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Ehepaar Malaschöwski baut...

"Armen Menschen in Sri Lanka helfen - das ist mein Lebenswerk"

09.01.2009 | 17:06 Uhr
"Armen Menschen in Sri Lanka helfen - das ist mein Lebenswerk"

Letmathe. Vor 28 Jahren haben sie als Touristen in Sri Lanka die Armut auf den Straßen gesehen und waren schockiert - die Letmather Barbara und Lutz Malaschöwski. Aus dem Bedürfnis, „da müssen wir helfen”, ist ein beachtliches privates Hilfswerk gewachsen.

Jahr für Jahr fliegen die Eheleute mit privat gesammelten Spendengeldern nach Sri Lanka. Ihr Ziel: ein paar kleine Dörfer mitten im Busch, weitab befestigter Straßen. Dort werden kleine, aber massiv gemauerte Häuser für bitterarme Familien gebaut. 27 Häuser (50 Quadratmeter groß) und vier Kindergärten sind mittlerweile entstanden. Privatleute und Firmen, überwiegend aus Letmathe und Iserlohn haben den Malaschöwskis dafür bisher insgesamt eine halbe Million Euro Spendengelder anvertraut.

Lutz Malaschöwski und Siri da Silva, Sri Lanka

Am Samstag, 10. Januar,  reisen die Malaschöwskis erneut für drei Monate nach Sri Lanka. Diesmal sollen drei Häuser gebaut werden. Dazu kommen zwei Kindergärten dank großer Spenden von Dr. Sigurd Pütter und der Firma Schütte, Meyer & Co. Helmut Rauer sprach noch vor der Abreise mit Lutz Malaschöwski. 

Frage: Wie suchen Sie die Familien aus, die ein Haus bekommen?Malaschöwski: Das machen wir persönlich. Dabei achten wir darauf, dass Familien, die in unmöglichen Zuständen hausen, viele Kinder haben oder sonstwie besonders bedürftig sind, ganz oben auf der Liste stehen.Frage: Sie können immer nur wenigen helfen? Kommen da nicht in den Dörfern Neid und Missgunst auf?

Malaschöwski: Menschen in Sri Lanka unterscheiden sich nicht von anderen Menschen in der Welt, so dass sicher Neid vorhanden sein wird. Aber für uns ist das nicht erkennbar. Wir haben nie irgendwelche Missgunst-Äußerungen oder Ähnliches erfahren. Irgendwie sind die Leute stolz darauf, dass überhaupt geholfen wird. 

Frage: Welchen Regeln unterliegen die Bewohner der Häuser? Sind sie Eigentümer oder Mieter? Dürfen Häuser auch verkauft werden?

Malaschöwski: Die Häuser sind Eigentum der Familien. Daran hat besonders mein Freund Siri da Silva mitgewirkt und der Landrat Jayantha, die in Sri Lanka alle rechtlichen Dinge klären. Die Häuser werden nicht verkauft, sondern bleiben in der Familie. Die Leute, die darin wohnen, sind durchweg Analphabeten. Sie ziehen nicht weg, weil sie gar keine Chance hätten, anderswo Arbeit zu finden. Sie gehen nachweislich pfleglich mit allem um, die Sauberkeit ist sprichwörtlich. 

Frage: Wie arbeiten die von Ihnen gebauten Kindergärten? Wem gehören sie?

Malaschöwski: Zwei Kindergärten werden von Buddhisten betrieben und mit Personal ausgestattet, zwei von den Kommunen.

Frage: Das ganze Projekt liegt in den Händen von Ihnen und Ihrer Frau. Haben Sie jemals daran gedacht, weitere Personen einzubeziehen?

Malaschöwski: Solange wir gesundheitlich in der Lage sind, werden wir weiter als Einzelkämpfer arbeiten. Wir sind natürlich froh, dass Siri da Silva unser verlängerter Arm ist und zuverlässig alles verwirklicht, was er von uns in Auftrag bekommt.

Frage: Warum keine weiteren Personen?

Malaschöwski: Weil wir in der Lage sind, alle anfallenden Projekte überschaubar zu bearbeiten. Eine Vergrößerung des Stabes würde sicherlich Folgekosten haben. Wir möchten ausschließen, dass Geld in irgendwelche Taschen fließt. Alle Mittel sollen voll bei den Bedürftigen ankommen.

