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Kunst in Kirchen zog Besucher in Bann

13.05.2008 | 21:15 Uhr

Kamen. (fh/kmg) Ob die Kirchen in Kamen nun auf Kleinkunst oder moderne Musik, auf Gebete oder geistliche Lieder setzten - die Nacht der offenen Kirchen zog Besucher zu Hunderten in den Bann. Eine Bilanz.

Kabarett und Kirche - diese Verbindung war bisher nicht besonders eng. Dass beides aber durchaus harmonieren kann, zeigte der Auftritt von Christa A. und Albrecht Thiel in der Pauluskirche im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen. Die beiden beschäftigten sich mit einem besonderen Exemplar: "An sich isser nich bösartig - Der Westfale". Nach einem kurzen Kirchen-Knigge ("Paulus sprach zu Martin Luther - auf Oblaten streicht man keine Butter") erläuterte das Duo die sprachlichen Besonderheiten der Region. Besonders die kreative Einsetzen der Fälle sorgte für Lacher unter den rund 200 Besuchern. "Mein Opa sein Freund sein Fahrrad" kann wohl nur verstehen, wer aus der Region kommt, ebenso die Formulierung, "Ach nee, da bin ich fies für." Diese Einschätzung gilt natürlich nicht für die westfälische Küche: "Mein Mann isst gern durcheinander". Damit sei, betont Albrecht Thiel, nichts über den Geisteszustand des Mannes gesagt.

Eine weitere ungewöhnliche Idee: Pfarrer Böcker las aus der Bibel, der Saxophonist Stephan Olfers spielte dazu. Dank der guten Akustik der Kirche kam der Klang des Instrumentes sehr gut zur Geltung. Anschließend lud die Jugendkantorei zum Taizé-Gebet, ehe Orgelmusik von Kirsten Schweimler-Kreienbrick die Kirche erfüllte.

Unter das Motto "Mein Lieblingslied für Gott" hatte die kath. Gemeinde St. Marien Kaiserau die "Nacht der offenen Kirche" gestellt. Gemeindemitglieder gestalteten Zeitabschnitte mit ihrer persönlichen Lieblingsmusik. Die Frauenschola leitete den Abend mit geistlichen Liedern ein. Später spielte eine junge Band moderne geistliche Stücke.

Pfarrer Carsten Scheunemann zeigte sich begeistert: "Das Zusammenleben von jung und alt spiegelt sich auch durch die unterschiedlichen Facetten dieser Nacht wider." In der ruhigen Atmosphäre der Kirche, die allein mit Kerzenlicht ausgeleuchtet war, genossen die Gäste später Instrumentalstücke von Theresa und Anna Meschede. Zu den sanften Tönen von Geige und Querflöte beteten die Besucher still für sich, oder ließen sich von einer meditativen Dia-Show inspirieren.

"Jeder kann kommen, wann er will", erklärte Pfarrgemeinderatsmitglied Monika Köhn. Man sei nicht gebunden an den Standard der Heiligen Messe, sondern könne die Kirche neu entdecken. Um die Kirche einmal anders entdecken zu können, gestaltete die Firmvorbereitung eine halbe Stunde der Nacht auf ungewöhnliche Weise. Musik von Michael Jackson oder Xavier Naidoo ist in der Kirche sonst eine Seltenheit. Ein Kontrast dazu bot Norbert Baumert, der auf seiner Querflöte spielte.

Einen Komponisten galt es in der ev. Gemeinde Heeren-Werve zu entdecken: Wilhelm Middelschulte ist einer der berühmtesten Söhne der Gemeinde - trotzdem hören die Menschen nur selten etwas über oder gar von Wilhelm Middelschulte. Nun erklang sogar eines seiner Stücke, gespielt von Tobias Wittig: "Das ist etwas Besonderes, weil die Stücke sehr schwierig sind", erläuterte Hans-Dieter Meyer. Nur rund zehn Orgelspieler weltweit beherrschten die Kompositionen.

Meyer ist Biograph des Wervers, der vor 145 Jahren geboren wurde und vor 65 Jahren starb. Zum Orgelspiel sei dieser gekommen, weil ihn seine Mutter zum Helfen verdonnert hatte. Auch sie spielte Orgel, brauchte aber Unterstützung , um diese mit Hilfe eines Blasebalgs zu betreiben. Dabei erwuchs in ihm die Begeisterung für das Instrument. Dazu kam angeborenes Talent - so dass Middelschulte bald nach Berlin zog, um dort zu studieren, 1891 dann siedelte er über nach Amerika, der Liebe wegen: Auch hier war er ein gefeierter Komponist und Orgelvirtuose.

Der Kontakt zu seiner Heimat riss nie ab, 22 Mal kam er zu Besuch zurück - bei rund einer Woche auf dem Meer pro Fahrt. 1943 wurde er in Heeren beerdigt.

Pfarrerin Andrea Mensing war von dem Referat mehr als angetan: "Vorher war Wilhelm Middelschulte für mich nur ein Name, jetzt haben sein Leben und seine Musik Konturen bekommen."

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