Autohaus-Betriebsleiter veruntreute rund 211 000 Euro

Das Amtsgericht verließ der Angeklagte zwar als freier Mann,
Das Amtsgericht verließ der Angeklagte zwar als freier Mann,
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Weil er sich in 22 Fällen der Untreue in Tateinheit mit Urkundenfälschung strafbar gemacht hat, ist ein 54-Jähriger vom Amtsgericht Iserlohn zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er richtete einen Schaden in sechsstelliger Höhe an.

Letmathe/Iserlohn..  Auf der Anklagebank versuchte der langjährige Betriebsleiter eines Letmather Autohauses gar nicht erst, seine Serie an Straftaten zu beschönigen. Der 54-Jährige frühere Automobilkaufmann gab am Mittwoch vor dem Iserlohner Amtsgericht die ihm zur Last gelegten Betrugs- und Untreue-Vorwürfe in vollem Umfang zu: „Der Grund ist mein finanzieller Engpass über einen längeren Zeitraum durch meine Krankheit, die zur Berufsunfähigkeit führte.“

Der Iserlohner habe seine Schuldenlöcher mit Geldern gestopft, die er aus der Kasse des Autohauses abzweigte und dies durch Manipulationen im Kassensystem verschleiert. Das habe sich zu einer Art Schneeballsystem entwickelt. Die Staatsanwältin hielt ihm 24 Einzelfälle vor, wo es um veruntreute Gelder zwischen 200 Euro und 18 900 Euro ging. Innerhalb von zwei Jahren veruntreute er bis 2013 durch seine Verfügungsgewalt über die Geschäftskonten nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme insgesamt rund 211 000 Euro, bis die Buchhaltung in Balve diese erheblichen Unregelmäßigkeiten aufdeckte. Diese gewerbsmäßige Untreue kostete ihn neben seinem Job auch seine langjährige Freundschaft zu seinem früheren Firmenchef.

Untreue in 22 Fällen und Urkundenfälschung

Wegen Untreue in 22 Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung verurteilte das Schöffengericht den Iserlohner zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Dabei blieb das Gericht deutlich unter dem Strafantrag der Vertreterin der Staatsanwaltschaft, die zweieinhalb Jahre gefordert hatte. „Die besonderen Umstände in der Täterpersönlichkeit rechtfertigen es“, erläuterte Richter Günter Giesecke von Bergh mit Blick auf seine schwere Erkrankung und seine „günstige Sozialprognose“. Außerdem honorierte das Gericht sein Geständnis, durch das er dem Gericht eine lange Beweisaufnahme ersparte.

Ex-Chef spricht von „hoher krimineller Energie“

„Man wundert sich, dass dem Betrieb innerhalb von zwei Jahren über 200 000 Euro durch die Lappen gehen, und das so spät aufgefallen ist“, kritisierte der Vorsitzende des Schöffengerichtes die „relativ wenigen und wirksamen Kontrollen“.

Das Gericht setzte die verhängte Freiheitsstrafe zur Bewährung aus, weil der Iserlohner erstmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Auf den Vater zweier erwachsener Kinder, der sich jetzt beruflich neu orientieren will, kommen außerdem noch erhebliche Rückforderungen des Autohauses zu. Außerdem muss er die Kosten des Gerichtsverfahrens zahlen. Dem Vernehmen nach soll er jetzt in der Gastronomie untergekommen sein.

Sein früherer Chef zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung enttäuscht vom Ausgang des Verfahrens, bei dem aufgrund des Geständnisses keine Zeugen geladen waren. Er bescheinigte dem Iserlohner, den er nach 25 Jahren (!) wegen dieser Taten entlassen hatte, „eine hohe kriminelle Energie“. Menschlich und finanziell habe er großen Schaden angerichtet.