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Day of song

Technik-Panne konnte den Spaß nicht vermiesen

06.06.2010 | 16:17 Uhr
Technik-Panne konnte den Spaß nicht vermiesen

Kamen. Es sollte ein unvergesslicher Moment werden. Zusammen mit 52 Ruhrgebietstädten und Zehntausenden von Menschen wollten die Kamener Chöre um Punkt 12.10 Uhr am „Day of Song” das Steigerlied zur Kulturhauptstadt anstimmen. Bereits um 12.08 Uhr waren sie jedoch mutterseelenallein.

Die WDR-Leitung nach Gelsenkirchen, die für 600 Chöre den Startschuss geben sollte, brach um 12.08 Uhr rettungslos zusammen. So sangen die Kamener am Samstag um 12.20 Uhr ganz unter sich „Der Steiger kommt” - jedoch nicht weniger beeindruckend.

„Ladies Light” sangen

Ruhrgebiets-Hymne

Einzig Grönemeyers Hymne „Komm zur Ruhr” wollte niemandem so recht über die Lippen. „Das Lied ist viel zu schwer”, weiß Peter Blasey vom Fachbereich Kultur, der den Tag des Liedes - diesmal in Ruhrgebietsformat - schon im 16. Jahr organisiert. Denn in Kamen ist der gemeinsame Gesang „schon immer” eine feste Tradition. Angefangen hat es einst in der Konzertaula. Allen Schrumpfungsprozessen in der Chorlandschaft zum Trotz standen auch diesmal 13 Chöre auf der Bühne vor dem Koppelteich. In diesem Jahr ein Ereignis, das „so gut besucht war wie noch nie”, so Blasey.

Auch in Kamens Zügen hatte der Steiger um 12.10 Uhr „das helle Licht bei der Nacht schon angezünd't”, trug „das Leder vor dem Arsch” und soff Schnaps. Genauer gesagt zwischen Kurl und Methler. Dort stimmten die 17 Frauen vom Barber-Shop-Chor „Ladies Light” die Nationalhymne des Ruhrgebiets an. „Das Grönemeyer-Lied mussten wir vorher richtig üben, das ist gar nicht so leicht”, meint Kristin Neuber. Um 10.03 Uhr waren die Sängerinnen am Dortmunder Hauptbahnhof eingestiegen und über Duisburg nach Kamen gereist. Singend, versteht sich. Sieben Lieder hatten sie von Gospels über Elvis-Balladen bis Rock und Pop im Gepäck. „Wenn der Zug voll war, war die Resonanz prima”, resümierten sie. Eine Passagierin sang sogar enthusiastisch mit. „Wenn es leerer war, waren die Leute aber distanzierter.” Anders in Duisburg, wo sich der Bahnsteig spontan in eine Konzertbühne verwandelte.

8000 Sänger in der

Schalke-Arena

Mitsingen war auch nicht unbedingt die Sache der Kamener. Helmut Sohler und Karl-Heinz Eiler kommen schon seit Jahren zum Tag des Liedes, um einfach nur zuzuhören. „Chormusik ist viel schöner als Rock und Pop”, meinen sie. Für das Singen allerdings „muss man geboren sein”. Petra Trobitz hat es an den Koppelteich gezogen, weil sie sich für Ruhr 2010 zum Volunteer ausbilden ließ. „Ich hatte gehofft, hier etwas helfen zu können”, schildert sie. Mit Tochter Ida (2) wurde sie stattdessen zur begeisterten Zuschauerin – „weil wir zwei auch zuhause gern singen”. Schon zur Fußball-WM hatte sie das Engagement der Freiwilligen Helfer beeindruckt. Sie reizte dabei, etwas für die Kultur zu tun. Zumal sie besonders die Industriekultur fasziniert.

Zum ersten Mal standen die 18 Jugendlichen der ev. Jugendkantorei mit Gospel-Liedern auf der Koppelteich-Bühne. „Weil es schön ist, vor Publikum zu singen - und weil wir zeigen wollen, dass es auch Jüngere gibt, denen Singen Spaß macht”, so Leiterin Elke Kappen.

Einer hatte dagegen besonderen Stress. Franz-Leo Matzerath dirigierte gerade noch seine Erwachsenen auf der Bühne und musste kurz darauf nach Gelsenkirchen aufbrechen. Dort sang der Kinder- und Jugendchor auf dem Spielfeld der Schalke-Arena.

Katja Burgemeister

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