Mutter und Tochter vereint
23.07.2010 | 14:13 Uhr 2010-07-23T14:13:00+0200
Kamen. Wenn Stefanie Köhler (23) am kommenden Wochenende mit ihrer Tochter Jennifer (9) nach Kamen zurückkehrt, ist das das glückliche Ende einer äußerst ungewöhnlichen und komplizierten Familienzusammenführung von Mutter und Tochter. Gleichzeitig allerdings ist es auch der Beginn einer neuen Geschichte mit vorhersehbaren Problemen und vielen Unwägbarkeiten.
Acht Jahre lebte Stefanie Köhler (23) getrennt von ihrer Tochter, die in Haiti aufwuchs. Stefanie war 14 Jahre alt, als ihr Vater, ein Kamener, die Ausreise seiner haitianischen Frau und der drei gemeinsamen Kinder im Jahr 2002 organisierte. Aus Furcht vor ihrem Vater habe sie damals die Geburt ihres Babys verschwiegen, sagt Stefanie. Sie habe Jennifer deshalb bei einer Tante in Haiti zurückgelassen.
Ämtermarathon und DNA-Analyse
Jahre später bei einer gemeinsamen Urlaubsreise nach Haiti mit ihrer Freundin Sarah Höhn aus Kamen sah Stefanie ihre Tochter endlich wieder und lüftete nach ihrer Rückkehr das lange gehütete Geheimnis. Nach dem schweren Erdbeben in Haiti wurde ihr Wunsch, das Kind nach Deutschland zu holen, noch stärker.
Und Stefanie fand bei ihren Bemühungen viel Unterstützung. Der Fernsehsender RTL nahm sich der Sache medienwirksam an, aber auch in Kamen fanden sich viele Helfer. Dazu gehörte damals auch noch Olaf Hoppe von der
Gaststätte „Zum Turm”, bei dem Stefanie als Küchenhilfe auf 400 Euro-Basis jobbte. Bei einem Spendentag am 7. Februar dieses Jahres kamen in der Gaststätte rund 500 Euro für Stefanie Köhler und ihre Tochter zusammen. Mit diesem Geld und mit Hilfe von RTL, sollte Stefanie ihre Tochter aus Haiti zurückholen.
Einfacher gesagt als getan: Beim Erdbeben auf Haiti war die Geburtsurkunde ihrer Tochter vernichtet worden. Ohne Urkunde kein Ausreisevisum. Überdies musste die Sorgerechtsfrage geklärt werden. Zudem musste die DNA-Analyse einer Speichelprobe von Jennifer eindeutig das Verwandtschaftsverhältnis klären, weil Stefanie fürchtete, dass ihre haitianische Tante die Tochter nicht hergeben würde. Für sie war Jennifer wegen der Unterstützungszahlungen aus Deutschland eine wichtige Einnahmequelle geworden.
Wiederbeschäftigung
nicht vorgesehen
Seit dem 19. Mai ist Stefanie Köhler in Haiti und in der Dominikanischen Republik. Endlich scheinen alle Formalitäten geklärt. RTL will nach Angaben von Monika Höhn, der Mutter von Stefanies Freundin Sarah, noch in der kommenden Woche Plätze im Flieger buchen.
Monika Höhn ist inzwischen auch diejenige, die in Kamen nach Kräften versucht, Stefanie und Jennifer beim Start in ein neues Leben zu helfen. Denn Olaf Hoppe hat längst keinen Kontakt mehr zu seiner früheren Angestellten. „Wir haben uns Anfang Mai im beidseitigen Einvernehmen getrennt“, erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Es sei ja absehbar gewesen, dass Stefanie wegen der Rückholaktion wochenlang ausfalle. „Eine Wiederbeschäftigung wird es keinesfalls geben“, fügte er hinzu, „weil hier inzwischen andere arbeiten, die ich ja nicht einfach so wieder entlassen kann.“ Stefanie und ihre Tochter könnten sich aber die abgegebenen Kleiderspenden und das Restgeld selbstverständlich noch abholen.
Nach der Rückkehr von Stefanie gilt es zahlreiche Probleme zu lösen. „Zwar hat sie nach wie vor noch ihre Wohnung in der Derner Straße, doch sie ist dort mit mindestens zwei Monatsmieten im Rückstand“, sagt Monika Höhn. Da sie außerdem mehr als 21 Tage seit dem 19. Mai abwesend gewesen sei, habe die ARGE jegliche Zahlungen eingestellt. Außerdem gebe es deshalb auch kein Wohngeld mehr. Stefanies Vater, der ebenfalls noch in Kamen wohnt und Hartz IV-Empfänger sei, habe signalisiert, dass er finanziell nicht helfen könne.
Mutter und Tochter
fangen bei Null an
So unterstützt Familie Höhn Stefanie Köhler so gut es geht. „Aus reiner Menschlichkeit“, wie Monika Höhn betont. „Ob wir das Geld jemals wiedersehen, ist fragglich.“ Wie es weitergehen soll, weiß Monika Höhn nicht: Stefanie hat keinen Job, ihre Tochter spricht kein deutsch, die Miete für die Wohnung ist zu bezahlen, Unterstützung von der ARGE zu beantragen. Kein leichter Start in eine gemeinsame Zukunft. „Aber zunächst einmal werden wir das Wiedersehen bei uns feiern“, sagt Monika Höhn. „Danach sehen wir weiter...“
18:11
Denke die haben auch allen Grund zu feiern.
Eine Familien zusammen Führung ist doch ein
guter Grund zum feiern oder?
16:46
Dann feiert mal erst richtig denn das geht ja vor.
Danach hilft ja die Stadt.