Aufführung, die nachdenklich stimmt

Der Literaturskurs I des Gymnasiums hat sich „One“ nach dem Roman „Johnny Got His Gun“ vorgenommen.

Letmathe..  Europa im Ersten Weltkrieg: Der Soldat Dominic Greene verliert während der Ypernschlacht beide Beine, einen Arm sowie mit Augen, Ohren, Nase und Mund all seine Sinnesorgane. Schwer verletzt und unfähig, sich verständlich zu machen, findet er sich in einem Krankenhaus wieder, wo sein verstümmelter Körper in die Hände des skrupellosen Dr. Andrew Necros gerät. Dominic überlebt als Torso, kann sich nicht äußern. Er ist aber bei vollem Bewusstsein und kann zum Beispiel Berührungen und Vibrationen von Schritten wahrnehmen.

Wo liegen diewissenschaftlichen Grenzen?

Die Geschichte, die der Literaturkurs I des Letmather Gymnasiums jetzt gleich zwei Mal auf die Bühne gebracht hat, hatte es wahrlich in sich. Sie beruht auf dem Antikriegsroman „Johnny Got His Gun“ von Dalton Trumbo. Für die Zuschauer in der Aula gab es in der aufwändig inszenierten Vorstellung von „One“ nur sehr wenig zum Lachen, dafür aber viel zum Nachdenken, vor allem auf moralischer Ebene: Wo sind die Grenzen der Wissenschaft, wenn es um die Forschung an Menschen geht -- und darf man einen offensichtlichen Machtmissbrauch unterstützen?

Mit einer großartigen Ernsthaftigkeit behandelten die 27 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung ihres Lehrers Mirko Manzke diese zentralen Fragen auf der Bühne und verschlugen dem Publikum dabei an so manchen Stellen den Atem, beispielsweise, als der schwerverwundete Greene das erste Mal wieder zu Bewusstsein kommt. Er kann weder sprechen, sehen noch hören, und den Zuschauern werden seine bewegenden Gedanken per O-Ton aus dem Off mitgeteilt: „Oh Gott, ich spüre meine Beine nicht. Ich HABE keine Beine mehr. Sie haben mir alles abgeschnitten.“

Arzt handeltohne jeden Skrupel

Wie skrupellos Dr. Necros tatsächlich ist, zeigt sich bereits, als er andere Patienten der psychiatrischen Abteilung mit Elektroschocks behandelt und wieder andere bereits völlig neben sich stehen: „Ich bin müde, ich bin müde, ich bin müde“, wiederholt Patientin Bull wieder und wieder.

Zwischen den Bühnenszenen wurden einzelne selbst gedrehte Videosequenzen eingespielt, die beispielsweise die intakte Familie von Greene vor dem Krieg zeigen. Aber nicht nur damit hatte sich der Literaturkurs besondere Mühe gegeben. Auch die Kostüme und vor allem das Bühnenbild zeugten von langer Arbeit. So wurden einzelne Gefängniszellen, Bürozimmer und Krankenbetten nachgebaut. Eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg im Foyer rundete das Bild ab.

In ihren Rollen glänzten neben Philip Tadic als General Gustav Graves und Jeremy Wittwer als Dr. Andrew Necros auch Robin Kremser, Simon Ruppel, Dilan Yildiz, Mirco Hippel, Fabian Henke, Christian Wirthsmann, Jan Lemmer, Nicolas Braun, Luca Böllert, Jan Hömberg, Evelyn Heinrich, Niklas Höynck, Denise Bodes, Philipp Grün, Max Schoof, Ihsan Alpar, Kim Hagemann, Sarah Stahl, Julia Bartzik, Joshua Schirmer, Tamarah Fastenrath und Robin Stuckenholz als Soldaten, Familienmitglieder, Krankenschwestern, Patienten und Assistenzärzte.