Aufwärts mit einem neuen Firmennamen
06.10.2010 | 17:36 Uhr 2010-10-06T17:36:00+0200Letmathe. Wer den Rückbau des alten Bakelite-Hauptschornsteins beobachtet, könnte den Eindruck haben, mit dem Chemiewerk gehe es weiter abwärts. Doch der schrumpfende Kamin ist das falsche Symbol. Denn bei „Hexion“ geht es eher aufwärts als abwärts, wenn man hinter die Kulissen schaut.
Was die Bürger von außen nicht so ohne weiteres sehen können: Überall auf dem Gelände wird gebaut, werden die Produktions- und Versandanlagen modernisiert. Für rund fünf Millionen Euro investiert das Unternehmen in die Zukunft. Drei neue Harz-Kocher sind fast fertiggestellt. Auch die neue Abfüllanlage ist in Arbeit.
Es handelt sich großteils um Automatisierungsmaßnahmen, mit deren Hilfe der bereits beschlossene Arbeitsplatzabbau umgesetzt werden soll. Deshalb hält sich die Begeisterung bei den Beschäftigten in Grenzen. Betriebsratsratschef Bernd Rau sieht aber auch die positive Seite der Medaille: „So wird die Zukunft des Standortes Letmather sicherer gemacht.“
Erfreulich ist übrigens auch die Geschäftsentwicklung. „Wir haben uns die jüngsten Ergebnisse für Letmathe angeschaut, und die sind positiv“, berichtet Bernd Rau. Deshalb geht er davon aus, „dass die Belegschaft in den nächsten Jahren keine einschneidenden Maßnahmen befürchten muss“.
Auch die Umbenennung des Unternehmens in „Momentive“ ist aus Raus Sicht nicht negativ. Zumindest nach den bisher vorliegenden Informationen, wie Rau erklärt. Am 13. Oktober wird er an einer Aufsichtsratssitzung in Rotterdam teilnehmen, um sich näher zu informieren.
Wie es derzeit aussieht, wird der Zusammenschluss der Konzerne „Momentive“ und „Hexion“ Einsparungen nur im Bereich der sogenannten Overhead-Kosten bringen. Davon wären die Konzernführung- und Verwaltung, nicht aber Standorte wie Letmathe betroffen.
Durch die Fusion unter dem gemeinsamen Dach des US-Finanzinvestors Apollo LP wird das Letmather Chemiewerk Teil eines Riesenkonzerns. Denn nach dem Zusammenschluss hat „Momentive“ weltweit rund 10 000 Mitarbeiter an 117 Produktionsstandorten. Organisatorisch arbeiten Momentive und Hexion mit ihren völlig unterschiedlichen Produkten weiterhin getrennt. Während Momentive hauptsächlich Silikon, Silikon-Derivate herstellt und Quarz- sowie Spezialkeramik entwickelt, bleibt der alte Hexion-Bereich auf Harze und Formmassen spezialisiert.
„Ich sehe in der Fusion eher eine Stärkung des Standortes Letmathe“, sagt Marketing-Manager Michael Stahl, der bereits eifrig an der Umstellung des Firmennamens arbeitet. „In den nächsten Wochen und Monaten wird das Logo auf Schildern, an Gebäuden, auf Briefköpfen und so weiter geändert.“ Aus dem Namen „Hexion“, der immerhin fünf Jahre lang zum Letmather Stadtbild gehörte, wird „Momentive“.
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