Mafia ist im Ruhrgebiet längst präsent
04.09.2009 | 18:16 Uhr 2009-09-04T18:16:00+0200
Kamen. Dass die Mafia längst in Deutschland angekommen ist, hatte die in Kamen geborene Autorin Petra Reski in ihrem Mafia-Buch geschildert – und manchen Widerstand erfahren. Inzwischen bestätigen Medienberichte und Polizeikreise ihre Darstellung. Wir sprachen darüber mit der Autorin:
Redaktion: Frau Reski, jüngste Aussagen von Polizeisprechern bestätigen, was Sie schon in ihrem Buch geschrieben haben: Die Mafia ist in Deutschland und im Ruhrgebiet längst präsent.
Petra Reski: Ich freue mich, dass mein vor kurzem in der „Zeit” erschienenes Dossier über die Mafia in Deutschland ein so großes Echo hatte: Darin habe ich aus dem (vertraulichen) BKA-Bericht zitiert, der beschreibt, wie etabliert speziell die Clans der kalabrischen Ndrangheta in Deutschland sind. Seitdem haben einige Kollegen damit angefangen, einfach mal nachzufragen, wie sich das tatsächlich verhält mit der Mafia in ihrer Region - und sie erhalten zum Teil sehr erstaunliche Antworten von den Landeskriminalämtern. Die Mafia ist im Ruhrgebiet bereits seit den 60er Jahren präsent. Nur hat sich bis vor kurzem kaum jemand dafür interessiert.
Muss ich nun in Kamen oder Dortmund bei jedem Pizzeria-Besuch damit rechnen, dass diese Verbindungen zur Mafia unterhält?
Ich will auf keinen Fall die italienische Gastronomie unter Generalverdacht stellen. In Berlin gibt es die Initiative „Mafia –Nein, danke!“ – der sich einige italienische Restaurants angeschlossen haben. Vielleicht ist das auch für andere italienische Gastronomen ein Ansporn, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Es ist natürlich traurig, dass auch die anständigen Italiener in Deutschland gezwungen sind, wie eine kalabrische Freundin von mir schrieb, ihre Identität negativ definieren zu müssen: „Wir Opfer müssen klarmachen, dass wir mit unseren Schlächtern nicht mehr als die Herkunft gemein haben.“
Nun soll Ihr Buch in italienischer Sprache erscheinen?
Ja, es erscheint am 14. September in Italien. Es herrscht ein großes Interesse daran zu erfahren, wie man in Deutschland das Problem der Mafia betrachtet - und wie man es zu bekämpfen gedenkt. Die Italiener halten ja große Stücke auf die tüchtigen Deutschen, deshalb waren sie etwas verwundert, als sie erfuhren, dass man in Deutschland dazu neigt, die Mafia ausschließlich als italienisches Problem zu betrachten.
Sorgen Sie sich um Reaktionen in Italien?
Ich würde mir nur Sorgen machen, wenn ich für mein Buch nicht gründlich recherchiert hätte. Es basiert jedoch auf Ermittlungsakten, Gerichtsakten und Aussagen von Fahndern und Staatsanwälten - von daher sehe ich dem Erscheinen in Italien gelassen entgegen. Ich freue mich insbesondere darüber, dass mir der stellvertretende Leiter der nationalen Antimafia-Ermittlungsbehörde in Rom, Vincenzo Macrì, für die italienische Ausgabe ein Vorwort geschrieben hat.
Gibt es neue Buchvorhaben und Pläne für die nächste Lesung in Kamen?
Ja, es gibt ein neues Buchprojekt. Und für Lesungen in meiner Heimatstadt stehe ich immer zur Verfügung!
16:19
Ein Napolitaner sagte uns mal auf die Frage:Gibt es hier in Neapel große Probleme mit der Mafia? Wieso? Wir haben damit kein Problem, die sind doch alle bei Euch......
10:47
Der O.K. kann man in Deutschland nur beikommen wenn es endlich eine einheitliche, total anonyme, Telefonnummer/eMail-Postfach für Mitteilungen/Tipps gibt.
Bisher wird bei jedem Anruf/jede eMail an das LKA/BKA/Staatsanwaltschaft die Identität des Mitteilenden registriert.
Der Bürger sieht und hört viel, greift jedoch meist nicht ein, da er hinterher keine Scherereien haben will.
10:54
Ich wußte schon vor 40 Jahren davon und hatte mich gewundert, daß die deutschen Behörden offenbar eine Gefahr von Links für größer hielten als die Organisierte Kriminalität. Hoffentlich ist der Tiefschlaf nun beendet und man sieht die Realität und nicht irgenwelche deutsche Ideologien. Ich weiß nicht, ob die Polizeiführung lesen kann, aber beim Schriftsteller J.Roth kann man allerdings erfahren, daß die Polizei die Bekämpfung der O.K. schon aufgegeben hat....