Heftiger Streit über die Reihenfolge auf Reservelisten zur Kommunalwahl : Iserlohner SPD wählt Dr. Peter Paul Ahrens zum Bürgermeisterkandidaten

Letmathe. Die eindeutige Wahl von Dr. Peter Paul Ahrens als Bürgermeisterkandidat auf der einen Seite sowie heftige Diskussionen und Gerangel um die Positionen auf den Reservelisten auf der anderen Seite haben am Samstag den über fünfstündigen Stadtverbandsparteitag der Iserlohner SPD geprägt.
Alles hatte im Saalbau gut für die Sozialdemokraten begonnen. Bei nur einer Gegenstimme gaben die Delegierten ein klares Votum für den derzeitigen 1. Beigeordneten ab, nachdem dieser in einem betont sachlichen Grundsatzreferat - über politische Mitbewerber verlor er keine Silbe - seine Vorstellung von der Arbeit als Chef der Verwaltung und Vorsitzender des Rats skizziert hatte. Unter anderem bezeichnete die MFI-Pläne für den Schillerplatz und dessen Umfeld als eine „Riesenchance für Iserlohn”, die in den kommenden Wochen intensiv zu diskutieren sei. Für den Stadtteil Letmathe nannte Ahrens den Stadtumbau von Genna als entscheidendes Projekt in naher Zukunft, wobei besonders Augenmerk darauf zu legen sei, die Lenne für die Bürger wieder erlebbarer zu machen. Für das Funktionieren der Stadtverwaltung, deren Chef er werden wolle, sei die Motivation der Mitabeiterinnen und Mitarbeiter entscheidend, stellte Ahrens fest. Lief die Wahl der fünf Direktkandidaten für die Kreistagswahl - Udo Vorländer, Sigrun Rutsch, Evelin Piotrowski, Peter Felsberg, Elmar Mohr und Jörg Wagner - noch glatt, zogen vor der Abstimmung über die Reihenfolge der vom Stadtverbandsausschuss vorgeschlagenen Kandidaten für die Reserveliste zur Kreistagswahl schon erste dunkle Wolken am Parteitagshimmel auf. Für die Ortsvereine Letmathe und Nordwest kritisierten Lutz Malaschöwski und Rolf Kaiser, dass sich der derzeitige Vizelandrat Udo Vorländer nur auf Platz 2 der Liste hinter dem Stadtverbandsvorsitzenden Peter Felsberg wiederfindet. Nachdem sich auch Vorländer selbst darüber beklagt hatte, beschloss der Parteitag mit 29 zu 14 Stimmen bei drei Enthaltungen eine neue Liste, auf der Felsberg und Vorländer die Plätze tauschen.
Das gleiche Spiel - allerdings mit einem weitaus höheren Level an Misstönen - wiederholte sich bei der Kür der Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat. Auch dabei übten Malaschöwski und Kaiser Kritik am Reservisten-Vorschlag des Stadtverbandsausschusses. Lutz Malaschöwski sah da „gestandene Sozialdemokraten auf Plätzen, auf die sie nicht hingehören, und zählte nur drei Mitglieder des Ortsvereins Letmathe auf den gesicherten Plätzen, hingegen aber fünf des Ortsvereins Zentrum - ein Verhältnis, das der Stimmenverteilung bei der letzten Kommunalwahl in keiner Weise entspreche.
Eine von den Ortsvereinen Letmathe und Nordwest vorgelegte Alternativ-Liste sorgte wiederum auf der Gegenseite für Entrüstung. Nur drei wirklich abgesicherte Kandidatinnen: das sei frauenfeindlich hieß es da und Fraktionschef Peter Leye bekannte gar „persönlich betroffen und enttäuscht” zu sein. Er habe es noch nie erlebt, dass die Iserlohner SPD ohne Konsens in einen solchen Wahlparteitag gegangen sei, stellte Leye fest und monierte einen Mangel an Solidarität. Letmathes Ortsvereinsvoritzender Olaf Hennecke bemühte sich, die Wogen zu glätten, und bot an, seinen gesicherten Platz auf der Alternativ-Liste mit einer Letmatherin zu tauschen. Peter Felsberg erinnerte daran, dass die Frauenquote schließlich in der Satzung festgeschrieben sei, und Mike Janke machte den Versuch („Ich finde es gut, wenn Politik so abläuft”), die Situation und den Streit schön zu reden. Lutz Malaschöwski Vorschlag, den Parteitag zu unterbrechen und doch noch zu einer gemeinsamen Liste zu finden, verfing nicht mehr. In der geheimen Abstimmung erteilten die Delegierten dem Vorschlag des Stadtverbandsausschusses eine klare Abfuhr und votierten mit 32 zu 12 Stimmen klar für die Alternativ-Liste.
Und noch zwei Urnengänge waren erforderlich, weil Sylvia Patscher („im Rat sollte zumindest eine Sozialdemokratin im Juso-Alter sitzen”) auf der Alternativ-Liste einen sichereren Rang als den 16. für sich reklamierte. Der Antrag, dass die 32-Jährige den 14. Platz mit Rolf Kaiser tauscht, wurde jedoch mit 26 zu 19 Stimmen abgeschmettert. Dann aber konnte endlich über die endgültige Liste abgestimmt werden und alle Kandidatinnen und Kandidaten wurden mit nur vereinzelten Gegenstimmen nominiert.
Die ersten 25 Plätze der SPD-Reserverlist für die Stadtratswahl: 1. Michael Scheffler, 2. Dr. Katja Sielhorst, 3. Peter Leye, 4. Dimitrios Axourgos, 5. Ralf Langner, 6. Monika Walther, 7. Michael Hufnagel, 8. Mike Janke, 9. Manfred Minzberg, 10. Gabriele Stange, 11. Olaf Hennecke, 12. Volker Keitmann, 13. Annegret Simon, 14. Rolf Kaiser, 15. Jürgen Kowski, 16. Sylvia Patscher, 17. Elmar Mohr, 18. Christian Pühl, 19. Martina Matner-Kißler, Thomas Bickert, 21. Sabine Stake, 22. Lidia Remisch, 23. Markus Purfürst, 24. Dieter Beele, 15. Ercan Atay.












