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Peter Finke macht Blitzkarriere

26.05.2009 | 17:28 Uhr

Bis vor kurzem führte Peter Finke noch ein eher beschauliches Leben als Rentner. Hatte viel Zeit für die Familie, ging Mal zum Tauchen oder fuhr einfach nur Rad. Vorbei!

Denn seit der 59-jährige Kamener mit seinem Freund Nikolas Müller beschloss, politisch aktiv zu werden, hat sich sein Tagesablauf grundlegend geändert.

In Windeseile hat das Duo eine Polit-Karriere hingelegt, die in Kamen wohl ohne Beispiel ist. Beide schlossen sich im Januar der Rentner-Partei-Deutschland an, für die Nordrhein-Westfalen da noch ein weißer Fleck auf der Landkarte war – bis Finke und Müller kamen.

Sie gründeten bei „Kümper's” im Februar mit zehn Mitgliedern gleich den Landesverband NRW. Finke wurde Vorsitzender, Müller Geschäftsführer. Seitdem ist nichts mehr wie es vorher war. Meint jedenfalls auch Finkes Frau Karin. „Wir könnten so ein schönes Leben haben, aber nun klingelt permanent das Telefon und du bist kaum noch da, klagt sie oft”, erzählt Finke.

Aus dem Stand heraus organisierten Finke und Müller Unterschriftenaktionen, um die erforderliche Zahl für die Zulassung zur Europawahl zu schaffen. „4000 Stimmen brauchten wir dafür. Bei 4100 haben wir aufgehört”, erzählt der 59-Jährige und fügt stolz hinzu: „1500 kamen allein aus unserem Landesverband.” Eine Zahl, die offenbar Eindruck machte. Denn bei der Aufstellung der Kandidaten für die Europawahl, landete Finke auf Platz vier der Liste seiner Partei. Rasant entwickeln sich seitdem auch die Mitgliederzahlen: „Inzwischen sind es schon 50 Personen, die unserem Landesverband angehören. Darunter auch ein 17-Jähriger, der seinen Opa unterstützen will”, sagt Finke. Schließlich wolle er eines Tages auch noch eine auskömmliche Rente bekommen, habe der Jugendliche betont.

„Bis vor 14 Tagen habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht, dass ich je nach Wahlausgang nun sogar im Europaparlament sitzen könnte. Und erst recht habe ich mich nicht damit beschäftigt, dass man als EU-Parlamantarier ja auch ordentlich verdient.” Finke wäre der erste Kamener überhaupt, der in Straßburg Sitz und Stimme hätte. „Eigentlich geht es mir nur darum, etwas zu bewegen in diesem Land. Etwas für Rentner und gegen soziale Ungerechtigkeit zu tun. Brüssel ist weit weg. Mehr könnten wir da schon bewegen, wenn wir im Landtag vertreten wären. Das ist unser eigentliches Ziel”, gibt Finke zu. Dennoch engagiert er sich mit ganzer Kraft auch für die EU- und die bevorstehende Bundestagswahl. „Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Partei die Finanzmittel aus der Wahlkampf-Rückerstattung gut brauchen kann. Da zählt jede Stimme.” Bisher, so versichert Finke, finanziere er sein politisches Engagement ganz allein. „Einige hundert Euro sind es wohl inzwischen.” Vor allem aber investiert Finke viel Zeit. „Dreimal pro Woche sind wir jeweils von morgens um Acht bis nachmittags um Drei mit Infoständen im Land unterwegs. Und abends sitze ich noch einmal drei Stunden am PC.”

Dass seine Partei auf dem Stimmzettel für die Europawahl ganz unten an 31. und damit letzter Stelle steht, ist für den Kamener Politik-Neuling überhaupt kein Problem. Getreu des Bibelwortes, wonach die Letzten die Ersten sein werden, gibt er potenziellen Wählern an seinen Infoständen folgenden Tipp mit auf den Weg: „Den Stimmzettel einfach auf den Kopf stellen und das Kreuz ganz oben machen....”

Uli Thormählen

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