Schießen für Kinder ist strittig
14.08.2011 | 20:00 Uhr 2011-08-14T20:00:00+0200
Methler.Marvin Raphael kann es kaum erwarten. „Ich will auf jeden Fall Schütze werden“, ruft er begeistert. Seine Mutter zuckt derweil erschrocken bei jedem Schuss, der auf dem Schießstand der Schießgruppe des Schützenvereins Methler fällt, zusammen. „Ich verstehe das ja auch nicht“, meint sie fast verzweifelt. „Seit er auf einem Schützenfest die Uniformen gesehen hat, ist er hin und weg.“
Deshalb gab es auch kein Halten mehr, als der Elfjährige von den Schnuppertagen bei der Schießgruppe gehört hat. Zuhause hat Marvin Raphael ein Computerprogramm, mit dem er virtuell schießen kann. Richtig geschossen hat er aber noch nie. Ebenso wenig wie Lasse. „Ich habe das auf der Kirmes öfter gemacht – und das hat Spaß gemacht“, meint er. Seine Mutter war es, die ihn aufgrund dieser Begeisterung für die Schnuppertage angemeldet hat. Ein wenig verwundert ist der Elfjährige, dass er am Samstag zunächst keine Waffe zu sehen bekommt. Erst einmal geht es in die Turnhalle. „Vielleicht, damit wir die Konzentration üben“, mutmaßt Lasse.
Damit liegt er goldrichtig. An ein Seil muss er sich hängen, einen Ball zwischen die Beine klemmen, Schwung holen und den Ball in einen Kasten fallen lassen. An der nächsten Station bricht bei manchen der zehn Kinder und Jugendlichen Ratlosigkeit aus. Hier sollen Papierschwalben gebaut werden. Mancher muss sich die Falttechnik zeigen lassen. Dann gilt es, Matten mit Punkten zu treffen. Ringewerfen steht außerdem auf dem Programm. Ein Softball soll außerdem in einem Mini-Tor landen. Koordination, Konzentration, Motorik: Das sind die Grundfähigkeiten, die hier trainiert werden sollen.
Erst danach geht es zurück zum Schießstand. Auch hier wird nicht richtig geschossen. Mit Licht zielen die jungen Nachwuchsschützen auf eine Scatt-Zielscheibe. Zielweg und Punktestand werden digital angezeigt. Auch Niklas schaut kritisch nach jedem der fünf Übungsschüsse auf den Bildschirm. Sein Opa ist Schütze. Auf viele Schützenfeste hat der Elfjährige ihn begleitet. Am Schießstand auf der Kirmes „habe ich mein Talent entdeckt“, erzählt er selbstbewusst. Jetzt will er ebenfalls ein echter Schütze werden.
Es sind auch die kritischen Diskussionen nach jedem Amoklauf, nach jeder Katastrophe mit Waffen, die es dem Schützenverein schwer machen, Nachwuchs zu gewinnen. Dabei ist es für Michael Reifert, Sportwart der Schießgruppe, ein Sport mit Verantwortung. „Hier gelten ganz klare Regeln“, betont er. Außerdem müssen die Kinder und Jugendlichen am Schießstand „ruhig werden, Konzentration ist ebenso wichtig wie Koordination und Selbstdisziplin“, beschreibt er. Schnuppertage wie diese gab es schon einmal – allerdings im Rahmen der Kreisjugend. Um die aktuell 18 Jugendlichen ab elf Jahren in der Jugendgruppe zu verstärken, möchte der Schützenverein künftig gern regelmäßig in den Ferien Schnuppertage anbieten. Ein zweiter Schnuppertag findet am heutigen Montag statt.
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