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Vahle-Technik:

Straßenbahn ohne Kabelgewirr

27.11.2008 | 20:44 Uhr
Straßenbahn ohne Kabelgewirr

Spektakuläre Projekte sind längst Markenzeichen von Vahle. Der Liftball im spanischen A Coruna ist jüngstes Beispiel einer langen Liste innovativer Projekte mit Kamener Beteiligung.

Das neueste Vahle-Produkt ist erst auf den zweiten Blick spektakulär: Vahle-Technik lässt Bombardier-Straßenbahnen ohne Oberleitungen dahin rollen.

Wie von Geisterhand gesteuert bewegen sich die von Bombardier gebauten Straßenbahnen, kein unattraktives Kabelgewirr trübt den Blick auf schöne alte Häuser in historischen Innenstädten, so beschreibt das Kamener Unternehmen die Neuentwicklung. Über einen unsichtbar im Boden verlaufenden Stromleiter werden die Straßenbahnen dank Vahle-Technik berührungslos mit Strom versorgt. Das Wetter, Schnee und überfrierende Nässe können dem System nichts anhaben. Auf einer Teststrecke des Unternehmens Bombardier in Bautzen ist all das schon erprobte Wirklichkeit.

Für Vahle sei die Neuentwicklung von hohem Interesse, betont Michael Pavlidis, technischer Geschäftsführer bei Vahle, gegenüber unserer Zeitung. Nicht für jede Straßenbahnstrecke, aber in bestimmten Segmenten, gebe es einen Markt. Argumente für das neue System könnten zum einen ästhetische Gründe sein, wenn das Oberleitungsgewirr an herausgehobenen Standorten stört. Auch bautechnische Gründe könnten für diese Lösung sprechen, zum Beispiel im Bereich besonderer Brückenkonstruktionen. „Ein interessantes neues Feld”, ist Pavlidis sicher.

Dabei hat das Kamener Unternehmen diese Energieübertragungstechnik in Zusammenarbeit mit der technischen Universität Braunschweig eigentlich für den Automobilbau entwickelt. In modernen Autofabriken fließen darüber Strom und Daten, während ein im Bau befindlicher Neuwagen die Montagestationen passiert. Straßenbahnen allerdings werden über ein weiter entwickeltes System mit deutlich höheren Energieleistungen versorgt. Eine berührungslose Energiezuleitung hat Vahle auch schon beim chinesischen Transrapid eingebaut.

Vahle will sich nun allerdings keineswegs allein auf diese berührungslose Technik konzentrieren. Man entwickle fortlaufend auch klassische Sparten weiter. Neuestes Beispiel ist der Liftball von A Coruna. Ein spektakulärer Schrägaufzug verbindet in der spanischen Stadt Strand und Freizeitanlagen. Hier lieferte Vahle zwar klassische Schleifkontakttechnik. Wegen der besonderen Umwelteinflüsse aber – der Liftbetrieb ruht in den Wintermonaten ganz – mussten besondere Materialien eingesetzt werden, um Oxidation zu vermeiden. Auf Aluminium und Edelstahl schwebt der „Liftball” in etwas mehr als drei Minuten 100 Meter empor und bietet dabei imposante Ausblicke.

Angesichts anderer Vahle-Highlights nehmen sich diese 100 Meter bescheiden aus. Das größte Riesenrad der Welt ragt in Singapur 165 Meter empor – natürlich bestückt mit Vahle-Technik. Das Kamener Unternehmen sieht sich nicht nur dank solcher Erfolge gut aufgestellt. 2007 war ein Jahr deutlicher Wachstumsraten, so die beiden Geschäftsführer Michal Pavlidis und Dirk Korn. 2008 sollte ein Jahr der Innovationen werden. Auch das scheint zu gelingen.

Klaus-Peter Wolter

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