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"Polizei sah bei rechter Randale in Kamen tatenlos zu"

16.03.2010 | 11:51 Uhr

Kamen. Der antifaschistische Zusammenschluss im Kreis Unna erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Die habe den Hinweis auf einen rechtsradikalen Übergriff auf Kamens GAL-Zentrum am Sonntag unterschätzt. Die Kreispolizei tritt dieser Kritik nachdrücklich entgegen.

Laut Polizei habe es am Sonntag gegen 14 Uhr einen anonymen und „diffusen” Hinweis gegeben. Dem Staatsschutz in Dortmund hätten keinerlei konkrete Erkenntnisse dazu vorgelegen. Gleichwohl habe man in Erfahrung gebracht, dass zehn, dem rechten Spektrum zuzuordnende Personen mit dem Bus aus Unna Richtung Kamen Markt unterwegs seien. „Die haben wir mit einem Streifenwagen begleitet und unter Kontrolle gehabt”, so Martin Volkmer, Pressesprecher der Kreispolizei. Der weist die Kritik des antifaschistischen Zusammenschlusses aus dem Kreis Unna (Antifa UNited), die Polizei habe bei der rechten Randale nur zugeschaut, zurück. „Wir sehen das nicht so.”

Vom Markt aus hätten diese Personen sich auf den Weg zum GAL-Zentrum gemacht. Die Gruppe sei bis dorthin rasch auf 35 Leute angewachsen. Mit lautstarken Parolen, so Volkmer, hätten die Rechtsradikalen die Teilnehmer einer Informationsveranstaltung der Antifa provoziert. Daraufhin hätten die Anwesenden im GAL-Zentrum begonnen, mit Flaschen und Steinen zu werfen, ehe die rechten Randalierer ebenfalls zu Steinen und Flaschen gegriffen hätten.

Dienstunfähig

„Beim Versuch zu schlichten, ist ein Beamter von einem der Leute im GAL-Zentrum getroffen worden”, so Volkmer. Der Kollege sei danach dienstunfähig gewesen, habe aber nicht ins Krankenhaus gemusst. Volkmer bestätigt, dass zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nur ein Streifenwagen in der Güldentröge vor Ort war. Andere Streifenwagen seien kurzfristig zum Bahnhof umdirigiert worden, weil sich dort fünf mit dem Zug angereiste Rechte aus Hamm der Personalienfeststellung hätten entziehen wollen.

Dass die Gruppe der Rechten nicht vor Ort in der Güldentröge von der Polizei festgesetzt worden sei, sei im Nachhinein unter Deeskalationsgesichtspunkten die richtige Taktik gewesen, meint Volkmer. So sei man wenig später am Bahnhof unter Hinzuziehung weiterer Polizeikräfte „schnell und konsequent” in der Lage gewesen, die Gruppe der Rechten geschlossen zu isolieren und entsprechende polizeiliche Ermittlungen einzuleiten. Ein Großteil der rechten Aktivisten aus Dortmund, Kamen, Unna, Krefeld und Menden sei „einschlägig bekannt und dem rechten Spektrum zuzuordnen”, sagte Volkmer. Am Ende des Tages habe das Vorgehen der Polizei, zu 35 Strafanzeigen wegen schweren Landfriedensbruches geführt.

Gegenmeinung der Antifa UNited

Antifa UNited, der Zusammenschluss antifaschistischer Gruppen im Kreis Unna, sieht die Vorkommnisse in der Güldentröge anders. Die Polizei sei bereits am frühen Nachmittag über eine Aktion der Neonazis informiert gewesen. Trotzdem sei es der Polizei nicht gelungen, „bei Erscheinen der Neonazis ausreichend Kräfte zusammenzuziehen, um die Veranstaltung zu schützen.

Neonazis randalierten in Kamen in der Güldentröge vor dem GAL - Zentrum. Anschließend wurden sie von der Polizei am Bahnhof festgesetzt. (Foto: Ulrich Bonke)

„Die anwesenden Polizisten griffen nicht ein, sondern beschränkten sich darauf, den Gewaltausbruch der Neonazis zu beobachten.” Tina Strobel, Pressesprecherin der Antifa UNited fügte hinzu: „Es ist ein Skandal, dass die Polizei trotz Vorwarnung nicht in der Lage war, eine Informationsveranstaltung über Neonazis zu schützen. Genauso skandalös ist es, dass die anwesenden Streifenpolizisten tatenlos zusahen, wie die Neonazis mehrfach versuchten, in den Hof zu stürmen.“

»Parteibüros sind dem besonderen Schutz zu empfehlen«

Bürgermeister Hermann Hupe dankte der Polizei vor allem für das Ende der Aktion, die zu 35 Anzeigen führte. „Gleichwohl empfinde ich diesen Aufmarsch von über 30 gewaltbereiten Rechtsradikaen in Kamen als bedrückend. Unser Sicherungswunsch für die Zukunft ist, dass abgesehen von der Örtlichkeit in der Güldentröge auch alle anderen Parteibüros dem besonderen Schutz durch die Polizei empfohlen sein müssen.”

Er werde darüber auch mit Landrat Michael Makiolla als Chef der Kreispolizeibehörde Unna intensive Gespräche führen.

Uli Thormählen und Ulrich Bonke (Fotos)

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