Seit gestern rollt die Waren-Karawane
12.10.2009 | 22:00 Uhr 2009-10-12T22:00:00+0200
Kamen. Seit gestern Mittag wird im ehemaligen Hertie-Haus neue Ware eingeräumt. Im Minutentakt zieht ein Heer von Mitarbeitern die Paletten auf kleinen Hubwagen ins Gebäude.
In der Anlieferzone sitzt der Chef des künftigen Mieters, Joker Outlet, selbst auf dem Sitz eines Gabelstaplers, um die Ladung von den Trucks zu ziehen. Kaum ist einer dieser Lkw leer, fährt auch schon der nächste vor.
„1060 Paletten werden wir bis zur Eröffnung am Donnerstagmorgen auf die Verkaufsfläche bringen”, erzählt Marin in einer kurzen Verschnaufpause zwischen zwei Wagen-Ladungen. „35 Trucks werden wir bis dahin insgesamt entladen haben.”
Den Weg ins Haus bahnt sich die nicht enden wollende Schnäppchen-Karawane an Bergen von Schrott aus dem alten Hertie-Haus vorbei. „Ich hab mich erschrocken, als ich gesehen habe, was da einfach weg geworfen wird”, meint Marin. „Die Einrichtungsgegenstände, die da rumliegen, haben auch gebraucht bestimmt noch einen Wert von 250 000 Euro.”
Lange hält sich Marin aber nicht mit derlei Betrachtungen auf. Der Mann hat eigene Sorgen, denn der Zeitplan bis zur Eröffnung der eigenen Filiale ist eng. „Es ist mein erster Laden in NRW und weitere in anderen ehemaligen Hertie-Häusern werden folgen”, kündigt er an. Sein Mietvertrag in Kamen laufe zunächst bis zum 15. Januar. „Mal sehen, was danach passiert. Ich habe eine Option zur Verlängerung.”
Dass die Stadt Kamen ihn darauf aufmerksam gemacht hat, dass er noch keinen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt habe, lässt ihn kalt. „Wenn die mir den Laden zumachen, wird's richtig teuer”, meint er und weist darauf hin, „dass ich der falsche Ansprechpartner bin. Das ist letztlich Sache des Vermieters, also Dawnay Day. Ich habe einen rechtsgültigen Mietvertrag.”
»Funktionieren die
Sprinkleranlagen,
gibt es genügend
Feuerlöscher ?«
Jochen Baudrexl, 1. Beigeordneter der Stadt, hofft, dass sich Joker-Outlet bis zur Eröffnun noch bewegt: „Bei dieser Nutzungsänderung geht es nicht nur um einen formellen Akt. Die Menschen, die in diesem Laden einkaufen wollen, haben ein Anrecht darauf, dies unter bautechnisch geordneten Rahmenbedingugen zu tun.” Hier gehe es auch und gerade nach dem Auszug von Hertie um sicherheitstechnische Fragen, wie etwa diese: „Funktionieren die Sprinkleranlagen noch, sind genügend Feuerlöscher vorhanden, was sagt der Brandschutz?” Er habe die Hoffnung, dass „uns der künftige Nutzer nicht vor eine schwere Entscheidung stellt”.
Noch mag Marin nicht so recht daran glauben, dass man ihm von Seiten der Stadt ernsthaft Probleme bereitet: „Wie gesagt, für die Eröffnung ist alles bereitet. 400 000 Prospekt werden bis Donnerstag noch verteilt. Außerdem haben sich drei Fernsehsender angekündigt, die aus Kamen berichten wollen.”
Das einzige, was ihn richtig wundert, ist das eher schleppende Interesse für die Stellenangebote in seiner neuen Filile. „An anderen Standorten hatten wir da weniger Probleme. Gibts in Kamen keine Arbeitslosen?”, fragt er provokant. Man möchte ihm mit einer Gegenfrage antworten: „Ein Job, um nach drei Monaten wieder auf der Straße zu stehen?”
09:29
@Öfföff:
Binsenweisheit !!!
06:31
... und weil es nicht einfach ist, mit Hartz IV zu leben, ist jede Bewerbung eine Gute und Notwendige, da sie zumindest die Chance auf Arbeit bietet!
15:27
@ nurse:
Vielen Dank, Sie nehmen mir einen sehr lästigen, weil immer wieder notwendigen, Kommentar ab !
All denen, die glauben, Hartz IV wäre ach so bequem, sozusagen ein Persil-Schein für ein sorgenfreies Leben, würde ich diese Erfahrung mal gönnen - auch wenn man sowas eigentlich keinem wünschen sollte !
11:06
Wenn ich das hier schon von diesen Hartz4-Fachleuten lese, krieg ich einen Kotzreiz. Die wissen alles, kennen Statistiken wissen wer auf der Couch liegt usw. Fast euch mal selbst an die Nase der eine oder andere Schlaumeier müsste doch vielleicht wegen Dummheit auf der Arbeit zu eigentlich Hause bleiben.
09:25
Auch 3 Monate Arbeit und weg von Hartz4 machen gut im Lebenslauf.
Wahrscheinlich sind viele nur die Faulheit zu sehr gewöhnt.
08:58
wahrscheinlich ist ja das H4-geld höher unter
dem strich, und auf der couch ist es ja auch
schöner.
Meine Zustimmung!
08:15
wahrscheinlich ist ja das H4-geld höher unter
dem strich, und auf der couch ist es ja auch
schöner.
22:40
Um es etwas platt zu formulieren: Dieser Mann ist ein Schlauschwätzer. Kamen hat es nicht nötig, sich mit Menschen dieses Schlages einzulassen.
Mal eben für drei Monate vorbeikommen und dümmliche Sprüche absondern. Hoffentlich bleibt er auf seinem Ramsch sitzen und geht einfach wieder.
19:35
„Ein Job, um nach drei Monaten wieder auf der Straße zu stehen?”
Ganz genau !
Ramschläden hat diese Stadt schon zur Genüge kommen und gehen sehen. Die Hoffnung, dort einen längerfristigen und halbwegs lohnenswerten Arbeitsplatz bekommen zu können, hat in der jüngeren Vergangenheit scheinbar nicht genügend Nahrung erfahren.
Bis Januar dauert es ja nicht lang; man wird sehen, ob und in welcher Form der jetzige Mieter an dieser Adresse tätig sein wird.
Aber ein Mietvertrag von einem viertel Jahr Dauer ist nun wirklich nicht vertrauensfördernd, wenn man bedenkt, daß die meisten Jobs eine schon halbjährliche Probezeit beinhalten.