Umstrittene DDR-Kunst in XXL
05.01.2012 | 16:12 Uhr 2012-01-05T16:12:00+0100
Kamen. Die Kunstausstellung „BilderBühnen - Leinwandszenen aus dem Kunstarchiv Beeskow“, die am 2. Februar im Haus der Stadtgeschichte eröffnet wird, zeigt Werke ehemaliger DDR-Künstler. Darunter auch ein Frühwerk des Starmalers Neo Rauch.
Große Themen, große Gesten, große Formate, und ein großer Name ist auch dabei. Die Kunstausstellung „BilderBühnen“, die am 2. Februar im Haus der Stadtgeschichte eröffnet wird, zeigt Werke ehemaliger DDR-Künstler in XXL. Darunter auch ein Frühwerk des Starmalers Neo Rauch. Aber nicht nur das macht diese Ausstellung besonders. Die Werke gehören zum Bestand des Kunstarchivs der Kamener Partnerstadt Beeskow.
Dort landeten nach der Wende Gemälde und andere Kunstwerke aus dem Besitz von Parteien und Massenorganisationen der DDR. Oftmals handelte es sich dabei um Auftragsarbeiten, doch vor allem in den 1980er Jahren zeigte sich immer stärker die persönliche, auch kritische Haltung der Künstler in ihren Werken. 19 solcher Gemälde aus den Jahren 1978 bis 1988 werden im Februar in Kamen zu sehen sein. Mit teilweise drastischer Bildsprache verkünden diese „Leinwandszenen“ – so der Untertitel der Ausstellung“ – vom nahenden Untergang der DDR.
„Man spürt den Sprengstoff in diesen Bildern“, sagt Kuratorin Dr. Simone Tippach-Schneider. Auch wenn sich in der Endphase der DDR die Künstler immer weniger linientreu gaben, durften sie ihre oft kritischen Bilder zeigen. Das lässt sich auch in den Bildern der Ausstellung ablesen. „Dort sieht man oft das, was noch gerade so akzeptiert wurde“, sagt die Kuratorin. Ausgestellt werden die Werke von Künstlern mehrerer Generationen. „Wir zeigen Bilder von Studenten, aber auch ihren Lehrern“, sagt Dr. Tippach-Schneider. So sind auch Bilder von Schülern der Leipziger Schule Bernhard Heisigs zu sehen, zu denen auch Neo Rauch zählt.
Sieben Jahre lang hat die Kuratorin sich systematisch durch den Bestand des Beeskower Kunstarchivs gearbeitet und je nach Thema bereits verschiedene Ausstellungen organisiert. Was die Werke der kommenden Ausstellung „BilderBühnen“ gemeinsam haben, ist nicht nur ihre Entstehungszeit. Die großformatigen Gemälde zeigen oft dramatische Konflikte, aufgeladen mit der Symbolik christlicher Mythologie. Die großen Gesten der gemalten Figuren erinnern häufig an Theaterszenen. Nicht nur die Bedrohung der DDR spiegele sich in diesen Szenarien wider, sondern die der ganzen Welt – „besonders der Kriege, die damals in den 80ern im Gange waren“, sagt Simone Tippach-Schneider.
Um im Haus der Stadtgeschichte möglichst viele der großformatigen Gemälde zu zeigen, wird auf erklärende Tafeln verzichtet. „Eigentlich sprechen die Bilder auch für sich“, sagt die Kuratorin. Mitunter seien diese „richtig gruselig“. Wer zu den einzelnen Werken dann doch noch Genaueres wissen möchte, kann auf den begleitenden Ausstellungskatalog zurückgreifen.
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