Petra Reski rüttelt auf: Mafia auch bei uns
24.09.2008 | 18:15 Uhr 2008-09-24T18:15:13+0200Kamen. Es sind die Frauen in den Mafia-Familien, die deren Werte an die Kinder weitergeben. Und die katholische Kirche stützt das System, in dem sie es zumindest hinnimmt. ...
... Klare Thesen vertrat Petra Reski, in Kamen geborene Journalistin und Buchautorin, am Dienstagabend in der Stadtbibliothek. Man merkt Petra Reski an, wie sehr sie das Thema beschäftigt. Die Mafia mache nicht am Brenner halt, rüttelt sie die rund 100 überwiegend weiblichen Lesungsbesucher auf - Rekordkulisse in der Stadtbücherei. Mafia-Geld werde investiert in Hotels, Pizzerien und Landhäuser in Thüringen ebenso wie in Bochum und Duisburg. Nicht nur wenn in Duisburg gemordet werde sondern auch, wenn Mafia-Investitionen Wettbewerb verzerren und EU-Mittel aus deutschen Quellen in Mafia-Taschen landen, dann sei man auch hier direkt betroffen.
Bevor sich Petra Reski der Diskussion stellte, las sie aus ihrem neuen Buch vor. Dass sie hier auf Einladung der Bücherei und der Buchhandlung am Markt ein Heimspiel gab, verhehlte sie nicht. Mit 19 war sie nach dem am Gymnasium bestandenen Abi mit dem damaligen Freund nach Corleone gefahren, auf den Spuren des Films "Der Pate". Später unternahm sie viele Reisen in Hochburgen der Mafia, traf und interviewte Bosse oder Angehörige, Priester oder Anwälte. Viele journalistische Reportagen entstanden so und nun das Buch.
Nicht so sehr die Morde oder die Mafia-Profite bei Kokain- und Waffenhandel, Entführungen oder im Müllgeschäft macht die Autorin in ihrem Buch zum Thema. Ihr geht es darum, das System zu charakterisieren, die Rolle der Frau in der Mafia-Welt, die Haltung von Priestern. Dass sie die Politik in Italien für in breitem Umfang korrupt hält, dass Berlusconi Kontakt zur Mafia habe, verschweigt sie nicht. Auch nicht, dass liberalere Gesetze und Abhörpraxis Deutschland für die Mafia zum lohnenden Ort für Investitionen gemacht habe.
Der Mut der Autorin beeindruckt die Zuhörer. Beifall brandet mehrfach auf - für Erzählkunst und klare Worte. Viele Besucher im Dachgeschoss der Stadtbücherei haben offenkundig ihr Buch gelesen und andere Texte über die verschiedenen Spielarten der Mafia. Man glaubt Petra Reski, dass sie auf der gerade gestarteten Lesereise nicht nur ihr Buch vorstellen will. Sie plädiert für klare Maßnahmen. Mafia-Gegner in Italien brauchten Druck der EU, um nicht auf verlorenem Posten zu bleiben.
Auf der Frankfurter Buchmesse und in vielen anderen Städten wird sie dafür noch werben. Wann sie ein neues Buch wieder in ihrer Heimatstadt vorstellen kann, dafür gibt es noch keine Zeitpläne. Die Einladung dazu aber nahm sie bereits mit.
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