Tote Hose auf dem Wochenmarkt
16.02.2010 | 17:55 Uhr 2010-02-16T17:55:00+0100
Kamen. Der lang anhaltende Winter trifft viele Markthändler in Kamen hart. Ihr Umsatz ist seit Jahresbeginn drama-tisch eingebrochen. Schnee und Eis verhageln das Geschäft nachhaltig.
Die überwiegende Mehrheit der Händler baut ihren Stand bei diesem Wetter aber gar nicht erst auf. Gestern kassierte Sven Niggemann als Vertreter des Marktmeisters gerade mal 18 Betriebe ab. 52 stehen in seiner Liste!
„Für manchen geht es um die nackte Existenz”, sagt Frank Deutschmann, Obst- und Gemüsehändler aus Bielefeld. Seine Familie ist seit 46 Jahren in Kamen vertreten. Er selbst beklagt einen Umsatzrückgang von 40 Prozent, bei gleichzeitig gestiegenen Heizkosten, Verlust an Ware durch Frostschäden und erhöhtem persönlichen Aufwand.
»Mit sinkenden
Temperaturen fällt
auch der Umsatz«
„Wenn wir in den Sommermonaten nicht regelmäßig etwas zurückgelegt hätten, würden wir nicht über den Winter kommen”, meint Ehefrau Sylke Deutschmann. „manch einer wird bestimmt noch Pleite machen”, ist sie sicher.
Ein paar Meter weiter, bei Blumen Umlauf, klingt es auch dramatisch: „Unser Umsatz ist bestimmt um 80 Prozent eingebrochen”, sagt Dagmar Risse. „Da wird es jetzt ganz eng. So schlimm habe ich es noch nie erlebt, und ich bin jetzt auch schon 40 Jahre dabei!” Weil es zudem keine große Nachfrage gebe, stiege auch der Preis. „Denn auch der Blumen-Großhandel verkauft ja nichts”, meint sie. „Die Züchter wollen trotzdem bezahlt werden.”
Familie Poth aus Nordbögge (Eier, Obst und Gemüse) kämpft sich ebenfalls tapfer durch den Winter. „Ein ausgeglichenes Konto? Vielleicht gibt es das mal wieder im Mai oder Juni”, sagt Christian Poth.
Derweil reibt sich Nicole Hilgert, Verkäuferin bei „Mecke's Pferde-Spezialitäten”, in ihrem Wagen die Hände. Allerdings nicht vom Geldzählen, sondern um die Finger zu wärmen. „Wenn das Thermometer unter Null Grad fällt, sinkt auch der Umsatz”, bestätigt sie.
„An manchen Tagen war es so kalt, dass die Ware in der Auslage festgefroren ist”, erzählt Elke Hedrich, Verkäuferin beim Geflügelstand von Monika Brand.
Mehrere Händler stellen vor allem fest, „dass unsere älteren Kunden ausbleiben.” Die Stadt räume auf dem Platz ja kaum noch den Schnee weg. „Einige ältere Damen und Herren habe ich schon stürzen sehen”, sagt Nicole Hilgert. „Ich hoffe jedenfalls, dass es bald wärmer wird, dann geht auch das Geschäft wieder besser”, so Andrea Jänisch.
Joachim Stock klagt zwar auch über einen Umsatzrückgang zwischen 20 und 30 Prozent, dafür aber hat er seinen dick vermummten Markthändlerkolleginnen und -kollegen eines voraus, und blickt schmunzelnd über seine Schulter. Dort drehen sich ganze Batterien von Hähnchen dampfend und duftend auf dem Grill: „Ich muss wenigstens nicht frieren!”
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