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„Sachlichkeit statt Glaubenskrieg“

27.01.2011 | 16:19 Uhr
„Sachlichkeit statt Glaubenskrieg“
Neujahrsempfang der IGBCE in der Stadthalle Kamen: Michael Vassiliadis (Vorsitzender der IGBCE) hielt eine Ansprache.

Kamen.„Wir müssen über reale Probleme reden – nicht über Modelle“: Zum Plädoyer für Sachlichkeit und gegen Ideologie geriet am Donnerstag in der Stadthalle die Rede des IG BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis. Sein Wunsch: heraus zu kommen aus dem „Glaubenskriegsmodus“.

Der Gewerkschaftsbezirk Hamm hatte eingeladen zum Neujahrsempfang; der prominente Gast Vassiliadis machte gleich zu Beginn klar, wohin die rhetorische Reise führt: „Sehr, sehr optimistisch“ gehe man ins Jahr 2011, denn eben erst, in Zeiten der Krise, sei sichtbar geworden, „dass das System der Vernunft und der Verantwortung funktioniert“. Sicher, Lösungen ließen sich auch „im Extremen und Radikalen“ finden – bloß gehe das immer nur für eine gewisse Zeit gut. Geboten sei nachhaltiges Handeln. Das heiße auch, Ressourcen zu schonen, und zwar durch wachsende Kreativität, nicht durch schrumpfende Wirtschaft: „Wer mitmacht, kriegt auch was ab.“

Die in Deutschland praktizierte soziale Marktwirtschaft taugt laut Vassiliadis durchaus als Modell für eine globalisierte Welt. Was ihm zufolge stört, ist eigentlich bloß die Bundesregierung. Die betreibe „keine nennenswerte Innovationspolitik“, biete vielmehr Skurrilitäten – etwa die, dass Deutschland seinen Energiebedarf ab 2050 aus erneuerbaren Quellen decken soll, das letzte Atomkraftwerk aber schon 2035 vom Netz gehen solle und „Kohle“ gar nicht erst stattfinde. Vassiliadis warnt vor „illusorischen Sackgassen“.

Was die Gewerkschaftsarbeit betrifft, kann von Sackgasse anscheinend keine Rede sein: Der IG BCE-Bezirk Hamm, rund 15 000 Mitglieder in 19 Ortsgruppen zählend, hatte allein im vergangenen Jahr 368 Neuzugänge; vier von fünf Azubis unterschrieben den Aufnahmeantrag, berichtete Bezirksleiter Manfred Freitag. Der sprach von der Stilllegung des Bergwerks Ost als einem „schweren Schlag“ für die Region – „energiepolitisch falsch, arbeitsmarktpolitisch ein Desaster“. Nötig sei ein „spürbarer Strukturwandel“. Und: Die Nordwanderung des Bergbaus ins Donarfeld müsse vorankommen. Kamens stellvertretender Bürgermeister und Ex-Bergmann Manfred Wiedemann wiederholte die Forderung nach einem Sockelbergbau „auch über das Jahr 2018 hinaus“ – nicht zuletzt, um Risiken für die Energieversorgung zu verringern.

Andreas Milk

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