Jungwähler warten noch auf Argumente
18.06.2009 | 19:35 Uhr 2009-06-18T19:35:00+0200
Sebastian findet, dass es in Kamen mehr angesagte Plätze für Jugendliche geben müsste – und er steht mit dieser Meinung nicht allein. Politiker, die auf diesem Feld Fantasien entwickeln, hätten bei der Kommunalwahl am 30. August offenbar ziemlich gute Chancen.
Das legt zumindest eine kleine (natürlich nicht repräsative) Umfrage nahe, die unsere Zeitung gestern in einer 10. Klasse im Städtischen Gymnasium durchgeführt hat. Zum ersten Mal dürfen die zumeist 16-Jährigen im Herbst von ihrem demokratischen Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen. Und die meisten Erstwähler wissen jetzt noch nicht, wem sie bei der Stadtrats- und Bürgermeisterwahl ihre Stimme geben werden. Einige sind sich auch noch nicht darüber im Klaren, ob sie überhaupt wählen wollen.
»Wichtig sind Schule,
Bildung und
Umweltschutz«
Was auch damit zu tun hat, dass noch nicht so wirklich rüber gekommen ist, wofür die einzelnen Parteien in Kamen eigentlich stehen – jedenfalls aus Sicht der Jugendlichen. Vor der Europawahl, erklärten uns die eigentlich sehr interessierten jungen Leute, habe man sich schon im Politik-Unterricht mit den Programmen vertraut gemacht – kommunal aber seien die Inhalte für sie (noch) weit weniger greifbar. „Schule, Bildung und Umweltschutz”, interessierten ihn besonders, sagt zum Beispiel Sebastian. Wer sich also dafür einzusetzen verspricht, dass das Jugendfreizeitzentrum auf der Lüner Höhe mal so richtig durchrenoviert wird, der hätte schon gute Chancen auf Sebastians Stimme.
Noch besser würden die Chancen, wenn es mehr attraktive Aufenthaltsorte in Kamen-Mitte und Methler (Heeren-Werve und Südkamen waren in dieser Klasse nicht vertreten) gäbe. Vom Hertie-Parkdeck oder diversen Spielplätzen werde man immer wieder vertrieben – „und wenn wir dann fragen, wo wir hin sollen, dann wissen die Leute vom Ordnungsamt auch nichts”, klagt Katy. Besonders krass sei die Situation, seit beliebte Gaststätten wie das „Cafe´ Camen” als Raucherclubs nur noch für Menschen ab 18 geöffnet seien.
Punkten könnten die Kommunalpolitiker offenbar auch mit Initiativen in Richtung Volkshochschule. Mehr Kreativangebote wünschen sich die Jungwähler hier – Kreativangebote, die eben auch jungen Menschen Spaß machen.
Weniger auf lokale Aussagen wird dagegen Lucas achten. Er möchte seine Stimme der Partei geben, die bundespolitisch überzeugende Werte vermittelt. Konkret wird er sich – auch bei der Kommunalwahl – für die Partei entscheiden, von der er sich für die Gestaltung seiner Zukunft am meisten verspricht.
13:15
Kamen war schon immer Jugendfeindlich.
In dieses komische Jugendfreizeitzentrum auf der Lüner Höhe habe ich mich nie gewagt, obwohl ich um die Ecke gewohnt habe.
Ansonsten gab es nichts und da hat sich seit den 80er/90er Jahren scheinbar nichts geändert.
Wir hingen in der Fußgängerzone, im Freibad oder eben auf dem -damals noch- Karstadt Parkdeck ab, es sei denn es war grad Kirmes.
In Heeren oder Methler hatte man völlig verloren.
Kamen hat sich schön entwickelt durch Geld, das man nicht hatte.
Aber für die Jugendlichen hatte der SPD Filzverein scheinbar immer noch nichts über.
Steine aus China sind ja auch wichtiger, Herr Hupe...
11:49
Es ist leider heutzutage modern geworden in der Lokalpolitik, eine KINDERfreundliche sowie eine FAMILIENfreundliche Stadt aufzubauen. Die Zeit dazwischen wird heutzutage leider von den meisten ignoriert.
Wer jetzt mit dem alten Argument kommt aber ich habe meine Jugend auch gut herumbekommen, ohne dass sich die Politik drum gekümmert hat, dem sei gesagt: Ihr hattet wesentlich mehr Flächen zur Verfügung.
Wo kann denn eine Gruppe Jugendlicher, die einfach mal bolzen wollen, dies heut noch tun?
Wo habt ihr euch abends getroffen? Erzählt mir nicht, dass ihr sowas nicht gemacht habt.
Gibt es diese Flächen überhaupt noch?
Und wenn ja, darf man sich dort als Jugendgruppe heute noch aufhalten, ohne von regelungswütigen Ordnungsamtsmitarbeitern vertrieben zu werden?
Fragen über Fragen, die leider kein Lokalpolitiker beantwortet. Dass das für Verdruss bei Jungwählern sorgt bzw. dafür, dass sie blind drauflos wählen, ist doch klar!