Nicht nur Glanz für Einzelne
12.01.2010 | 18:48 Uhr 2010-01-12T18:48:00+0100
Kamen/Bergkamen/Bönen. Beeindruckt vom Start der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 zeigen sich die drei Kulturhauptstadtbeauftragten in Bergkamen, Kamen und Bönen. Von diesem Auftakt nehmen sie viel Motivation mit für die im März beginnenden lokalen Ruhrhauptstadt-Events.
„Anrührend und doch professionell gemacht – ein einmaliges Kulturfest”, begeistert sich im Rückblick Simone Schmidt-Apel. Die Bergkamener Kulturhauptstadtverantwortliche ist überzeugt, dass sich das große Interesse nicht nur von üblichen Kulturinteressenten auch auf die Fülle der geplanten lokalen Veranstaltungen in Bergkamen, Kamen und Bönen übertragen lassen wird. Auch der Kamener Kulturfachbereichsleiter Christian Frieling hofft nach diesem Start und erstem positiven lokalen Echo auf entsprechenden Erfolg der hiesigen Events. Speziell um die geht es Edelgard Blümel, die in Bönen für das Programm verantwortlich zeichnet: „Wir wollen Kulturhauptstadt in Bönen feiern.” Alle drei verrieten im gemeinsamen Redaktionsgespräch gestern, dass sie selbst gespannt seien auf das, was Ruhr.2010 bringen wird.
Rund 100 000 Euro oder auch etwas mehr wird die Kulturhauptstadt jede der drei Kommunen kosten. Die Landesförderung von 2 Euro pro Einwohner wird nicht zur Finanzierung ausreichen. Kamen rechnet mit rund 15 000 Euro zusätzlichen Ausgaben, Bergkamen wird ein halbe Stelle zur Steuerung der Projekte aus städtischen Mitteln finanzieren, in Bönen rechnet Edelgard Blümel mit mehr als 50 000 Euro, die die Gemeinde selbst aufbringen muss.
Gerade für die kleinste der drei Mittelkreiskommunen bedeute die Kulturhauptstadt eine Herausforderung. Ohne zusätzliche Personalkapazitäten sei das schwer zu stemmen.
Einig ist man sich, dass die „Local Heroes”-Wochen besonderen Stellenwert haben. Je eine Woche lang wird jede der drei Kommunen zeigen, was sie kulturell zu bieten hat. Nicht nur in Kamen steht das gemeinsame Sesekeprojekt „Über Wasser gehen” wegen des gemeinsamen Ansatzes und der kulturellen Aufarbeitung von Strukturwandel im Mittelpunkt. In Bergkamen und Bönen wird ein weiterer Schwerpunkt bei der Lichtkunst-Biennale gesetzt, die dort in privaten Wohnräumen erlebbar wird. „Dazu kann ich mir auch Besucher aus New York vorstellen”, so Schmidt-Apel. Daneben binden die Kommunen ihre Partnerstädte ein und belegen so den Anspruch von Ruhr.2010, europäische Kulturhauptstadt zu sein. Ein Highlight soll die Schachtzeichen-Aktion werden. Zwei Ballons sollen über Zechenbrachen in Kamen, einer in Bönen und bis zu vier in Bergkamen aufsteigen.
Kooperation schreiben alle drei groß. „Es geht nicht darum, dass jede Stadt für sich alleine glänzt”, so Schmidt-Apel. Christian Frieling ist überzeugt, dass neue Ansätze der kulturellen Zusammenarbeit gerade angesichts der finanziell schwierigen Zukunft eine besondere Chance schaffen. „Wir werden darüber noch sehr froh sein”, orakelt er.
Simone Schmidt-Apel ist überzeugt, dass Kritiker irren, die in der Kulturhauptstadt ein letztes Aufbäumen sehen, bevor die Kulturlandschaft in der Region mangels öffentlicher Finanzen zusammenbricht. Von der Kulturhauptstadt werde mehr bleiben als die auf Dauer angelegten Kunstobjekte an der Seseke – im Idealfall ein neues, breiteres Interesse an Kultur.
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