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Serie: Kamen 2010

Reimund Kasper geht in den (Un)Ruhestand

11.04.2010 | 16:36 Uhr
Reimund Kasper geht in den (Un)Ruhestand

Kamen. Reimund Kasper steht unter Strom. Nicht, weil er vor seinem anstehenden Ruhestand noch das ein oder andere abzuarbeiten hätte. Der Kulturbeauftragte steht immer unter Strom.

„Der letzte Tag wird ein strammer Arbeitstag werden”, prophezeit er deshalb schon jetzt. Kulturarbeit habe ja nichts mit bürokratischer Routine zu tun, erklärt Kasper, „man steckt ständig in Arbeitsprozessen”. Tatsächlich sieht Kaspers Büro im Rathaus weniger nach Verwaltung, sondern viel mehr nach Werkstatt aus. Auf dem großen Tisch in der Mitte türmen sich keine Aktenstapel, vielmehr bedecken Verträge, Mappen und Plakatentwürfe bunt verstreut fast die gesamte Arbeitsfläche.

Auch wenn sein Ruhestand vor der Tür steht – „für mich ändert sich nichts”, winkt Kasper ab, „nur mein Arbeitsplatz verlagert sich um ein paar Meter”. Genauer gesagt in die Hammer Straße, Heim und Atelier des Grafikers, Malers und Bildhauers. Aus seinem Atelier, dem Kunsthaus Kasper, wird im Herbst eine Kunstakademie. Um junge Talente will sich Kasper kümmern und holt sich dazu namhafte Dozenten mit ins Boot. So läuft das eben bei Reimund Kasper: wenn sich ein Projekt dem Ende naht, ist das nächste schon längst angelaufen.

Dass sich sein Projekt „Kulturarbeit für die Stadt Kamen” zu einem Dauerbrenner in seinem Leben entwickeln würde, hatte Kasper damals vor gut 30 Jahren allerdings nicht geplant. Eigentlich wollte er nach seinem Kunststudium als freier Grafiker arbeiten. Doch dann kam ihm der damalige Kamener Stadtdirektor Fritz Rethage „in die Quere”, drückte ihm eine Kiste mit Bildern in die Hand mit den Worten „machen Sie mal ein bisschen Kultur für Kamen”. Und das tat der junge Künstler dann auch. „Das hat ja auch Spaß gemacht, Neuland zu beackern”, erinnert sich Kasper, immer noch über Rethages Äußerung schmunzelnd.

Ein Förderer

junger Talente

Den Kamenern die Kunst nahezubringen, junge Künstler zu fördern, das war Kaspers Antrieb für die nächsten Jahrzehnte. Projekte wie die Rathaus-Galerie – mit rund 400 Ausstellungen längst eine Institution – Kunst und Musik, Offene Ateliers oder der Künstlertreff in der Weißen Straße wurden ebenso von Kaper ins Leben gerufen wie die Künstlergruppen Schieferturm und Reflex. Ideen aufgreifen und im Hintergrund die Fäden ziehen, so hatte er es am liebsten. Wenn die Sache ins Rollen kam, gab er auch gern die Verantwortung ab. So wird es dann auch am 30. Juni sein, Kaspers letztem Arbeitstag als städtischem Kulturbeauftragten.

Doch bevor er sich auf seine Kunstakademie stürzt, gönnt sich der Hobby-Gärtner wenigstens eine kleine Verschnaufpause. „Erst mal vernünftig ausschlafen und bis mittags frühstücken”, so stellt sich Kasper den 1. Juli vor. Danach geht es ins Grüne auf dem heimischen Grund. Dort plant der Asien-Fan einen japanischen Garten. 20 Bonsai-Bäume warten schon. Für ihn die beste Gelegenheit seine Zeit als „Kulturarbeiter” Revue passieren zu lassen und nachzudenken – wohl oder übel auch darüber, was aus der Kamener Kulturlandschaft werden könnte. Denn Kaspers Stelle wird nicht neu besetzt. „Ich akzeptiere das, aber gut finde ich die Entscheidung nicht”, lautet Kaspers Kommentar. Gerade heute sei Kulturarbeit lebenswichtig, um einer gesellschaftlichen Verrohung entgegenzuwirken, ist der 62-Jährige überzeugt. Eine Beschneidung sei da der falsche Weg. „Kunst und Kultur sind Lebensmittel”, erklärt Kasper entschieden, „und mit Lebensmitteln spielt man nicht.”

Carmen Radeck

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