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Hilfe für Haiti

Menschen öffnen Herz und Geldbeutel für die Erdbebenopfer

24.01.2010 | 17:42 Uhr
Menschen öffnen Herz und Geldbeutel für die Erdbebenopfer

Kamen. Franziska und Theresa könnten jetzt mit ihren Freundinnen im Kino sitzen. Sie stehen aber lieber in der Kälte und verkaufen kleine Ziegelsteine. Weil sie nicht nur zusehen, sondern etwas unternehmen wollen.

Für die vielen Menschen auf Haiti, die kein Dach über dem Kopf, nichts zu essen mehr haben. Und die ihre toten Angehörigen auch mehr als eine Woche nach dem schlimmen Erdbeben immer noch unter den Trümmern suchen.

„Schön, dass ihr das macht", sagt eine Frau den beiden Mädchen, als sie einen kleinen Ziegelstein für 5 Euro in ihre Handtasche legt. Aber es sind nicht nur diese Worte, die Franziska und Theresa bei strammer Kälte zu den Abend- und Morgenmessen vor das Kirchenportal locken. „Sonst will man immer etwas tun, redet viel – und unternimmt dann doch nichts", meint Franziska Leopold. Das soll diesmal anders sein. Denn: „Wir Messdiener haben uns bei einem Treffen am letzten Wochenende gefragt: Wo ist Gott eigentlich, wo erkennen wir ihn im Alltag”, erzählt Theresa Meschede. „Dann war uns klar, dass wir für die Menschen auf Haiti etwas tun müssen."

„Die Gespräche kamen bei den Abendimpulsen auf dem Messdienerleiterwochenende automatisch auf das Thema", erzählt Svenja Kuschke, die Gemeindeassistentin im Pfarrverbund Kamen-Kaiserau. „Die meisten waren sich schnell einig, dass man helfen muss." Ganz spontan stellten die gut 70 Messdiener dann eine Hilfsaktion auf die Beine. „Die Jugendlichen haben Flyer erstellt, 500 Bausteine im Internet bestellt und Werbung gemacht", berichtet Svenja Kuschke weiter.

Lena Knepper, Joel Schunke und Stefanie Schebrowski schälten sich am Sonntag in aller Frühe aus dem Bett, um in der Frühmesse in Kamen mit ihren Bausteinen rechtzeitig zur Stelle zu sein. Sie berichteten auch ohne Stichwortzettel spontan davon, was mit dem gespendeten Geld in Haiti passieren soll. Lena und Stefanie sind darin schon fast erfahren. „Wir waren auch schon in Bosnien und haben dort Menschen geholfen", berichten sie. Denn anderen in der Not beizustehen, das liegt ihnen am Herzen.

So viel Kreativität ist ansteckend. Auch die Kolpingfamilie in Methler hat sich von der jugendlichen Hilfsbereitschaft inspirieren lassen. „Einige unserer Vorstandsmitglieder hatten am vergangenen Wochenende die gleichen Gedanken – einer hat ihn dann ausgesprochen", berichtet der Vorsitzende Helmut Riedner von der nicht minder spontanen Umwidmung des traditionellen Glühweinverkaufs in Kaiserau. Der war in den letzten mindestens fünf Jahren stets für die Renovierung der Kirche gedacht. Nun soll auch das Aufwärmen bei eisiger Kälte Haiti zu Gute kommen. „Die Bereitschaft zum Spenden ist sehr groß", ist Helmut Riedner überzeugt.

Nebenan in der Gaststätte „Zum Turm” rollt derweil ebenfalls eine Hilfsaktion an. Dort arbeitet Stefanie Köhler, die aus Haiti stammt. Ihre neunjährige Tochter ist noch auf der Insel. „Sie muss hungern und hat kaum etwas zu trinken", berichtet Olaf Hoppe. Der Opa von Stefanie Köhler kam bei den Erdbeben sogar um, wurde verschüttet. Mit einem Spendentag am 7. Februar Inhaberin Katja Buschmann nicht nur möglich machen, dass ihre Angestellte ihr Kind aus dem Katastrophengebiet holen kann. „Wir wollen auch für die Opfer spenden", berichtet sie.

Katja Burgemeister

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