„Arbeit mit Gottes Hilfe und viel Idealismus“

In der Dröscheder Ideen-Werkstatt informierten und diskutierten Ilse Balbach-Westphal (von links), Marianne Anschütz und Pfarrer Fritz-Uwe Schulte
In der Dröscheder Ideen-Werkstatt informierten und diskutierten Ilse Balbach-Westphal (von links), Marianne Anschütz und Pfarrer Fritz-Uwe Schulte
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Noch hat sich niemand gemeldet für die Ausbildung zur Gemeindeschwester in Dröschede. Doch über die Aufgaben und das Profil dieses Dienstes haben sich in einem ersten Schritt viele Dröscheder infomiert.

Dröschede..  „Wir sind noch am Anfang unserer Überlegungen zur Zukunft unserer Gemeindearbeit“, leitete Pfarrer Fritz-Uwe Schulte in die zweite Dröscheder Ideen-Werkstatt ein, in der es um den Einsatz von Gemeinde-Schwestern gehe. In der evangelischen Adventskirche machte er am Montag vor knapp 30 interessierten Zuhörern deutlich: „Es geht nicht um den Pfarrer-Ersatz, sondern um eine neue Profilierung und neue Zielsetzungen.“

Unterstützung bei der diakonischen Gemeindearbeit

Die Oberin und Diakonisse Marianne Anschütz und Ilse Balbach-Westphal, noch aktive Diakonisse im Ruhestand, vom Diakoniewerk Ruhr Witten referierten über die Ausbildung von Gemeinde-Schwestern, die die Kirchengemeinden bei der Erfüllung der diakonischen Gemeindearbeit unterstützen. Im Kirchenkreis Iserlohn arbeiten bereits qualifizierte Gemeinde-Schwestern oder befinden sich in der Ausbildung für ihren Dienst, führten die Referentinnen aus. „Die haben einen guten Kontakt untereinander und beraten sich gegenseitig“, sagte Marianne Anschütz.

Die beiden Diakonissen stellten die „Ausbildung zur Gemeinde-Schwester“ vor: Die Gemeinde-Schwester soll im Rahmen von „Kirche vor Ort“ eine Vertrauensperson sein, zu ambulanten Pflegediensten, dem Jugendamt und Vereinen Kontakt haben und als Gemeindevertreterin Unterstützung in unterschiedlichen Lebenssituationen anbieten.

Die Referentinnen beschrieben das Profil so: Die Gemeinde-Schwester verfügt idealerweise über eine diakonisch-theologische Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Gemeindediakonie. Sie ist Ansprechpartnerin für Gemeindeglieder mit Büro-Sprechzeiten und steht Bewohnern mit Rat und Tat zur Verfügung, wobei sie nicht alles selber leisten könne, sondern vielmehr als Vernetzungsfachkraft diene. Auch arbeitet sie mit dem Pfarrer und den Gremien innerhalb der Gemeinde und des Stadtteils zusammen. Wichtig sei auch die Öffentlichkeitsarbeit.

„Wir arbeiten daran, Frauen nicht auszunutzen“, erläuterte Diakonisse Marianne Anschütz. „Sie ist keineswegs ehrenamtlich tätig, sondern arbeitet nebenamtlich in einer Gemeinde mit bis zu zehn Stunden pro Woche auf 450-Euro-Basis als geringfügig Beschäftigte.“

Die meisten Gemeinde-Schwestern haben einen Haupterwerb als Krankenschwester oder Erzieherin und arbeiten einen Tag in der Woche in der Gemeinde, berichtete Marianne Anschütz aus der Praxis. Auf die Frage, wie berufstätige Frauen neben Beruf und Familie noch offen für diese Arbeit sein solle, räumte die Referentin ein: „In Kirche und Diakonie geht es mit Gottes Hilfe und viel Idealismus.“ Angesichts des vielfältigen Familien- und Beziehungslebens müsse eine potenzielle Kandidatin selbst entscheiden, ob es sie bereichere. Marianne Anschütz weiß aus den unterschiedlichsten Anforderungen in evangelischen Gemeinden: „ Denn diese Tätigkeit erfordert viel Eigenverantwortung und Selbstständigkeit.“

Die Ausbildung ist offen für Frauen aus allen Berufen

Das Diakonissen-Mutterhaus biete eine dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung an. Interessenten aus der Gemeinde sollten nicht älter als 55 Jahre sein. Die Ausbildung sei offen für alle Berufe. Die Auswahl und die Entscheidung erfolgt über das Presbyterium. Eine Gemeinde-Analyse als Grundlage der Arbeit und des stadtteilorientierten Handelns nannte Ilse Balbach-Westphal als Voraussetzung für den Einsatz von Gemeinde-Schwestern. Auf die Frage in die Runde, ob jemand sich vorstellen könnte, diese Arbeit in Dröschede zu übernehmen, meldete sich noch niemand. Im Frühjahr 2016 beginnt die nächste Ausbildung. Bis dahin soll für diese Arbeit weiter geworben werden, auch im Gemeindebrief. Dass der Bedarf für eine Ansprechpartnerin der Gemeinde besteht, wurde in der Aussprache deutlich. Pastor Schulte betonte in Richtung „Gemeinde der Zukunft“: „Es gibt viele, die schon viel ehrenamtlich machen. Wenn man viele Knoten macht, hat man ein Netz. Wir müssen noch mehr Menschen gewinnen, die weitere Knoten machen. Manchmal warten Leute darauf, zum Zug zu kommen.“