Klingt gut - und ist kaum zu machen
23.01.2008 | 21:21 Uhr 2008-01-23T21:21:27+0100Von Andreas Milk Kamen. Billigstrom für Arme: eine Idee, die Bundesumweltminister Gabriel propagiert. ...
... Und die beim Chef der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen - Bönen - Bergkamen (GSW), Hermann Josef Görres, auf mehr als nur einen Vorbehalt trifft.
Einen so genannten Sozialtarif oder -rabatt hat Gabriel angeregt; dauerhaft solle er von allen Energieversorgern angeboten werden. Klingt zunächst einmal nicht schlecht, ist publikumswirksam, gibt Görres zu. Er stellt aber auch die Frage: Wer soll das bezahlen?
"Was ich an Rabatten gewähre, muss ich den Kommunen abnehmen - oder an anderer Stelle verdienen", sagt Görres. Der sieht noch ein weiteres Problem: Es bestünde die Notwendigkeit festzulegen, nach welchen Kriterien Preisnachlässe eingeräumt werden sollen. Es gibt Regionalversorger des Energiekonzerns Eon, die eine Befreiung von der Rundfunkgebühr durch die GEZ zum Maßstab für Stromrabatte machen. Ob aber die GEZ und ihre "Befreiungstatbestände" als Vorbild für ein Rabattsystem beim Strom taugen würden, müsste man für den hiesigen Raum zunächst einmal prüfen, findet der GSW-Vorstandschef. Die Stadtwerke selbst verfügten über keinerlei Sozialdaten ihrer Kunden. Und ihre "schlanke Personalstruktur" würde es ihnen ohnehin nicht erlauben, in dieser Hinsicht aufwändige Recherchen anzustellen.
Wenn die GSW trotzdem ihre "Pappenheimer" kennen, dann hat das andere Gründe. Anders als Firmen wie Yello, E-wie-einfach und Co. nämlich sind die Gemeinschaftsstadtwerke ein Unternehmen der kommunalen Grundversorgung für alle Bürger. "Wer bei einem anderen Anbieter aus dem Vertrag fliegt, landet wieder bei uns", so Görres. Aber auch GSW-Stammkunden kommen schon mal mit Zahlungen in Verzug: In den vergangenen Jahren hätten es seine Mitarbeiter "zunehmend" mit Strom-Abnehmern in Privat-Insolvenz zu tun und mit Kunden, denen staatliche Stellen helfen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Beim nächsten turnusmäßigen Gespräch zwischen der GSW-Führung und den SPD-Bürgermeistern der drei Kommunen Kamen, Bergkamen und Bönen werde der Vorschlag des SPD-Ministers Gabriel sicher angesprochen, glaubt Görres, selbst Sozialdemokrat. Mit seiner Skepsis wird er dann wohl nicht hinterm Berg halten. Förderlich wäre seiner Ansicht nach gewesen, Gabriel hätte gesagt: die Regulierungsbehörde beim Bund möge eine höhere, von den Stromfirmen zu tragende Gebühr für die Netz-Nutzung festlegen, und von diesen Mehreinnahmen werden Sozialrabatte finanziert - eine Initiative, mit der man hätte arbeiten können, meint GSW-Chef Görres.
Der, ganz nebenbei, die Frage stellt, ob es denn wohl im Sinne Gabriels wäre, wenn umgekehrt "Reiche" künftig mehr als den Regeltarif für ihren Strom zahlen müssten.
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