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"Sauberes Kamen"

Weniger Müll – aber unglaubliche Funde

22.03.2009 | 12:33 Uhr

Kamen. „Wofür gibt es eigentlich Mülleimer?”, fragt sich Finn (8), während sich neben ihm eimerweise der Müll auf dem Anhänger des Treckers stapelt.

Den hat er gerade aus den Westicker Feldern geklaubt. Finn und sein Bruder Jannis (12) helfen bei der Aktion „Sauberes Kamen” schon mit, „seit sie laufen können”, erzählt ihr Vater Volker Stiepermannn. Auch in diesem Jahr durften die Junghelfer nicht fehlen.

Und das, obwohl eigentlich auch noch ein wichtiges Fußballspiel anstand. „Hier gibt es doch immer etwas zu essen”, begründet Jannis seinen Eifer. Aber es steckt noch mehr dahinter: „Es macht auch Spaß, hinten auf dem Trecker mitzufahren.” Außerdem empört die Brüder, was sie regelmäßig an der Schimmelstraße und am Roggenkamp zu sehen bekommen. „Die Natur hier ist doch richtig schön”, betont Finn, „wenn dort so viel Müll drin liegt, wird sie verschandelt.”

Gefährlich für

die Tiere

Seinem Bruder fällt noch etwas Wichtiges ein: „Außerdem ist der Müll gefährlich für die Tiere”, meint Jannis, und beobachtet ein Entenpaar, das gerade über seinen Kopf hinweg fliegt.

Zusammen mit Finn und Jannis schwirrten am Samstag 40 Helfer in Westick aus, um dem wilden Müll zu Leibe zu rücken. Zeitgleich waren in allen Stadtteilen insgesamt 350 Ehrenamtliche in gemeinsamer Mission unterwegs. In allen Einsatzgebieten zeigte sich dasselbe Phänomen: Die Gesamtmenge des illegal entsorgten Mülls wird weniger. Dafür setzen spezielle Müllgattungen Akzente. Besonders auffällig sind geballt auftauchende Flachmänner-Depots. Dicht dahinter folgen Verpackungsmaterialien aller Art.

Den meisten Müll klauben Finn und Jannis dicht an der Bahnlinie aus dem Gras. Ein leerer Geldbeutel gehört dazu. Und Unmengen Zigarettenschachteln. Aber auch neben der Brücke über die Körne landet reichlich statt im Mülleimer in der renaturierten Natur. „Das ist so schön hier geworden”, schwärmt Jannis, der gerade ein paar Feldhasen beim Frühlingstanz im hohen Gras beobachtet. „Dort gibt es jetzt auch wieder Fische”, hat er schon beobachtet. Wenig später wird er allerdings wü-tend. Weil im Gebüsch an der Bahnunterführung an der

Genug für eine

eigene Aktion

Schimmelstraße so viel Müll liegt, dass er ihn kaum einsammeln kann. Rohre, kaputte Fußbälle, ein alter Weidenkorb und ein verrotteter Grill zum Beispiel. Er regt empört an: „Hier sollte man mal eine eigene Aktion starten.”

Die 70 Südkamener Sammler wunderten sich dagegen über einen Radiator, einen Anlasser, Stoßdämpfer und hunderte Flachmänner sowie zahlreiche Fertigmenüs im Dunstkreis geparkter Lkw. In Lerche holten die Helfer Toilettenschüsseln, Fernseher und komplette Wohnzimmereinrichtungen aus den Gräben. In Altenmethler überlegte man, ob der positive Schwangerschaftstest, die „Lümmeltüten”, sowie die Sekt- und Schnapsflaschen womöglich kausal zusammenhingen. In Rottum dagegen wurde ein junger Müllsammler von Passanten für seinen Sammeleifer spontan mit 3 € belohnt. Und von den 120 Heerener Sammlern erlebte das mehr als 40-köpfige Einsatzkommando aus dem Haus Mühlbach und dem Pröbsting-Haus eine besondere Belobigung.

Katja Burgemeister

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