Frage: Wenn ein Hilfswerk allein in den Händen von Einzelpersonen liegt, kann der Vorwurf der mangelnden Überprüfbarkeit aufkommen. Da keine Kontrollinstanz existiert, könnten Neider den Verdacht persönlicher Bereicherung hegen. Was sagen Sie dazu?

Malaschöwski: Nach jahrelanger Erfahrung ist sichergestellt, dass alle unsere Projekte einer allerbesten Betreuung und Kontrolle unterliegen. Dafür trägt auch Landrat Jayantha Verantwortung. Ein Bekannter aus Hemer, der jedes Jahr mehrere Monate in Sri Lanka weilt, kennt alle Projekte und weiß, was dort mit dem Geld passiert. Zum anderen bin ich einer der wenigen, die jedes Jahr detailliert eine ordnungsgemäße Abrechnung erstellen, die sofort nach meiner Rückkehr der heimischen Presse übergeben wird. Die Iserlohner vertrauen mir, auch große Firmen geben mir viel Geld. Ich würde dieses Vertrauen nie missbrauchen.

Frage: Viele Leute glauben, dass ihr Geld bei großen bekannten Hilfsorganisationen besser angelegt ist.

Malaschöwski: Wir machen gegenteilige Erfahrungen. Passanten auf der Straße wie auch Spender großer Beträge vertrauen ihr Geld lieber uns an, weil die Spende ohne Abzug in den Projekten verwendet wird.

Frage: Ob bei der Kilianskirmes oder bei Neujahrsempfängen - überall sieht man Sie mit dem großen Bierglas Spenden sammeln. Ist Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit Ihr Erfolgsrezept?

Malaschöwski: Selbstverständlich, wenn ich keinen Erfolg damit hätte, würde ich diese Belastung nicht auf mich nehmen. Es ist nicht immer nur eine Freude zu betteln.

Frage: Was erleben Sie denn?

Malaschöwski: Die meisten haben ein nettes Wort und eine Spende für mich übrig. Andere versuchen mir klar zu machen, dass es auch woanders Armut gibt. 

Frage: Welchen Stellenwert haben die Projekte für Ihr Leben?

Malaschöwski: Es ist mein Lebenswerk. Den größten Teil meiner Freizeit opfere ich dafür.

Frage: Was motiviert Sie, die Mühen auf sich zu nehmen?

Malaschöwski: Die dankbaren Augen der Kinder und die Freude der Menschen, denen ich helfe.

Frage: Es gibt schon Häuser und Kindergärten, die Namen von Iserlohner Firmen tragen. Warum ist noch kein Haus nach Ihnen selbst benannt?

Malaschöwski: Das brauche ich nicht. Schon gar nicht möchte ich mich dem Vorwurf aussetzen, dass ich mit Spendengeldern meinen Namen verewigen möchte.

Frage: Hat es in den 28 Jahren nie Rückschläge oder Misserfolge gegeben?

Malaschöwski: Nein, das habe ich nie erlebt.

Frage: Was ist Ihr Traum?

Malaschöwski: Das Geld für ein Großprojekt zusammen zu bekommen.

Frage: Wie sähe das aus?

Malaschöwski: Ein zusammenhängendes Dorf mit kompletter Infrastruktur, das vielleicht ein Partnerdorf von Iserlohn sein könnte.

Frage: Wäre es nicht besser, die Lage der Menschen in Sri Lanka politisch zu verbessern?

Malaschöwski: Das ist leicht gesagt. Im vorigen Jahr wurde die Entwicklungshilfe für Sri Lanka in Höhe von 19 Millionen Euro eingestellt. Grund sind die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Tamilen. Gerade sind bei Kämpfen über 70 000 Menschen getötet worden. Unser Dorf ist davon weit weg. Aber die Auswirkungen sind auch dort katastrophal. Der Tourismus ist als Hauptsäule der Staatsfinanzen total eingebrochen. Die Bevölkerung leidet erheblich unter steigenden Preisen. Hilfsprojekte wie unseres bekommen dadurch eine noch größere Bedeutung.

Helmut Rauer

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