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Kampf dem kleinen Zölibat

15.03.2009 | 17:09 Uhr
Kampf dem kleinen Zölibat

Kamen. Mit Gottesdienstbesuchern, die auf Kinderstühlchen saßen, hat alles begonnen, erinnert sich Rosemarie Deterding. Die Rentnerin war 32 Jahre lang Pfarrerin in Südkamen und zudem die erste weibliche Pastorin im Kirchenkreis Unna. Am Montag wird sie 70 Jahre alt.

Der Beginn ihrer beruflichen Laufbahn war nicht einfach. Denn Anfang der Siebzigerjahre hatten weibliche Pfarrer noch nicht dieselben Rechte wie männliche.

„Ich nenne es den 'kleinen Zölibat'”, sagt Deterding und lacht. Am 1. März 1968 begann sie ihre Arbeit als Pfarrerin im damaligen Bereich Kamen-Süd/ Südkamen. Sie war bereits seit 1967 mit Karl Ernst Deterding verheiratet. Das Problem damals war, dass eine Pastorin aus dem Dienst ausschied, sobald sie heiratete: Der „kleine Zölibat” wurde angewandt. Trotzdem konnte Rosemarie Deterding in Kamen als Pfarrerin arbeiten. Zu Beginn wurde eine Ausnahmeregelung getroffen, denn Karl Ernst Deterding war noch in der Ausbildung. Doch auch als er schon Pfarrer war, konnte seine Ehefrau weiterarbeiten.

„Es war eine kritische Zeit, aber wir haben immer wieder mit der Kirchenleitung verhandelt”, sagt Rosemarie Deterding. In der Gemeinde nannte man diese Ausnahme scherzhaft das „Lex Deterding”. Im Jahr 1974 wurde die Pfarrerin von der Gemeinde in die Landessynode gewählt. Sie beteiligte sich daran, dass das Pastorinnengesetz der Westfälischen Landeskirche geändert wurde. Nun konnte eine Pfarrerin verheiratet sein.

Vom Gesetz bestärkt machte sich Rosemarie Deterding weiter an den Aufbau der Kirchengemeinde. Es gab viel zu tun. Im Dezember 1974 wurde das Johannes-Buxtorf-Haus eingeweiht und die Südkamener Protestanten hatten endlich ein Gemeindehaus. 1968, als Deterding gerade mit der Arbeit begonnen hatte, war noch nichts dergleichen da. „Unsere Gottesdienste fanden in der Grundschule statt”, sagt sie. „Die Schüler dort sind höchstens zehn Jahre alt. Und auf diesen kleinen Stühlen haben die Leute dann gesessen.” Im Frühsommer 1968 habe die Gemeinde dann in die Alte Schule umziehen können, die heute nicht mehr steht.

Im Oktober 1989 erlebte Deterdings Gemeinde einen interessanten Zufall: Sie bekamen eine Orgel, die sie beim Unternehmen Schuke in Ostberlin bestellt hatten. Dies geschah etwa zurselben Zeit wie der Mauerfall. Es war „ganz wunderbar”, erinnert sich die Pfarrerin im Ruhestand. Die Gemeinde feierte ihre besondere gesamtdeutsche Orgel.

Rosemarie Deterding trat am 1. Januar 2000 in den Ruhestand. Die 32 Jahre in ihrem Traumberuf bereut sie nicht. Obwohl sie die erste Pfarrerin im Kirchenkreis war, wurde sie von der Gemeinde akzeptiert. Auch im Studium gab es keine Probleme. „Es gab früher Professoren, die Theologie-Studentinnen baten, in den hintersten Reihen Platz zu nehmen”, sagt Deterding. „Als ich studierte, war das aber nicht mehr so.” Ihre Eltern hätten ihr allerdings geraten, Religionslehrerin zu werden, da die Gesetzeslage für Pastorinnen so ungünstig war. „Aber ich wollte Pfarrerin werden.”

Deterding wurde vor nun genau 70 Jahren in Mainz geboren, ist in Ostwestfalen aufgewachsen und hat in Bethel, Heidelberg, Basel und Münster studiert. Ihren Ehemann lernte sie in Heidelberg kennen. Karl Ernst Deterding betreute 25 Jahre lang als Pfarrer die Gemeinde im Kamener Westen. Zwischendurch ging er seiner Frau zuliebe in den Schuldienst, da ein Pfarrer-Ehepaar nicht zur gleichen Zeit in derselben Gemeinde arbeiten durfte. Heute ist auch Herr Deterding im Ruhestand.

Jetzt, als Rentnerin, hat Rosemarie Deterding Zeit für ihre Hobbys: Lesen, Briefeschreiben, Freundschaften pflegen und natürlich Cocker-Spaniel-Dame „Quitte”. Deterding hält ab und zu Vorträge oder macht Vertretungsdienste. Der Beruf macht ihr offesichtlich immer noch Spaß. „Ich mag die Vielseitigkeit dabei”, sagt sie.

Katja Reich

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