirche gesungen hat, ging noch bei freundlichem Sonneschein über die Bühne.
Der ökumenische Gottesdienst, bei dem unter anderem der Gospelchor der Friedenskirche gesungen hat, ging noch bei freundlichem Sonneschein über die Bühne.
Foto: Dana Schmies
Was wir bereits wissen
Beim großen Fest 70 Jahre Frieden in Letmathe hat der ganze Stadtteil an einem Strang gezogen

Letmathe..  Der Frieden hat es nicht leicht in dieser Welt – das gilt auch 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Geradezu Symbolcharakter hatten die wideren Umstände, unter denen im Park von Haus Letmathe ein Zeichen für den Frieden gesetzt wurde. Pünktlich zur offiziellen Enthüllung der Friedensstele und der Aufführung der neu gedichteten Letmather Friedenshymne ging ein Platzregen mit starken Sturmböen nieder, was zu geradezu filmreifen Szenen führte: Paul Breidenstein, der als musikalischer Leiter mit dem Regenschirm in der Hand den riesigen Chor aus ebenfalls beschirmten Mitgliedern des Gospel- und des Oratorienchores anzutreiben versuchte, der junge Schlagwerker Nils Winkler, der inmitten der vollkommen durchnässten Blechbläser von „Iserlohn Brass“ unentwegt das Wasser von seinen Plastik-Pauken flitschte, und ein Bürgermeister, der in diesem tosenden Wolkenbruch dankenswerterweise auf sein Grußwort verzichtete, um die ganze Sache deutlich abzukürzen.

Angesichts der Ausmaße, die dieses Kultur- und Friedensfest am Ende angenommen hat, war das nasskalte Wetter am Samstag wirklich mehr als ärgerlich. Erst im Oktober wurde die Idee zu dem Fest bei Pfarrer Burckhardt Hölscher geboren, der Förderverein Letmathe war sofort zur Stelle, um das eigene Sommerfest zum Abschluss der Gewölbekeller-Saison mit diesem Anlass zusammenzulegen, und so wuchs das Fest blitzschnell, so dass am Ende rund 30 Vereine und Gruppen beteiligt waren und so ziemlich ganz Letmathe auf den Beinen war, um an zwei Tagen ein pralles Programm zu bieten.

Ökumenischer Gottesdienstunter freiem Himmel

Der Start beim ökumenischen Freiluft-Gottesdienst am Samstagmittag ging noch relativ sonnig über die Bühne. Musikalisch gestaltet von den beiden großen Chören fand Pfarrer Hölscher sehr eindringliche Worte zu dem Anlass 70 Jahre Frieden in Letmathe. „Der Frieden hat den längeren Atem“, rief er und fragte, wo denn die Großen der Weltgeschichte von Augustus bis Hitler seien? „Das schwache Licht aus Bethlehem hat sie alle überdauert!“

Und auch gestern entspann sich bei deutlich freundlicherem Wetter in dem wunderschönen Park und dem Hinterhof zwischen Haus Letmather und dem Turm beste Sommerfest-Atmosphäre mit gehobenem gastronomischem Angebot, Kinderbelustigung, Cafeteria im Gewölbe und viel Musik. Die Mini-Bands der Rock- und Pop-Fabrik eröffneten das Programm. Mitunter erst zwölf- und 13-jährige Jugendlichen, die hier ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten und ihre Sache ganz großartig machten, wobei auch Jini Meyer von Luxuslärm zwischendurch selbst zum Mikrofon griff. Danach – und schon am Tag zuvor – gab sich bis in den frühen Abend hinein so ziemlich alles ein Stelldichein, was Letmathe musikalisch zu bieten hat.

Angesichts der Risiken, die ein solches Open-Air-Spektakel immer birgt und des schlechten Wetters, das dann ja auch am Samstag zum Festakt eingetreten ist, taten die Veranstalter sehr gut daran, ihr Friedensfest durch bleibende Dinge zu bereichern. Dazu zählen die beiden sehenswerten Ausstellungen, die der Heimatverein und der Förderverein Haus Letmathe zusammengestellt haben und die noch bis zu den Sommerferien im Haus Letma­the zu sehen sind: Zum einen eine Zusammenstellung von Zeichnungen des Letmathers Josef Gellenbeck (1912-1988), die er während des Russlandfeldzuges angefertigt und in seinem Tornister bis in seine Heimat zurückgetragen hatte. 278 Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle aus seiner Feder hatte seine Witwe 2006 an den Förderverein übergeben. Und zum anderen eine historische Ausstellung, die auf zehn Schautafeln sowie anhand vieler „Fundstücke“ in Vitrinen 70 Jahre Frieden und insbesondere die Nachkriegszeit dokumentieren.

Friedenshymne wirdbestimmt noch oft gesungen

Dazu zählt aber auch die Letmather Friedenshymne, für die die Veranstalter einen Wettbewerb ausgelobt hatten, um neue, zum Anlass passende Strophen zu Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ zu finden. Zwölf Einsendungen hatte es gegeben, unter denen am Ende zwei Strophen von IKZ-Redakteur Helmut Rauer und eine Strophe von Ute Uerpmann aus Lössel ausgewählt wurden. Die Worte „Hier im Park von Haus Letmathe soll der Geist der Hoffnung weh’n. Diese Stele sei uns Pate für den Frieden einzusteh’n“ wurden am Samstag mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesungen und werden somit ihre verregnete Uraufführung noch lange überdauern.

Und am Ende ist es natürlich die Stele selbst, die dauerhaft an diesen Tag erinnern wird. Das Werk von Frank Haase besteht aus Stahlplatten, aus denen zwölf Friedenstauben ausgestanzt wurden. Die ausgestanzten Tauben wurden zu Friedensplaketten verarbeitet, die nun an die Kirchen, das Rathaus aber auch an die Partnerstädte Letmathes gehen. Und die Stele selbst soll mit ihrem besonderen Cortenstahl nun ordentlich rot-rostige Patina ansetzen, um sowohl die Vergangenheit als auch Beständigkeit auszudrücken – wenigstens dafür hat der Regen am Samstag einen ganz guten Start abgegeben.