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Klinik-Serie : Wie Fliegen bei der Wundheilung helfen

Kleve, 20.01.2010, Sarah Eul

Kleve. Unser Organismus besitzt die Fähigkeit, Hautdefekte selbstständig zu schließen - zumindest hat es die Natur so vorgesehen. Eine Wunschvorstellung. Denn nicht jede Wunde heilt selbstständig. Helfen können so genannte Wundmanager, die sich auch ungewöhnlicher Therapien bedienen.

Foto: Marc Albers Foto: WAZ FotoPool

Viele Patienten plagen schlecht heilende oder gar chronische Wunden. Oftmals geht damit ein Stück Lebensqualität verloren. Schmerzen bestimmen den Alltag.

Mehrjährige Weiterbildung

Bruni Berns weiß in solchen Fällen Rat. Denn Berns ist nicht nur Gesundheits- und Krankenpflegerin, sondern hat sich darüber hinaus in mehrjährigen Weiterbildungen zur zertifizierten Wundmanagerin mit Expertenqualifikation fortgebildet. Damit ist sie im St.-Antonius-Hospital Kleve für die Behandlung von Wunden zuständig, die den Patienten Kummer bereiten.

Sie behandelt unter anderem Diabetiker mit offenen Wunden, großflächige Verletzungen oder Dekubitus-Patienten, also Menschen, die sich „wundgelegen” haben. Ein Allheil-Rezept für problematische Wunden hat die Expertin nicht. „Große Wunden sind eine große Herausforderung”, so die zertifizierte Wundmanagerin. Doch auch diese könne man meistern. Nämlich mit der richtigen Behandlung, die Dank eines guten Wundmanagements möglich ist. „Die moderne Wundbehandlung ist phasengerecht, individuell und problemorientiert. Zur Auswahl der geeigneten Wundauflage ist vor der Therapie eine gute Anamnese und Beurteilung der Wunde sehr wichtig”, so Berns.

In welcher Wundheilungsphase befindet sich die Wunde? Sondert die Wunde Flüssigkeit wie Lymphe oder Eiter ab? Wie tief ist die Wunde? Liegt eine Infektion vor? Wie ist die Wunde entstanden? Dies sind Fragen, die Berns vor einem geeigneten Therapievorschlag beantworten muss. „Denn nur dann kann ich eine optimale Wundversorgung garantieren”, so die Fachfrau.

Foto: Marc Albers Foto: WAZ FotoPool

Mehrere Behandlungsansätze im Falle schmerzender Wunden stehen der Wundmanagerin zur Verfügung. Eine, die bei Bruni Berns ein wahres Leuchten in den Augen entfacht, ist die so genannte „Larventherapie”. Steril gezüchtete Fliegenlarven - sicher verschlossen in einem so genannten „Biobag” - werden dabei in die Wunde gesetzt. Eine äußerst effektive Behandlungsmethode. Schlägt Berns diese einem Patienten vor, ist die Reaktion oft zunächst: „Iiiih”. Doch am Ende weiß Berns mit der Erfolgsquote dieser Methode zu überzeugen. Neben der natürlichen Therapieform setzt Berns noch auf viele weitere Behandlungsformen, zum Beispiel die Vakuumtherapie, die unter anderem bei nässenden Wunden eingesetzt wird.

Die Heilung braucht Zeit

Jedoch umsorgt Berns die Wunden nur, so lange der Patient im Krankenhaus ist. Schlecht heilende Wunden brauchen allerdings Zeit. Daher legt sie großen Wert darauf, dass ihre Patienten auch nach dem Aufenthalt im St.-Antonius-Hospital behandelt werden. Aus diesem Grund gibt die Expertin jedem Patienten, sofern die Wunde noch nicht „dicht” ist, eine Wundversorgungsempfehlung mit auf dem Weg.

Auch die Zusammenarbeit mit ambulanten Pflegediensten und einer ambulanten Wundmanagerin gehören zu ihrem Service. Denn die qualifizierte Nachsorge der Patienten liegt Bruni Berns besonders am Herzen. Alles in allem also ein spannendes Feld, wie Berns findet. Ein schöneres Tätigkeitsfeld könne sie sich nicht vorstellen. Ekel? Kennt Berns nicht. Zumindest nicht in ihrem Beruf.

Denn eine Sache dreht der Wundmanagerin schon den Magen um: Das Ausnehmen eines Hühnchens.

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