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Literatur

Packende Reise von Kamen zu den Mafiosi

13.09.2010 | 16:05 Uhr
Packende Reise von Kamen zu den Mafiosi
Im Rahmen des Schuljubiläums waren die Ex-Schüler und Autoren Dietrich Schulze-Marmeling und Petra Reski zu Gast in der Aula

Kamen.Wie kommt eine Kamenerin dazu, international gefragte Expertin in Sachen Mafia zu werden? Die Antwort liefern zwei Autofahrten und ein Buch. Die Fahrten und das neue Buch von Petra Reski führen sämtlich von Kamen nach Corleone.

Wie steht es um die Mafia in Deutschland? Eine Mafiosi-Expertin aus Kamen beleuchtet dieses spannende Thema. Das Buch „Von Kamen nach Corleone“ der Journalistin und Autorin Petra Reski findet stilistisch wieder stärker zurück zu ihren früheren Büchern, die Lesern jeweils viel Persönliches und immer auch ein Stück ihres Geburtsortes Kamen präsentierten. Das Thema aber ist das des Vorgängers, der ihr viel Aufmerksamkeit, einigen Rechtsstreit und deutsche wie italienische Preise eingebracht hat. Es geht wieder um die Mafia.

Den Brückenschlag von Kamen nach Corleone versucht die Kamener Autorin Petra Reski mit ihrem neuen Buch, das am 16. September erscheint.

Zunächst aber glänzt Petra Reski als unterhaltsame Erzählerin und genau beobachtende Journalistin mit einem Buchauftakt, der natürlich in Kamen ansetzt – soweit ist der Titel Programm. Einer ersten Sizilien-Fahrt mit einem Renault 4 nach dem Abitur lässt Reski eine zweite folgen, in einem anderen Auto und in einer anderen Zeit. Die Zeit- und Ortswechsel sind eine der packenden Seiten des Buches, wie auch die Kunst, dort hinein Detailkenntnisse aus Geschichte und Gegenwart der Mafia zu verweben.

Die Mutter und der vor wenigen Tagen verstorbene Onkel, dem Petra Reski das Buch gewidmet hat, winken ihr nach beim Start zu einer angeblichen Autotestfahrt. Tatsächlich führt die Fahrt von Kamen nach Corleone - und damit an Schwerte vorbei. Und während Petra Reski im Stau steht, erinnert sie ihre Leser daran, dass dort an einer Schule der Sohn eines Mafiosos unterrichtete – und beileibe nicht der eines beliebigen Mafiosos. Er ist der Sohn eines der Bosse aus Corleone. Und schon liest man sich mitten hinein in die Welt des Drogen- und Menschenhandels, der Schutzgelderpressung und der Familienclans, deren Strukturen Petra Reski ebenso kenntnisreich wie fesselnd aufdeckt.

Auf den Spuren der Morde in Duisburg

Jene zweite Fahrt nach Corleone führt keineswegs direkt dort hin. Eine Station ist der Tatort der Mafia-Morde in Duisburg 2007, ein Besuch gilt einem in Gevelsberg lebenden italienischen Pfarrer. Das Buch, nicht die Autofahrt, führt zwischendurch auch nach Erfurt, wo Reski bei einer Lesung aus dem vorangegangenen Mafia-Buch massiv bedroht wurde. Und immer wieder geht Petra Reski an solchen Orten italienisch essen. Nicht weil die inzwischen in Venedig lebende Autorin die italienische Küche in Deutschland so schätzen würde. Sie will aufzeigen, wie viele Pizzerien und größere Unternehmungen bei uns in Mafia-Hand sind oder dessen verdächtigt werden. In Erfurt allein seien es elf Restaurants, die laut eines BKA-Berichtes ein einziger Mafia-Clan führe. Auch Dortmund nennt Petra Reski mehrfach als Standort von Mafia-Aktivitäten.

Die Autofahrt führt weiter, nach Köln und Stuttgart, München und Kempten. Natürlich liegen Venedig, Mailand, Rom und Neapel an der Route nach Palermo und Corleone. Spannende Gesprächspartner findet Reski an all diesen Orten. Von der 90-jährigen Baroness, die ihre Villa trotz der sie umgebenden schwarz gebauten Betonsilos nicht aufgibt, bis zum Orangenbauern, der seine Ernte unter Polizeischutz einfährt.

Zwischendurch fällt der Blick immer wieder zurück nach Deutschland und zu ihrer Familie in Kamen, die ihr die Testfahrt sowieso nicht geglaubt hat. Das Buch zeigt ebenso erschreckend wie fesselnd und deutlicher noch als der Vorgänger: Die Mafia ist längt bei uns angekommen. Und es setzt nebenbei Petra Reskis Heimatstadt ein weiteres literarisches Denkmal.

Klaus-Peter Wolter

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Kommentare
15.09.2010
17:02
Packende Reise von Kamen zu den Mafiosi
von Angelika Diehl | #1

Da hat Frau Reski aber Glück,dass sie nicht Mitglied der SPD/Grünen ist, sonst wäre der nächte Parteiausschuss fällig ! So etwas passiert doch nicht in Deutschland, geschweige denn in Dortmund ?

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