"An Luxuslärm" geht kein Weg vorbei
16.09.2008 | 15:57 Uhr 2008-09-16T15:57:00+0200
Letmathe. Burgrock, Come together, Eisfrei, WortKlang, Friedensfest, Rock in Barendorf, Public Viewing, Seegeflüster, Springefest und und und - im Festival-Sommer der Region lief ohne „Luxuslärm” in diesem Jahr gar nichts.
Und die Kurve zeigt weiter steil nach oben: Am Freitag erscheint ihre Single im Internet, der bundesweite Vertrieb ihres Albums folgt Anfang Oktober, und auch die Promotion-Tour mit Fernseh- und Radio-Präsenz führt die Band kreuz und quer durch die Republik.
Die anstehenden Veröffentlichungen sind der vorläufige Höhepunkt einer steilen Karriere, die die fünf Musiker - alle Mitte 20 - in den vergangnen vier Jahren von den Anfängen als Coverband kurz vor den bundesweiten Durchbruch gebracht hat. „Mit eigenen Songs, eigenem Stil und von Anfang an in Eigenregie”, wie Jan Zimmer erklärt.
Zimmer ist nicht nur Schlagzeuger der Band, sondern als einzig verbliebenes Gründungsmitglied auch so etwas wie der Motor der kleinen Firma. Von der Coverband „Blue Cinnamon”, aus der später „Luxuslärm” geworden ist, bis zur Gründung der eigenen und sehr erfolgreichen Pop-Musikschule „Musikfabrik” als wirtschaftliches Standbein der Band hat er die Karriere von „Luxuslärm” immer wieder angetrieben.
Der berühmte Frühlingsspaziergang war das nicht. Es habe weder einen Masterplan gegeben, der die Gesetze des Marktes analysiert und sich dem größtmöglichen Erfolg beugt habe. Noch sei sich die Band mal eben einig gewesen, wohin der Weg gehen sollte. Vielmehr sei schon die Suche nach Gleichgesinnten, die alles für ein Leben auf der Bühne stehen und liegen lassen, lang und steinig gewesen. Mit David Rempel (Keyboard), Eugen Urlacher (Bass), vor allem aber mit dem Gitarristen und Songwriter Henrik Oberbossel, Janine Meyer, die als Front-Röhre alle Texte selbst schreibt, und dem kongenialen Produzenten Götz von Sydow entstand endlich die verschworene Gemeinschaft, die sich dann in langen und harten Auseinandersetzungen auf den heutigen „Luxuslärm”-Stil geeinigt hat. Ein mitreißender Mainstream-Rock ist es geworden, der ehrlich und authentisch rüber- und offensichtlich auch bestens ankommt.
Nicht nur musikalisch war die Band „Pur” dabei ein Vorbild, die es geschafft hat, langsam und gesund zu wachsen und sich ganze Heerscharen echter Fans zu erspielen. Das haben „Luxuslärm” auch vor. „Wir haben inzwischen Leute im Rücken, die uns überall hin nachfahren und richtig an uns hängen”, beschreibt Jan Zimmer das ungeheure Gefühl, von so vielen Menschen getragen zu werden.
Gerade mit Blick auf die vielen Fans, die der Band viel Kraft geben und sie auch tatkräftig unterstützen, hat Sängerin Jini inzwischen den Eindruck gewonnen, dass diese Lawine, die vor etwa einem halben Jahr losgetreten wurde, kaum noch aufzuhalten ist. Damals, am 25. Januar, hatte die Band zur Record-Release-Party ihres Albums „1000 Kilometer bis zum Meer” ins Iserlohner „Kraftwerk” eingeladen. Schon ein Jahr vorher hatte die Band quasi über Nacht als beste Newcomer-Band Nordrhein-Westfalens von sich Reden gemacht, als sie das „Rock it”-Finale gewann. „Damals wuchs unsere Medienpräsenz enorm und alles fing an zu brodeln”, erinnert sich Jini. Der richtige Durchbruch war aber die Party im Januar diesen Jahres. Seitdem sind die Letmather in aller Munde und werden auf Radio MK rauf und runter gespielt.
Nun soll mit derselben CD nach Möglichkeit der nationale Durchbruch folgen. Dazu muss man wissen, dass sich die Funktionsweisen der Schallplattenindustrie enorm gewandelt haben. Durch die Möglichkeit, Musik im Internet direkt auf den eigenen Computer zu laden, gibt es riesige Einbrüche in der Schallplattenindustrie, weswegen große Plattenfirmen sehr vorsichtig geworden sind. „Einen Künstler langfristig aufzubauen, ist heute viel zu risikoreich”, sagt Jan Zimmer. Eher liege die Strategie der Firmen in schnellen Erfolgen mit Künstlern, in die man nicht mehr investiert.
Ein Major-Deal - also ein Vertrag mit einer großen Firma, die das Komplett-Paket aus Produktion, Vertrieb und Vermarktung übernimmt - kam dem bandeigenen Gesetz vom gesunden Wachstum nach „Pur”-Manier folgend nicht in Frage. Stattdessen übernahm man alles selber. Aufnahme und Produktion des Albums, der Vertrieb der zunächst kleinen Auflage von 1500 CDs, die Organisation der Auftritte und das übrige Management stemmten die jungen Leute alleine. Und damit wuchsen sie tatsächlich.
Nun sind sie bereit für den nächsten Schritt. Wegen der neuen Gesetze auf dem Markt erscheint ihre Single „1000 km” nur noch online und ist ab Freitag gegen Gebühr bei allen Musikanbietern im Internet runterzuladen. Am selben Tag tritt die Band im Letmather Waldstadion zum vorerst letzten Mal im heimischen Raum auf. Dann startet die Promo-Tour mit vielen Auftritten als Vorgruppe von Größen wie „Revolver-Held”.
Schon jetzt ist die verstärkte Radio und Fernseh-Präsenz angelaufen: Gestern hat die Band für Radio NRW einige Unplugged-Titel aufgenommen, und auf dem Musik-Fernsehsender „iMusic1” läuft ihr Video in A-Rotation - also fast immer. Am 4. Oktober startet dann mit der Firma „Intergroove” der bundesweite Vertrieb ihres Albums. „Dann steht unsere CD in allen Plattenläden”, sagt Jan Zimmer, und ein wenig Stolz ist ihm nach dem langen Weg dorthin anzusehen.
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