Knisternde Spannung in der Möbelhalle
19.10.2008 | 15:14 Uhr 2008-10-19T15:14:00+0200
Möbelhäuser – auch skandinavische – gelten nicht unbedingt als kriminelle Orte. Das war am Freitagabend einmal anders: Die Reihe „Mord am Hellweg” gastierte in der Anlieferungshalle von Ikea. Zwei Topstars der schwedischen Krimi-Szne und ein deutscher Schaupieler sorgten für knisternde Stimmung.
Michael Fitz, bekannt geworden als Carlo Menzinger im Münchener „Tatort”, sitzt auf der kleinen Bühne am Eingang der Halle, die 400 Besucher komplett füllen. Er spricht ruhig, mit klarer Stimme. Fitz liest aus der „Lisbeth Salander”-Trilogie des verstorbenen Autors Stieg Larsson. Der Prolog des Buches „Verdammnis” erzählt quälend detailliert von einer Gefangenschaft in einem Keller, aus der Perspektive des gefesselten Opfers. Angesicht der Häufung von realen Fällen solcher Verbrechen hat das Werk zusätzliche Brisanz erhalten. Doch auch so schlägt es das Publikum in seinen Bann. Die Besucher, die gerade noch um einen Platz gestritten hatten, sitzen nun atem- und bewegungslos. Als Fitz nach dem Prolog abbricht, ist der Hunger nach den weiteren Kapiteln längst geweckt. Zwischen den verschiedenen Autoren spielt, passend zum Thema des Abends, die Band „Swedisch Music”. Für ihre Versionen von Abba-Hits und Volksliedern ernten sie viel Applaus. Auch für passendes Essen ist gesorgt: Die schwedische Erbsensuppe kommt gut an.
Durch das Programm führt Alexa Christ: Sie entlockt Fitz, dass zumindest eine kurzfristige Rückkehr Carlos in den „Tatort” möglich ist. Die Schauspielerin interviewt mit Hilfe einer Übersetzerin auch Helene Tursten, fragt sie nach der Realitätsnähe ihrer Figuren. Die schwedische Autorin versteht ein wenig Deutsch, sprechen kann sie es nicht. So bekommen die Besucher die erste Seite ihres neuen Romans „Die Tote im Keller” zuerst einmal auf Schwedisch zu hören. Dann trägt Alexa Christ den Beginn noch einmal für alle Besucher verständlich vor. Sie lernen zwei schwedische Kommissare kennen, die statt des anvisierten Fast Foods mit einer blutigen Leiche vorlieb nehmen müssen. Die flüchtenden Täter scheinen schon gestellt, die Kollegen der Hauptpersonen haben eine Hütte umstellt, sie öffnen die Tür – da endet das Kapitel. Mit dieser Ungewissheit soll die Neugier auf das Werk geweckt werden. Das gelingt auch offensichtlich, denn nach dem Schluss der Veranstaltung gehen noch einige Werke über die improvisierte Theke der „Buchhandlung am Markt”. „Die Bücher gefallen mir auch selbst sehr gut, insbesondere die von Stieg Larsson”, sagt Inhaberin Gerlinde Hopp. Auch Arne Dahl besteigt die Bühne: er versetzt die Besucher bei „Ungeschoren” in den schwedische Mittsommer. Mehrere Mordopfer, verbunden durch die selbe Tätowierung lassen den Kommissar im Dunkeln tappen. Auf die Lösung mussten die Besucher vergebens warten. Doch einige werden sie sicher schnell nachlesen.
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