Lehrstelle als Leuchtturm-Projekt
02.11.2011 | 14:31 Uhr 2011-11-02T14:31:00+0100
Kamen.Christian Dietz ist überglücklich. Der 22-jährige Familienvater hat endlich einen Ausbildungsplatz bekommen. Und das ist - leider Gottes - ganz und gar nicht selbstverständlich. Denn der junge Werner ist schwerbehindert. Deshalb ist die Einrichtung eines Ausbildungsplatzes zum Fahrradmonteur an der Radstation in Kamen für ihn ein Segen. Jobcenter und Integrationsfachdienst im Kreis sprechen sogar von einem „Leuchtturmprojekt“.
Jeder 10. Arbeitslose
ist schwerbehindert
Zum ersten Mal in diesem Jahr nämlich, erklärt Thomas Neuhaus, Fachbereichsleiter Grundsicherung beim Jobcenter, werde im Kreis ein solcher Ausbildungsplatz für Hartz IV-Empfänger gefördert. Im konkreten Fall sind das über die Dauer der gesamten Ausbildung 80 Prozent der monatlichen Ausbildungsvergütung. „Wir würden hier gerne viel mehr tun, wenn sich Arbeitgeber dazu durchringen könnten, mehr Menschen mit Behinderungen in die Ausbildung zu nehmen“, betont Neuhaus und weist in diesem Zusammenhang auf eine erschreckende Zahl hin. „Im Kreis Unna ist jeder zehnte Arbeitslose schwerbehindert. Insgesamt sind das 1663 Personen.“
Auch Christian Dietz hatte lange keine Perspektive, überhaupt eine Ausbildung absolvieren zu können. „Ich habe mich bei mehreren Arbeitgebern beworben, aber durchweg nur Absagen erhalten mit dem Hinweis, es gäbe keinen Platz. Es wurde zwar nie offen ausgesprochen, ich hatte aber schon den Eindruck, dass meine Gehbehinderung der Grund dafür war.“
Erst die Begegnung mit Michael Schubert vom Integrationsfachdienst eröffnete Dietz neue Möglichkeiten. „Sein Talent für’s Schrauben hat mich auf die Idee gebracht, Kontakt mit der Das Dies Service GmbH aufzunehmen, die die Radstationen im Kreis Unna betreibt“, erzählt Schubert. nach einem Gespräch mit der Geschäftsführung und dem Leiter der Radstation Kamen, Stefan Rose, durfte Christian Dietz hier ein Praktikum absolvieren. „Christian hat dabei einen so guten Eindruck hinterlassen, dass wir alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, ihm hier einen Ausbildungsplatz zu verschaffen“, berichten Rose und Maciej Kozlowski, stellvertretender Geschäftsführer bei DasDies.
Bis es soweit war, gingen zwei weitere Jahre ins Land. Nicht zuletzt musste die Radstation von der Handwerkskammer als Ausbildungsbetrieb zugelassen werden. Seit dem 13. September ist Dietz nun offiziell Azubi bei DasDies. „Es ist einfach ganz toll hier, die Arbeit macht sehr viel Spaß und die Kollegen sind sehr verständnisvoll“, berichtet Dietz. „Wenn ich aufgrund meiner Behinderung mal nicht mehr stehen kann, darf ich mich auch gerne mal im Sitzen einen Momant ausruhen.“ Oder eben auch im Sitzen arbeiten. So wie gestern, als er neue Speichen in eine Fahrradfelge einsetzte.
DasDies-Manager Marciej Kozlowski hofft, dass Dietz die Ausbildung erfolgreich absolviert und dann im eigenen Unternehmen bleibt. Denn an den zwölf Radstationen im Kreis gibt es genug Arbeit.
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