Soziales : Letmather Ex-Unternehmer wohnt heute im Auto

Letmathe. Ein gestrandeter 55-jähriger Ex-Unternehmer übernachtet seit Monaten mit seinem Hund im Auto. Auf einem Firmenparkplatz im Letmather Markenfeld hüllt er sich Nacht für Nacht gegen den Frost in dicke Decken ein. Sein größter Wunsch: Eine Wohnung finden.
"Die Leute klopfen immer ganz besorgt an die Scheiben, wenn sie mich im Auto übernachten sehen”, berichtet Joachim von der Ley. Kürzlich kamen bei minus 15 Grad sogar Polizisten und sagten bekümmert: „Wir möchten Sie nicht morgen früh als Frostleiche aus dem Auto ziehen.” Doch der 55-Jährige lächelt: „So schlimm ist das gar nicht. Drei Decken und mein Hund Joey halten mich warm.”
Bei der Mutter ist es schlimmer als im Auto
Sportfreund von der Ley ist eine robuste Natur. Bis zur Insolvenz 2003 führte er mit seinem Bruder ein kleines Kunststoffspritzgusswerk in einer Stadt in Ruhrnähe. Damals hielt er sich mit Radfahren und Langstreckenlauf fit. Die gute Konstitution hilft ihm nun zu überleben. Der Beifahrersitz des 17 Jahre alten BMW ist dem Gestrandeten zum Schlafen lieber als ein Obdachlosenasyl. Auch lieber als das Haus seiner Mutter (84) in der Heimatstadt, in der er fest gemeldet ist. „Die haust seit Jahren ohne Strom, Wasser und Heizung. Da ist es viel schlimmer als im Auto.”
„Die ganze Familie”, erzählt der 55-Jährige, „steckte ihr privates Vermögen in die Firma, um sie in Krisenzeiten, als es eigentlich schon zu spät war, noch über Wasser zu halten. Mein Haus und die Altersvorsorge gingen mit drauf.” Hinzu kam die Ehescheidung. Von der Ley fand vor fünf Jahren eine neue Freundin in Letmathe, bei der er aber, unter anderem wegen des Hundes, nun auch nicht mehr wohnen kann.
Kleiner Job beim Paketdienst
Immerhin hat der Gebeutelte einen neuen Arbeitsplatz. Wennn auch nur als Hartz-IV-Empfänger einen 400-Euro-Job bei einem Paketdienst. Den erreicht er jeden Morgen von seinem „Zuhause” (dem Auto) aus per Fußmarsch. Drei Stunden pro Tag hebt er frühmorgens Pakete aufs Fließband. „Ich mache das gerne”, versichert er. „Aber der Verdienst wird angerechnet, mir bleiben nur 160 Euro im Monat übrig, das sind 2,87 pro Stunde”, sagt der Ex-Unternehmer halb beschämt, halb empört.
Von der Ley hat weder Bad noch Küche. Was er täglich braucht, liegt im Kofferraum. Sein Schlafzimmer ist der Beifahrersitz, seine Mahlzeiten nimmt er in einem Kaufhauscafé ein. Als Wohnzimmer dient die Natur, in der er mit Joey, dem freiheitsliebenden „Rhodesian Ridgeback” spazierengeht. Zum Glück hat er beim Paketdienst einen Chef, der ihm erlaubt, sich in der Firma zu waschen. Dort kann er auch Handy und Rasierapparat aufladen. Der Verdienst reicht für Essen, Hundefutter und Kfz-Versicherung.
Keine passende Wohnung gefunden
Der Ex-Unternehmer freut sich, dass viele Letmather ihm allerlei Hilfe angeboten haben. Nur, das Wichtigste - eine Wohnung, die über Hartz IV von der Arge finanziert würde - ist noch nicht in Sicht. „Sieben oder acht Mal habe ich es vergeblich probiert”, berichtet er. Die einzige Wohnung, die er haben könnte, ist zu weit vom Arbeitsplatz entfernt. „Ein kleines möbliertes Zimmer würde mir reichen”, seufzt er. Das Auto darf auf dem Firmenparkplatz auch nicht mehr lange bleiben.










