Niemand stellt mehr sein Bierglas auf die Skulptur
14.09.2008 | 12:08 Uhr 2008-09-14T12:08:00+0200„Es sind vielleicht nicht so viele Besucher wie in den vergangenen Jahren. Aber die, die kommen, interessieren sich auch wirklich für unsere Werke”, sagt Thomas Hugo.
Der Künstler aus Düsseldorf stellt schon seit 1990 in der Künstlergasse aus. Dass diese diesmal unabhängig vom Altstadtfest einlädt, sieht er wie viele andere positiv. Mit dem Handy verständigt er sogar noch ein paar Bekannte aus Düsseldorf und überzeugt sie zu kommen. Die Zahl der Künstler steigt am Sonntag noch um vier weitere. Für Hugo ist die Weiße Straße ein Fixpunkt des Jahres. „Darauf arbeite ich hin und hier hole ich mir Inspiration.” Der Austausch mit den Kollegen sei ihm besonders wichtig. „Es ist eine tolle Gruppe. Interessant ist auch, dass immer neue dazu kommen.” Ein „Neuer” ist Stefan Nalang, ein junger Künstler aus Kamen. Die letzten Monate hatten für ihn einiges parat: Er wurde Dritter beim Skulpturenwettbewerb der Stadt, bestand die Aufnahmenprüfung der FH Dortmund für den Studiengang „Design” und kann nun einen Teil seiner Werke in der Künstlergasse präsentieren. „Das ist wirklich toll, ich freue mich über die Reaktion der Besucher.” Viele bleiben stehen, beschauen sich die Zeichnungen, die hauptsächlich Motive aus der Werkstatt seines Vaters wiedergeben. So zeigt eine Zeichnung den VW Käfer seines Bruders, der offenbar dringend einer Restauration bedarf. „Das ist ein Jahr alt, seitdem hat sich nicht viel geändert”, erzählt der angehende Student schmunzelnd. Karin Seim arbeitet mit Specksteinen. „Mich faszinieren die unterschiedlichen Farben und Formen des Steines”, erklärt sie und hält einen Exemplar hoch, das sich von grau über grün bis leicht golden färbt. Ihre Skulpturen entstehen zufällig. „Ich beginne zu arbeiten, dann ergibt sich eine Figur.” Bei dem Stein, den sie aktuell bearbeitet, ist das Relief eines kleinen Menschen zu erkennen. Vorsichtig zieht sie mit einem Werkzeug, das einem Schraubenzieher ähnelt, Linien nach. Karin Seim hat im Rahmen einer Therapie mit den Specksteinarbeiten begonnen. Seitdem hat sie die Leidenschaft gepackt, seit mehreren Jahren stellt sie nun auch schon beim Künstler-treff aus. „Schade, dass es vom Altstadtfest abgetrennt ist. Da war mehr los. Ich hab mich immer gerne mit allen Leuten unterhalten”, findet sie. Das sieht ihr Nachbar Peter Weisemann ein wenig anders: „Jetzt kommen die, die sich wirklich für Kunst interessieren. Niemand stellt Bier auf meinen Skulpturen ab.” Reimund Kasper vom Fachbereich Kultur zieht eine insgesamt positive Bilanz: „Es war ein gewagter Schritt. Aber es kommt gut an.” Bei den Altstadtfesten hab ihn immer gestört, dass der Erfolg nur in Hektolitern gemessen wurde. Am späten Samstagnachmittag allerdings verebbt der Andrang, mit den Sonnenstrahlen gehen auch die Besucher. Da haben es die Musiker auf der kleinen Bühne, wie der Liedermacher Dirk Lorengel, ein wenig schwer. Zudem sie auch „Konkurrenz” haben: Einige der Aussteller spielen selbst Gitarre und begleiten das vorbeiziehende Publikum mit Musik, wie der Hammer Künstler Ralf Grimm. Auch um den Stand von Michael Bierhoff drängen sich nicht mehr so viele Besucher. Dabei können sie hier verfolgen, wie eine täuschend echte Kopie eines Bildes angefertigt wird. Er verteilt weiße Farbe auf einer Leinwand, mit einem Spachtel, zieht er Formen, die haargenau eine Vorlage wiedergeben, auf der von Zeit zu Zeit schielt. Auch die hat er selbst geschaffen. „Das war der kreative Teil, das jetzt ist mehr Handwerk”, führt der Kamener aus. Je nachdem wie beliebt die Motive sind, fertigt er sie in Auflagen bis zu tausend Stück. Dann benötigt er allerdings externe Hilfe. Zum Verschönern des Wohnzimmers bietet der Lions-Club Kamen-Westfalen am Sonntagmorgen eine besondere Gelegenheit: Die Mitglieder haben Bilder aus Privatbesitz gesammelt. Die Bandbreite reicht von Nachdrucken bekannter Werke über Art-Deco bis zu Bilder lokaler Künstler: Eine Tusche-Zeichnung zeigt die Margareten-Kirche. Die Einnahmen kommen dem Projekt „Kunst hautnah” für Schüler zu Gute.
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